Politik

"Sein Vater war Nazi-Funktionär": CDU-General Strobl löst Eklat aus

Baden-Württembergs CDU-Generalsekretär Thomas Strobl erwähnt im Rahmen einer scharfen Attacke gegen den Schauspieler Walter Sittler, dass dessen Vater ein Nazi-Funktionär war. SPD und Grüne fordern eine Entschuldigung, Sittler selbst kommentiert: "Jetzt geht das los, dass sie wieder mit Sachen um sich werfen, weil sie keine Argumente haben."

Walter Sittler, laut Strobl "Propagandist der S21-Bewegung".
Walter Sittler, laut Strobl "Propagandist der S21-Bewegung".(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einem Angriff auf den Schauspieler Walter Sittler hat der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl die Kritik der Opposition auf sich gezogen. Die SPD warf Strobl vor, den Stuttgart-21-Gegner Sittler in eine Reihe mit Nazi-Propagandisten gestellt zu haben.

Strobl, der auch Bundestagsabgeordneter ist, hatte Sittler in seinem Newsletter "Berlin aktuell" erwähnt. Unter einem Foto des Schauspielers heißt es: "Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung". Im Text dazu wirft Strobl Sittler vor, er habe "in Wahrheit mit unserer Demokratie nichts am Hut".

Anlass für den Angriff auf Sittler war eine Äußerung des Schauspielers, in der er, so Strobl, "den Wählerinnen und Wählern in Baden-Württemberg den Fehler" vorgeworfen habe, "seit über 50 Jahren eine Regierungsbeteiligung der CDU ermöglicht zu haben".

SPD und Grüne fordern Entschuldigung

Thomas Strobl, historisch etwas ungenauer CDU-Generalsekretär.
Thomas Strobl, historisch etwas ungenauer CDU-Generalsekretär.(Foto: picture-alliance/ dpa)

SPD-Generalsekretär Peter Friedrich forderte von Strobl eine Entschuldigung: "Diese Aussagen sind eine blanke Unverschämtheit. Strobl versucht sich hier als verbaler Wasserwerfer", sagte Friedrich. Mit der Dialogbereitschaft der CDU bei dem umstrittenen Bahnprojekt sei es nicht weit her, wenn Menschen mit anderer Meinung in solcher Weise verunglimpft würden.

Auch die Grünen forderten eine sofortige Entschuldigung. Grünen-Landeschef Chris Kühn sprach von einem "infamen und völlig inakzeptablen Angriff". Strobl habe "mit seinem unsäglichen NS-Verweis den Rahmen der demokratischen Streitkultur" verlassen. Die Entgleisung mache deutlich, "dass bei der CDU langsam die Sicherungen durchbrennen", so Kühn.

"Hauptsache, man kann mit Dreck werfen"

Sittler selbst meinte: "Jetzt geht das los, dass sie wieder mit Sachen um sich werfen, weil sie keine Argumente haben - nur um auf jeden Fall Schaden anzurichten."

"Ich werde ja wechselweise als fünfte Kolonne der DDR, als Nazi, als Demokratieverweigerer bezeichnet. D­as ist völlig wurscht. Hauptsache, man kann mit Dreck werfen", so Sittler weiter. Nach ersten Gefühlen der Verletzung sei ihm aber klar geworden: Strobl habe mit der Veröffentlichung ein Eigentor geschossen. Für die Schlichtungsgespräche in Stuttgart seien solche Angriffe keine guten Voraussetzungen.

Auf die Frage, ob er seit der Veröffentlichung des Newsletters Kontakt mit Strobl hatte, antwortete Sittler: "Ich habe ihm eine Mail geschrieben, um ihn auch auf die sachlichen Unrichtigkeiten hinzuweisen. Denn mein Vater hat ja für das Auswärtige Amt gearbeitet und nicht für das Reichspropagandaministerium. Er war auch nicht Funktionär, sondern Parteimitglied, das habe ich ihm nur der Vollständigkeit halber geschrieben. Aber ich habe nichts kommentiert. Da gibt es von meiner Seite nichts zu kommentieren. Die Vergangenheit ist Teil unserer Familie. Aber ich bin nicht verantwortlich für das, was meine Eltern getan haben."

Strobls Newsletter endet mit einem Zitat des parlamentarischen Geschäftsführers der FDP im Bundestag, Jörg van Essen. Dieser hatte zum Auftritt der Grünen in Trauerkleidung bei der Abstimmung über die Laufzeiten-Verlängerung gesagt, es habe "keinem Parlament in der Geschichte gutgetan, wenn eine Fraktion einheitlich gekleidet aufgetreten ist". Die Grünen sahen dies als indirekten Vergleich ihrer Fraktion mit der NSDAP, van Essen selbst behauptete hinterher, er habe Bilder "vom chinesischen Volkskongress über die Sandinisten in Nicaragua und Schwarzhemden in Italien" im Kopf gehabt.

Quelle: n-tv.de

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