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Bereits 2005 standen drei britische Soldaten wegen Misshandlungen an irakischen Zivilisten vor Gericht.
Bereits 2005 standen drei britische Soldaten wegen Misshandlungen an irakischen Zivilisten vor Gericht.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Beweise für Folter im Irak: Britische Soldaten müssen Anklage fürchten

Mehr als fünf Jahre nach dem Abzug britischer Truppen aus dem Irak droht dem Militär ein Skandal um mögliche Kriegsverbrechen: Offenbar haben staatliche Ermittler genügend Beweise, um Soldaten - etwa wegen Totschlags - vor Gericht zu stellen.

Britischen Soldaten haben während ihres Einsatzes im Irak-Krieg möglicherweise Kriegsverbrechen begangen. Das geht aus den Untersuchungen einer Ermittlungseinheit hervor, die vom britischen Verteidigungsministerium beauftragt worden ist. Das "Iraq Historic Allegations Team" (Ihat) habe teils "schwerwiegende Vorwürfe" gegen die Soldaten geprüft, sagte Ihat-Chef Mark Warwick der Zeitung "The Independent". Er gehe davon aus, dass es in einigen Fällen genügend Beweise gebe, um die Militärangehörigen - etwa wegen Totschlags - strafrechtlich zu belangen.

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"Wir müssen beraten, ob es sich dabei um Kriegsverbrechen handelt", erklärte Warwick. Das Verteidigungsministerium in London erklärte, man nehme die Vorwürfe "extrem ernst". Dennoch verhalte sich die "überwiegende Mehrheit" der britischen Soldaten im Einsatz "professionell und in Einklang mit dem Gesetz". Im Laufe der Untersuchungen wurden bislang rund 1500 mutmaßliche Opfer oder Zeugen von Misshandlungen angehört.

In einem der bekanntesten Fälle, die die Ermittler untersucht haben, geht es um den Tod des irakischen Hotelangestellten Baha Mussa. Er war Ende 2003 gestorben, nachdem britische Soldaten ihn nach seiner Festnahme im südirakischen Basra misshandelt hatten. Der Vater von zwei Kindern starb 36 Stunden nach seiner Festnahme - offenbar an den Verletzungen durch die Schläge sowie durch extreme Hitze und Wassermangel.

Menschenrechtler kritisieren zu langsame Fortschritte

Ursprünglich hatte Ihat seine Arbeit noch in diesem Jahr abschließen wollen. Wegen der Vielzahl an Fällen könnte sich dies aber noch bis 2019 hinziehen, sagte Warwick. Mehr als 200 Fälle möglicherweise unerlaubter Tötungen sind dem Bericht zufolge noch offen, lediglich 25 davon werden aktuell untersucht. Zusätzlich muss der Ausschuss 1235 Fälle von Misshandlung, Vergewaltigung und Folter prüfen - auch davon seien aktuell nur 45 in Bearbeitung.  

Menschenrechtsaktivisten kritisierten, Ihat bearbeite die Vorwürfe viel zu langsam. "Die unglaubliche Langsamkeit ist vollkommen inakzeptabel", sagte Carla Ferstman von der Organisation Redress dem "Independent". Rund 120.000 britische Soldaten waren zwischen 2003 und 2009 im Irak im Einsatz. Die Kampftruppen wurden im Juli 2009 abgezogen, der Rest der Armee im Mai 2011.

Quelle: n-tv.de

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