Politik

"Das Duell": Buschkowsky will Flüchtlinge in Wohngebieten

Von Timo Kather

Wenn geflüchtete Menschen vor allem in Viertel ziehen, wo ohnehin schon viele Migranten wohnen, drohen neue Ghettos. Davor warnt der ehemalige Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky. Also ab in die Villenviertel?

Heinz Buschkowsky hat eine stärkere Verteilung von Flüchtlingen in wohlhabende Quartiere angemahnt. So soll eine Ballung der Neuankömmlinge in Problemvierteln verhindert werden. "Man müsste die Flüchtlinge verteilen, auch in die bürgerlichen Wohngebiete", sagte der frühere Bürgermeister von Berlin-Neukölln am Abend in "Das Duell bei n-tv" (Thema: "Verwahrloste Viertel, machtlose Polizei – sind wir noch sicher in unseren Städten?").

Flüchtlinge würden laut Buschkowsky "natürlich" zunächst in die Viertel ziehen, in denen bereits Landsleute wohnen. Der Flüchtlingsstrom sei "ohne jeden Zweifel eine Blutzufuhr für die Sorgenbezirke", sagte Buschkowsky. Darüber hinaus sei in den besseren Vierteln von erheblichem Widerstand der Bevölkerung gegen die Ansiedlung von Flüchtlingen auszugehen. "Glauben sie wirklich daran, dass die bürgerlichen Bevölkerungsschichten das zulassen? Die werden jeden Weg finden, baurechtlich zu verhindern, dass bei ihnen um die Ecke gebaut wird", sagte Buschkowsky.

"Sie bauen dort Ghettos"

Buschkowsky kritisierte die Pläne der rot-schwarzen Regierung in Berlin, die die Flüchtlinge in eigens gebauten Siedlungen unterbringen will. "In Berlin plant man im Moment mehrere kleine Flüchtlingsdörfer, wo man konzentrierte Wohnungen bauen wird. Ich halte das für grundfalsch, weil sie bauen dort Ghettos", sagte Buschkowsky.

Die stellvertretende CDU-Chefin Julia Klöckner hatte unlängst vorgeschlagen, die Flüchtlinge mittels eines "Integrationsvertrages" auf die Werteordnung in Deutschland zu verpflichten. Der Bildungspolitiker Özcan Mutlu (Grüne) kritisierte die Diskussion um Klöckners Vorschlag als "Scheindebatte", die nur Zeit koste. Es sei Aufgabe der Gesellschaft, den Flüchtlingen die "Selbstverständlichkeiten, die in unserem Grundgesetz stehen, überhaupt auch näherzubringen."

Mit Zwang sei dieses Ziel nicht zu erreichen, sagte Mutlu weiter. Er verwies darauf, dass die CDU-geführte Bundesregierung in ihren bisherigen Amtszeiten wiederholt bei den Ausgaben für Integrationskurse gekürzt habe. "Die Politik muss einfach die Mittel dafür bereitstellen, muss die Institutionen unterstützen, darf die Schulen und Kitas nicht alleine lassen, und diese Menschen abholen. Wenn wir sie nicht abholen, dann driftet das wirklich alles in Parallelgesellschaften ab", so Mutlu.

Quelle: n-tv.de

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