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Blackwater-Manager soll den Chefermittler des US-Außenministeriums mit dem Tod bedroht haben. Blackwater hat nach dessen Darstellung im Irak das alleinige Sagen gehabt.
Blackwater-Manager soll den Chefermittler des US-Außenministeriums mit dem Tod bedroht haben. Blackwater hat nach dessen Darstellung im Irak das alleinige Sagen gehabt.(Foto: picture alliance / dpa)

"Ich kann Sie hier im Irak töten": Blackwater-Söldner bedrohten US-Ermittler

Von Nora Schareika

Die US-Regierung wusste früh, wie skrupellos die Sicherheitsfirma Blackwater nach 2003 im Irak agierte. Doch eine offene Morddrohung brachte ihren Chefermittler zum Schweigen. Kurz darauf verübten Söldner ein folgenschweres Kriegsverbrechen.

Für die US-Sicherheitsfirma Blackwater war der Irak nach dem Sturz Saddam Husseins ein Milliardengeschäft. Die umstrittenen Söldner, so eine verbreitete Einschätzung, waren nicht nur Verstärkung für die US-Armee, sondern sie waren auch für die Drecksarbeit verantwortlich. Sie sollten zum Beispiel amerikanische Diplomaten im Land beschützen, waren aber auch an Operationen beteiligt, die sich selbst für die nicht zimperliche US-Armee in rechtlichen Grauzonen bewegten. Ein aufsehenerregender Bericht der "New York Times" zeigt jetzt, dass die Blackwater-Leute sich im Irak jedoch wenig um die Anweisungen ihres Auftraggebers, der US-Regierung, geschert haben. Stattdessen übernahmen sie vor Ort das Sagen, notfalls in Wild-West-Manier.

Verletztes Opfer der Schießerei vom Nisur-Platz in Bagdad, September 2007. Blackwater-Söldner erschossen dort ohne Grund 17 Passanten und Kinder.
Verletztes Opfer der Schießerei vom Nisur-Platz in Bagdad, September 2007. Blackwater-Söldner erschossen dort ohne Grund 17 Passanten und Kinder.(Foto: REUTERS)

Einem internen Papier zufolge, das die "New York Times" veröffentlicht hat, hat der Blackwater-Projektleiter in Bagdad sogar einen Mitarbeiter des US-Außenministeriums mit dem Tod bedroht, wenn dieser sich nicht heraushielte. Wörtlich hatte er dem Chef-Ermittler der US-Regierung, Jean Richter, gesagt: "Ich könnte Sie hier im Irak erschießen und niemanden würde es interessieren, weil das hier eben so ist." Ein anderer Blackwater-Mitarbeiter soll daraufhin Witze über die historische Schießerei am O. K. Corral in Arizona gerissen haben - sie ist bis heute Symbol für den gesetzlosen Zustand, in dem jeder drauflosballern darf, und stand für zahlreiche Westernfilme Pate. Der Ermittler hatte zuvor schlechte Hygiene und miserables Essen in der Einheit bemängelt.

Jean Richter reiste daraufhin aus Bagdad ab. Er begründete das damit, dass er die Drohung ernstgenommen habe. "Wir waren in einem Kriegsgebiet, wo unerwartete Dinge passieren können, insbesondere, wenn es um Fragen geht, die einen lukrativen Sicherheitsauftrag betreffen." Das Schreiben des Inspekteurs an Stellen im US State Department ist vom 31. August 2007 datiert. Er ist merklich schockiert von seinem Aufenthalt im Irak und schreibt weiter: "Der Vorfall ist für mich so bestürzend, weil er den Mangel an Professionalität und Disziplin zeigt, der während der Vertragszeit unserer Sicherheitspartner im Irak System gehabt haben muss."

Blackwater-Leute töteten 17 Zivilisten

Rund zwei Wochen später, im September 2007, erschossen Blackwater-Angestellte in Bagdad 17 Zivilisten. Von ihnen ging, wie man jetzt weiß, keinerlei Gefahr aus. Vier ehemalige Blackwater-Angestellte stehen derzeit in New York vor Gericht, der Prozess wird gerade zum dritten Mal aufgerollt. Das Massaker führte im Irak zu noch mehr Hass auf die amerikanischen Besatzer. Die US-Regierung musste daraufhin Blackwater den Auftrag entziehen. Die Firma hat sich seither zweimal umbenannt und heißt jetzt "Academi". Mehreren Medien zufolge kämpfen derzeit rund 400 Mitarbeiter von Academi in der Ukraine an der Seite der Regierungstruppen. Die Firma bestreitet das.

Zum Gebaren der Blackwater-Leute im Irak vor sieben Jahren schreibt Chefermittler Richter weiter, die Strategie Washingtons, sich aus allem herauszuhalten, habe im Irak eine Atmosphäre geschaffen, in der sich die von der Regierung angeheuerten Sicherheitsleute als Kommandoführung sähen - eigentlich müsse es genau umgekehrt sein. "Die Äußerungen sandten eine klare Botschaft: nämlich dass die Blackwater-Vertragspartner sich selbst als 'über dem Gesetz' sahen und tatsächlich glaubten, sie würden die ganze Unternehmung leiten." Es sei ganz offensichtlich, dass die Leitungsstrukturen Washingtons sich Blackwater untergeordnet hätten anstatt die Firma in ihrem Tun zu kontrollieren.

Der neue Skandal zeigt, wie skrupellos die Sicherheitsfirma seinerzeit gearbeitet hat - und erwischt die US-Regierung in einem Moment, wo sie die ganze Irak-Vergangenheit ohnehin mit aller Macht einholt. Denn mit dem Schreiben von Jean Richter ist klar, dass die US-Regierung bereits vor dem Massaker auf dem Nisur-Platz wusste, wie die Blackwater-Mitarbeiter tickten. Mit der Ausrufung eines islamischen Kalifats in Teilen des Iraks durch die Dschihadisten-Miliz Isis ist das Land heute weiter denn je zurückgeworfen, der Zerfall beinahe besiegelt. US-Außenminister John Kerry versucht derzeit mit einer verzweifelten diplomatischen Großoffensive in der Region, im Irak zu retten, was zu retten ist.

Quelle: n-tv.de

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