Politik
Die Letzten ihrer Art: 200 Rekruten der Panzergrenadierbrigade 37 wurden vergangene Woche als letzte Wehrpflichtige eingeschworen.
Die Letzten ihrer Art: 200 Rekruten der Panzergrenadierbrigade 37 wurden vergangene Woche als letzte Wehrpflichtige eingeschworen.(Foto: dpa)
Dienstag, 01. März 2011

Kaum Freiwillige nach Wehrpflicht-Aus: Bundeswehr gehen Soldaten aus

Der Bundeswehr droht nach dem Ende der Wehrpflicht ein drastischer Personalmangel: Einem Zeitungsbericht zufolge melden sich zum Einberufungstermin im April freiwillig gerade einmal zehn Prozent des Bedarfs. Das Verteidigungsministerium gibt deshalb mehr als 5 Millionen Euro für Werbung aus. Ein Großteil davon fließt an den Springer-Verlag.

Der Bundeswehr drohen nach Aussetzung der Wehrpflicht erhebliche Personallücken: Das Verteidigungsministerium geht einem Zeitungsbericht zufolge davon aus, dass die Zahl der Freiwilligen kurz- als auch mittelfristig drastisch hinter dem Bedarf der Streitkräfte zurückbleiben dürfte. Damit stehe der angeschlagene Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem wichtigsten politischen Projekt vor einem schweren Rückschlag

Für den Einberufungstermin April entspreche die bisherige Zahl der Freiwilligen nur zehn Prozent des Solls, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Statistiken des Verteidigungsministeriums. So standen dem für April gemeldeten Personalbedarf von 3077 freiwillig länger Dienenden nach altem Muster 306 Interessenten gegenüber. Gemindert werde die Lücke nur durch Wehrpflichtige, die trotz der Aussetzung der Wehrpflicht auf Antrag einen sechsmonatigen Dienst leisten wollen.

Probleme beim Freiwilligendienst

Auch für den neuen Freiwilligendienst, der am 1. Juli beginnen soll, zeichnet sich dem Bericht zufolge ein geringes Interesse ab. Laut Ministeriumsstatistik seien mehr als 162.000 bereits als tauglich Gemusterte sowie Abiturienten und Fachoberschüler des Abschlussjahrgangs 2011 angeschrieben worden. Nur 4011 von ihnen hätten geantwortet und "konkretes Interesse" bekundet.

Unter Druck: Guttenberg muss noch mit den Plagiatsvorwürfen kämpfen, da kommen Probleme bei der Bundeswehrreform ziemlich ungelegen.
Unter Druck: Guttenberg muss noch mit den Plagiatsvorwürfen kämpfen, da kommen Probleme bei der Bundeswehrreform ziemlich ungelegen.(Foto: dapd)

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums räumte gegenüber der Zeitung ein, dass man mit dem bisherigen Interesse "noch nicht zufrieden" sei. Zugleich wandte er sich gegen voreilige Schlüsse. Ziel sei es, künftig 12.000 Freiwillige pro Jahr zu rekrutieren. "Daran müssen wir uns messen lassen", sagte er. Der Sprecher verwies auf eine ab März geplante Werbekampagne und ein umfassendes Programm, mit dem der Dienst attraktiver gestaltet werden solle.

Deutlich mehr Werbung

Nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" stockt die Bundeswehr ihren Etat für Eigenwerbung deutlich auf. Allein für Anzeigen in Medien plane das Verteidigungsministerium für dieses Jahr Ausgaben in Höhe von knapp 5,7 Millionen Euro, berichtete das Blatt unter Berufung auf eine Anfrage der Linkspartei. Ein großer Teil davon fließe direkt an Medien des Springer-Verlags wie "Bild" und "Bild am Sonntag".

Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, sprach von einem "ganz miesen Deal". "Das Guttenberg-Ministerium belohnt die Verteidigung des Plagiatsministers durch den Springer-Konzern offenbar mit Hunderttausenden Steuer-Euro", sagte sie der "FR". Die SPD hatte bereits vor einigen Tagen von "Kumpanei" zwischen Guttenberg und dem Springer-Konzern gesprochen. Der Verlag wies einen möglichen Zusammenhang zur Berichterstattung aber als "absurd und lächerlich" zurück.

Das Verteidigungsministerium hatte vergangene Woche erklärt, dass Anzeigen für die Bundeswehr-Werbekampagne 2011 zunächst nur in "Bild" und "BamS" geschaltet würden. Die Springer-Medien sind laut "FR" die einzigen, mit denen die Verantwortlichen bislang Verträge abgeschlossen haben. Das Ministerium hatte dem Bericht zufolge in der vergangenen Woche noch von einem Gesamtetat von 4,8 Millionen Euro für die diesjährige Kampagne gesprochen. Nun habe das Ministerium diesen Betrag als eine "Teilmenge" bezeichnet, berichtet die Zeitung.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen