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Wann kommen die neuen Schiffe für die Bundeswehr? Das ehrgeizige Rüstungsprojekt startet mit Verspätung (hier Soldaten bei der Seeraumüberwachung an Bord des Einsatzgruppenversorgers Bonn).
Wann kommen die neuen Schiffe für die Bundeswehr? Das ehrgeizige Rüstungsprojekt startet mit Verspätung (hier Soldaten bei der Seeraumüberwachung an Bord des Einsatzgruppenversorgers Bonn).(Foto: © 2016 Bundeswehr)
Dienstag, 11. Oktober 2016

Neuartige Mehrzweck-Kampfschiffe: Bundeswehr wartet auf "MKS 180"

Eines der derzeit größten Rüstungsvorhaben Deutschlands startet mit Verzögerungen: Bei der Anschaffung von vier neuen Kriegsschiffen sind die Verträge wohl erst Ende kommenden Jahres unterschriftsreif.

Das Bundesverteidigungsministerium hat Verspätungen bei der Anschaffung neuer Kriegsschiffe eingeräumt. Der Abschluss eines milliardenschweren Vertrags zum Kauf von vier Mehrzweck-Kampfschiffen für die Bundeswehr verzögert sich.

Ausgestattet mit verschiedenen Missionsmodulen und Unterkünften für rund 180 Mann Besatzung: So könnten die MKS 180 aussehen (Computergrafik).
Ausgestattet mit verschiedenen Missionsmodulen und Unterkünften für rund 180 Mann Besatzung: So könnten die MKS 180 aussehen (Computergrafik).(Foto: © MTG Marinetechnik GmbH / Bundeswehr)

"Es zeichnet sich auf Basis der Gespräche mit den Bietern ab, dass der (...) höhere Anspruch an die Qualität der Angebote die Industrie vor Vertragsschluss mehr Zeit kosten wird, als es in früheren Beschaffungsvorhaben der Fall war", heißt es in einem Schreiben von Verteidigungsstaatssekretär Markus Grübel an die Berichterstatter des Haushaltsausschusses im Bundestag. "Das bedeutet, dass ein endverhandelter Vertrag rund ein halbes Jahr später, voraussichtlich Ende 2017, vorliegen wird."

Die Marine will zunächst vier Schiffe vom Typ "Mehrzweck-Kampfschiff 180" (MKS 180) bestellen. Im Sprachgebrauch des Ministerium läuft das Projekt auch unter der Bezeichnung "Zukünftige Modulare Maritime Fähigkeitsträger". Für Entwicklung, Bau und Ausstattung der neuartigen Marineeinheiten sind insgesamt knapp vier Milliarden Euro vorgesehen. Die Auslieferung soll ab 2023 beginnen. Über die Beschaffung von zwei weiteren Schiffen soll nicht vor 2030 entschieden werden.

Maßgeschneidert für die Bundeswehr

Die Klasse der MKS-180-Schiffe soll in der Lage sein, Ziele in der Luft sowie über und unter Wasser zu bekämpfen sowie Landeinsätze mit Bordwaffen und Ausrüstung zu unterstützen. Das Anforderungsspektrum umfasst nach Angaben der Bundeswehr das "Überwachen von Seegebieten, die Bekämpfung von Piraterie, humanitäre Hilfe, das Durchsetzen von Waffenembargos und die Unterstützung von Spezialkräften und Evakuierungsoperationen".

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Der Schiffstyp MKS 180, für den bisher lediglich grobe Designentwürfe vorliegen, soll nach den Vorstellung der deutschen Marine für all diese Szenarien ausgelegt sein. Die Rede ist von "diversen Missionsmodulen für unterschiedliche Anforderungen". Dazu zählen demnach etwa ein "Schleppsonar zur U-Boot-Jagd, ein modernes Schiffslazarett oder Räume für die Ingewahrsamnahme von Personen - etwa für Anti­-Piraterie-Missionen".

Neue Schiffsklasse

"Die Erfahrungen, die die Bundeswehr in den vergangenen Jahren durch ihre weltweiten Einsätze gemacht hat, haben die Entscheidung zur Entwicklung der neuen Schiffsklasse mit beeinflusst", heißt in einer Projektbeschreibung. In der Größenordnung sollen sich die neuen Schiffe innerhalb der Flotte zwischen den kleineren Korvetten und den größeren Fregatten bewegen.

Beobachter sprechen mit Blick auf die angestrebte Vielseitigkeit scherzhaft vom "Schweizer Armeemesser der deutschen Marine". Das MKS 180 ist aktuell neben der Beschaffung des neuen Raketenabwehrsystems Meads eines der größten deutschen Rüstungsprojekte der Bundesrepublik.

Für die Rüstungsindustrie geht es um mehr als nur einen lukrativen Großauftrag. Das Konzept eines flexibel einsetzbaren Mehrzweck-Kriegsschiffs mit großer Reichweite und "erhöhten Durchhaltefähigkeiten" gilt als zukunftsweisend. Die vom Großkunden Deutschland finanzierte Entwicklung des neuen Schiffstyps dürfte sich lohnen: Sind die Schiffe für die Bundeswehr erst einmal gebaut und im Einsatz, sind die Chancen auf Exporterfolge groß.

"Schlanker Fuß" für von der Leyen?

Im europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb um die prestigeträchtige Schiffsbestellung aus Deutschland sind angeblich nur noch drei Kandidaten im Rennen: Die Bieterkonsortien für das MKS 180 sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen:

  • Lürssen und ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS)
  • Blohm+Voss und die niederländische Damen-Werft sowie
  • German Naval Yards und der britische Rüstungsgigant BAE Systems.

Das Rüstungsprojekt ist nicht unumstritten. Kritiker vermuten insbesondere hinter der aktuellen Verspätung politische Gründe. Der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner warf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor, den Vertrag in die nächste Legislaturperiode zu verschieben. "Frau von der Leyen macht sich einen schlanken Fuß, wenn sie nun nach dem Luftverteidigungssystem Meads ein weiteres Beschaffungsvorhaben in die nächste Legislaturperiode verschiebt", sagte er.

Lindner zeigte sich damit zugleich skeptisch, dass das Ministerium den Meads-Vertrag wie angestrebt noch vor der Bundestagswahl unter Dach und Fach bringen wird. Zugleich forderte er das Ministerium auf, sicherzustellen, dass der Wettbewerb bei der MKS-Ausschreibung bestehen bleibt.

"Unklar ist (...), welche Auswirkung die verkündete Übernahme von Blohm+Voss durch Lürssen hat und ob das zu weiteren Verwerfungen im Verfahren führt", warnte der Grünen-Politiker. "Die Unternehmen sind schließlich an unterschiedlichen Konsortien im Bieterverfahren beteiligt."

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Quelle: n-tv.de

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