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Sieht aus wie ein Kriegsschiff, ist für Marineexperten aber nur ein "Boot": Die "Ludwigshafen am Rhein", eine Korvette der Braunschweig-Klasse.
Sieht aus wie ein Kriegsschiff, ist für Marineexperten aber nur ein "Boot": Die "Ludwigshafen am Rhein", eine Korvette der Braunschweig-Klasse.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 12. September 2017

Großauftrag für deutsche Werften: Bundeswehr bekommt Hightech-Korvetten

Der Vertrag liegt in trockenen Tüchern: Das Beschaffungsamt der Bundeswehr bestellt bei einem neu gebildeten Werften-Konsortium nach langem Streit fünf weitere Einheiten der "Braunschweig"-Klasse. Die neuen Korvetten gelten als wahre Alleskönner.

Die Bundeswehr hat nach einigen Verzögerungen den Bau fünf weiterer Korvetten des Typs K130 in Auftrag gegeben. Der Vertrag mit einem Konsortium sei unterzeichnet, teilte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit. "Wir beschaffen bewährte Boote mit erneuerter Technik", erklärte der Vizepräsident des Bundesamts, Armin Schmidt-Franke.

Ausrüstungsarbeiten auf der Peene-Werft in Wolgast: Die "Oldenburg" ist eine Korvette vom Typ K130.
Ausrüstungsarbeiten auf der Peene-Werft in Wolgast: Die "Oldenburg" ist eine Korvette vom Typ K130.(Foto: dpa)

Bei den neu bestellten Korvetten handelt es sich um Kriegsschiffe der Braunschweig-Klasse, die bei der Bundeswehr für den Einsatz in küstennahen Gewässern, "insbesondere im Rahmen multinationaler Krisenreaktionskräfte" vorgesehen sind. Sie sollen bis 2025 an die Marine übergeben werden.

Bewaffnet sind die knapp 90 Meter langen und bis zu 26 Knoten (48 Stundenkilometer) schnellen Schiffe unter anderem mit einem 76-Millimeter-Geschütz, zwei Schnellfeuerkanonen im Kaliber 27 Millimeter sowie mit Startbehältern für verschiedene Lenkraketen.

An Bord der Korvetten, die als Schiffstyp zwischen den kleineren Schnellbooten und den größeren Fregatten stehen, finden 58 Besatzungsmitglieder Platz. Ohne Nachschublieferungen kann die Crew volle sieben Tage auf See bleiben. Versorgt werden die Einheiten der Braunschweig-Klasse in der Regel durch Begleitschiffe - oder durch die bordeigenen Hubschrauber vom Typ NH90, für die vor dem Landedeck im Heck ein eigener Hangar zur Verfügung steht. Bei der Bundeswehr sind bereits fünf dieser Korvetten im Einsatz.

"Marinedrohnen" im Hangar

"Die Korvette kann Aufgaben ähnlich wie eine Fregatte ausführen, allerdings mit deutlich weniger Besatzung", heißt es dazu bei der Marine. Aufgrund der "modernen Ausstattung mit hohem Automatisierungsgrad" kommen die Korvetten mit deutlich weniger Personal an Bord aus als Kriegsschiffe vergleichbarer Größe. So lassen sich etwa die beiden Schnellfeuerkanonen auf Deck zur Abwehr von See-, Land- oder Luftzielen im Ernstfall von der Brücke aus ferngesteuert abfeuern.

"Wir versetzen die Deutsche Marine in die Lage, ihre gestiegenen Verpflichtungen innerhalb des Bündnisses mit Booten, die sich in zahlreichen Einsätzen bestens bewährt haben, zu erfüllen", fasste Schmidt-Franke vom Beschaffungsamt die Bedeutung des Auftrags zusammen. Die nun bestellten Schiffe sollen ab 2022 ausgeliefert werden. Im Radar- und Infrarotbereich weist die "Braunschweig"-Klasse Stealth-Eigenschaften aus. Zukünftig sollen die Korvetten anstatt Hubschraubern auch mit "Marinedrohnen" ausgerüstet werden.

Umstrittener Rüstungsauftrag

Insgesamt kommt der Vertrag auf ein Auftragsvolumen von knapp zwei Milliarden Euro. Die Bestellung umfasst neben dem Bau der Korvetten auch die Installation aller Systeme, Geräte und Anlagen im Inneren der elektronisch hochgerüsteten Kriegsschiffe.

Der Auftrag war zunächst ohne öffentliche Ausschreibung an das Konsortium "Arge K130" der Werften Lürssen und Thyssen Krupp Marine Systems gegangen, die bereits fünf Korvetten gebaut haben. Der Wettbewerber German Naval Yards Kiel hatte dagegen Einspruch erhoben und wurde daraufhin am Bau der fünf neuen Korvetten beteiligt. Das Kartellamt gab im Juli grünes Licht für die Beteiligung der Werft.

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Quelle: n-tv.de

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