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"The Cover Of Rolling Stone": Boston-Attentäter ziert Titelblatt

Von Anna Meinecke

Die August-Ausgabe des US-amerikanischen Musikmagazins "Rolling Stone" sorgt für große Aufregung. Der Cover-Star ist jung, bärtig und trägt Wuschel-Mähne. Doch er ist weder Sänger noch Schauspieler. Es ist Dschochar Zarnajew, der mutmaßliche Bombenleger von Boston.

1972 wollte die US-amerikanische Band "Dr. Hook & the Medicine Show" nur eins: auf das "Cover Of Rolling Stone". In dem Song geht es um die Suche nach dem ultimativen Kick. Wo Groupies und teure Autos im Überfluss zu haben sind, gibt es demnach nur die eine erstrebenswerte Ehrung: Einmal im Leben den Titel des berühmten Musik-Magazins zieren.

In Boston muss sich Zarnajew (im orangenen Anzug) vor Gericht den 30 Anklagepunkten stellen.
In Boston muss sich Zarnajew (im orangenen Anzug) vor Gericht den 30 Anklagepunkten stellen.(Foto: AP)

Der Platz ist für Stars reserviert - "Dr. Hook" mussten erst einmal ihren Hit produzieren, bevor sich die Band 1973 tatsächlich auf dem Cover der Zeitschrift wiederfand.

Dschochar Zarnajew dagegen verhalf der Boston-Anschlag zu fragwürdiger Prominenz. Trotzdem lächelt er jetzt unschuldig vom Hochglanz-Magazin wie Adam Green oder einer der Sänger von den Jonas Brothers. Wird hier ein Attentäter zum Rockstar stilisiert?

Als Vorschau für die am Freitag erscheinende Ausgabe des amerikanischen "Rolling Stone" wurde das Cover zusammen mit einer detaillierten Chronologie veröffentlicht, anhand derer sich nachvollziehen lassen soll, wie sich der Junge vom "beliebten Schüler" zum "Monster" entwickelt hat. Das Foto hatte Zarnajew selbst von sich gemacht und im Internet veröffentlicht.

Die Musik-Zeitschrift beschäftigt sich in seiner Titelstory mit dem überlebenden Zarnajew-Bruder und seinen mutmaßlichen Motiven. Bei dem Anschlag, den er zusammen mit seinem Bruder Tamerlan begangen haben soll, waren im April drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt worden.

Geschäfte wollen Magazin nicht verkaufen

Die wütenden Reaktionen folgten prompt: "Was für eine Schande, einen Mörder wie einen Rockstar aussehen zu lassen", schrieben aufgebrachte Leser auf die Facebook-Seite des Magazins. "Wer immer dachte, das sei eine gute Idee, sollte gefeuert werden", lautete ein anderer der mehr als 15.000 meist negativen Kommentare. Auch Bostons Bürgermeister Tom Menino ist unter den Kritikern. In einem offenen Brief an den "Rolling Stone" schreibt er: "Unter den Überlebenden des Anschlags waren genug Künstler und Musiker. Die verdienen eine Story." Er denke nun jedoch, das Magazin verdiene es nicht länger, über sie zu schreiben.

Die Handelsketten CVS, Walgreens, Tedeschi Food Shops und der Bostoner Supermarkt Roche Bros reagierten mit einem Verkaufsboykott der "Rolling Stone"-Ausgabe. "Wir glauben, das ist die richtige Entscheidung aus Respekt für die Opfer und ihre Angehörigen", erklärte CVS auf Facebook die Entscheidung, die Zeitschrift in den über 7000 Filialen nicht anzubieten. "Musik und Terrorismus vermischt man nicht," schrieb Tedeschi Food Shops ebenfalls auf Facebook.

Die Chefredaktion des Magazins verteidigte sich gegen die Kritik: "Die Tatsache, dass Dschochar Zarnajew jung und in der selben Altersgruppe wie die meisten unserer Leser ist, macht es für uns umso wichtiger, über die Vielschichtigkeit des Themas zu berichten und ein komplettes Bild zu erhalten, wie eine solche Tragödie geschieht", heißt es in einem Statement der Zeitschrift.

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Quelle: n-tv.de

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