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Verschleppt im IrakCIA sucht nach Deutschen

25.01.2006, 06:48 Uhr

Von den im Irak verschleppten deutschen Ingenieuren fehlt jedes Lebenszeichen. Die Bundesregierung fordert die 100 bis 200 Deutschen im Irak auf, das Land zu verlassen.

Hinter der Entführung der beiden deutschen Ingenieure im Irak stecken nach Ansicht des US-Geheimdienstes CIA Anhänger des ehemaligen Präsidenten Saddam Hussein. Das berichtet der "Tagesspiegel".

Nach Angaben eines CIA-Mitarbeiters im Irak sei davon auszugehen, dass die zwei Ingenieure vom harten Kern des irakischen Widerstands gekidnappt wurden, so die Zeitung. Lösegeld spiele für solche Geiselnehmer keine große Rolle, habe der CIA-Mitarbeiter erklärt. In den Augen der Terroristen seien Techniker wie die Deutschen Kollaborateure der irakischen Regierung und der US-Besatzer.

Der US-Geheimdienstmann, der ungenannt habe bleiben wollen, habe erklärt, die Geiselnehmer wollten vermutlich demonstrieren, wie unsicher der Irak für westliche Ausländer sei. Das US-Militär in der Region beteilige sich intensiv an der Suche nach den Entführten. Schon kurz nach Bekanntwerden der Entführung am Dienstag seien Drohnen eingesetzt worden, die mit Wärmebildkameras verdächtige Bewegungen auf dem Boden registrieren sollten.

Der "Tagesspiegel" berichtete weiter, der CIA-Mann habe kritisiert, elementare Sicherheitsregeln seien verletzt worden. "Niemals dürfen sich Ausländer, die im Irak arbeiten, ohne Bodyguards bewegen", zitierte die Zeitung den Mann. Die beiden Deutschen seien aber nur mit einem Deutschiraker und ihrem irakischen Fahrer in Baidschi unterwegs gewesen, als sie entführt worden seien. Außerdem sei die Unterbringung in einer Kaserne der irakischen Sicherheitskräfte aus Sicht des CIA-Mitarbeiters ein schwerer Fehler gewesen. Bekanntlich habe der irakische Widerstand Teile von Polizei und Militär unterwandert, habe der Mann erklärt.

Die Bundesregierung hatte auch am Mittwoch kein Lebenszeichen von den Entführungsopfern gehabt. Die beiden Deutschen waren am Dienstag in der Industriestadt Bedschi nördlich von Bagdad verschleppt worden.

Reisewarnung vor Wiederaufbau

Die Bundesregierung warnte nach der zweiten Entführung von Deutschen binnen weniger Wochen im Irak erneut eindringlich vor Reisen in das Land. Den dort lebenden schätzungsweise 100 bis 200 Deutschen legte sie ebenso eindringlich die Ausreise nahe.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg versicherte, die Bundesregierung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um das Leben der beiden Männer zu sichern und ihre Freiheit zu erreichen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, man versuche Aufschluss über den Aufenthaltsort der Entführten zu bekommen. "Der Schutz des Lebens und die körperliche Unversehrtheit haben dabei oberste Priorität."

Die Bundesregierung machte deutlich, dass die bestehende Reisewarnung Vorrang vor dem unterstützenswerten Wiederaufbau des kriegszerstörten Irak habe. Der Präsident der Deutsch-Irakischen Mittelstandsvereinigung (Midan), Gelan Khulusi, sagte der Deutschen Presse-Agentur dazu, es sei nicht zwingend notwendig, sich bei Geschäften im Irak auch in dem Land aufzuhalten. Es gebe verschiedene Modelle, wie etwa Käufer und Verkäufer zueinander finden könnten, ohne dass der deutsche Anbieter in den Irak reisen müsse.

Derzeit sind nach Angaben Khulusis im Irak etwa 20 deutsche Unternehmen aktiv. Meist verfügten sie über irakisches Personal. "Aber es sind auch etwa 100 Deutsche im Land, die meist kurzfristig entsandt werden, um etwa Verträge auszuhandeln oder organisatorische Aufgaben zu übernehmen."