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In Colombo versuchten Demonstranten vor der saudi-arabischen Botschaft die Justiz des Königreichs zum Einlenken zu bringen.
In Colombo versuchten Demonstranten vor der saudi-arabischen Botschaft die Justiz des Königreichs zum Einlenken zu bringen.(Foto: REUTERS)

Saudis köpfen Hausmädchen: Bundesregierung ist "entsetzt"

Die Justiz in Riad ist unerbittlich: Ein sri-lankisches Kindermädchen muss sterben, weil es ein Baby ermordet haben soll. Sowohl die EU als auch die Bundesregierung protestieren gegen die Vollstreckung. Die Tat sei nicht erwiesen gewesen, so Menschenrechtler.

Die Europäische Union hat die Enthauptung einer jungen Haushälterin aus Sri Lanka in Saudi-Arabien scharf verurteilt. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton äußerte sich "zutiefst bestürzt" über die Hinrichtung. Laut der saudiarabischen Justiz soll die Frau nach einem Streit mit ihrer Chefin das Baby der Frau getötet haben. Zum Zeitpunkt der ihr vorgeworfenen Tat sei sie "höchstwahrscheinlich minderjährig" gewesen, erklärte Ashton.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), zeigte sich "entsetzt" über die Exekution. "Gegen die Todesstrafe für Verbrechen von Kindern gibt es ein klares völkerrechtliches Verbot, das auch für Saudi-Arabien gilt", erklärte er in Berlin mit Blick auf das mutmaßliche Alter der Frau zur Tatzeit. Er "appelliere an die saudiarabische Regierung, diesen Fall zum Anlass zu nehmen, keine Menschen mehr zu exekutieren und die Todesstrafe letztlich abzuschaffen".

Blutgeld abgelehnt

Löning gab an, die Familie des Babys habe Begnadigung und die Zahlung eines Blutgelds wiederholt abgelehnt. Die Enthauptung wurde in der Provinz Dawadmi nahe der Hauptstadt Riad mit einem Säbel vollstreckt.

Die Familie der Hingerichteten forderte Saudi-Arabien zur Herausgabe ihres Leichnams auf. Abdul Jihad, ein Freund der Familie, sagte, die Angehörigen der jungen Frau seien "todunglücklich". "Sie wollen, dass ihr Körper zurückgebracht wird, obwohl uns gesagt wurde, dass er bereits beerdigt wurde", ergänzte der 46-jährige. Er bestätigte zudem die zuvor von verschiedenen Seiten geäußerte Angabe, dass die Frau zum Zeitpunkt der ihr vorgeworfenen Tat erst 17 Jahre alt gewesen sei.

Erfolglos interveniert

Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapaksa verurteilte in einer Stellungnahme die Enthauptung, die in der Provinz Dawadmi nahe der Hauptstadt Riad mit einem Säbel vollzogen wurde. Der Staatschef hatte noch in der vergangenen Woche zum wiederholten Mal versucht, die Hinrichtung zu stoppen.

Die sri-lankische Regierung hatte zuletzt versucht, eine Delegation nach Riad zu entsenden, um noch einmal um Gnade zu bitten. Im Parlament in Colombo legten die Abgeordneten eine Schweigeminute ein, als sie von der Vollstreckung des Todesurteils unterrichtet wurden.

76 Hinrichtungen im Jahr 2012

Auch die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte zuvor erklärt, die Verurteilte sei zum Tatzeitpunkt im Jahr 2005 erst 17 Jahre alt gewesen. Demnach hatte die Frau gesagt, dass sie unter Zwang ein Geständnis abgelegt habe und dass das Baby beim Trinken aus der Flasche erstickt sei.

Mit der Hinrichtung demonstrierten die saudi-arabischen Behörden ihre "kaltschnäuzige Missachtung grundlegender Menschlichkeit sowie der internationalen Verpflichtungen Saudi-Arabiens", erklärte die Expertin für Frauenrechte von Human Rights Watch, Nisha Varia.

Im vergangenen Jahr wurden in dem ultrakonservativen islamischen Königreich nach offiziellen Angaben 76 Menschen geköpft.

Quelle: n-tv.de

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