Politik
Zhou Yongkang war einst für die innere Sicherheit zuständig.
Zhou Yongkang war einst für die innere Sicherheit zuständig.(Foto: Reuters)

Hochrangiger Ex-Funktionär unter Korruptionsverdacht: China beschlagnahmt Milliardenvermögen

Konten, Anleihen, Villen, Gemälde, Autos: Im Kampf gegen Korruption beschlagnahmen chinesische Behörden das Vermögen des ehemaligen Sicherheitschefs Zhou. Hunderte Menschen werden verhaftet. Es soll ein Zusammenhang zum Fall Bo Xilai bestehen.

Im Kampf gegen Korruption haben die chinesischen Behörden Insidern zufolge in einer großangelegten Aktion Besitztümer und Konten im Wert von mindestens 14,5 Milliarden Dollar (90 Milliarden Yuan, etwa 10,5 Milliarden Euro) beschlagnahmt. Betroffen waren Familienangehörige, Mitarbeiter und Weggefährten des ehemaligen Sicherheitschefs Zhou Yongkang, gegen den die Ermittlungen in den letzten vier Monaten deutlich ausgeweitet wurden, wie zwei mit den Vorgängen vertraute Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Der ehemals hohe Funktionär Bi Xilai wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Der ehemals hohe Funktionär Bi Xilai wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr als 300 Personen seien in dieser Zeit festgenommen oder verhört worden. Der 71-jährige Zhou ist der bislang ranghöchste Politiker seit der Machtübernahme der Kommunistischen Partei 1949, gegen den wegen Korruption ermittelt wird. Zhou war für die Inlandssicherheit verantwortlich und bis zu seinem Rücktritt 2012 Mitglied des Ständigen Ausschusses im Politbüro - das mächtigste Gremium in dem kommunistischen Land. Damit bricht die Regierung mit dem ungeschriebenen Gesetz, dass ehemalige Mitglieder des Ausschusses von Ermittlungen verschont werden.

Zhou, seine Familie oder Mitarbeiter waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Anti-Korruptionsbehörde und die Staatsanwaltschaft antworteten auf Anfragen nach einem Kommentar nicht.

"Tiger" und "Fliegen"

Den Insidern zufolge froren die chinesischen Behörden Bankkonten über 37 Milliarden Yuan sowie ausländische Anleihen im Wert von 51 Milliarden Yuan ein. Zudem beschlagnahmten sie Wohnungen und Villen im Wert von 1,7 Milliarden Yuan, Antiquitäten und Gemälde von einer Milliarde Yuan sowie 60 Fahrzeuge.

Mehr als zehn Verwandte von Zhou seien in Gewahrsam genommen worden. Darunter seien Zhous Ehefrau Jia Xiaoye, eine ehemalige Fernsehreporterin, sein ältester Sohn aus einer früheren Ehe und sein Bruder. Auch andere hochrangige Politiker seien in den Sog der Ermittlungen geraten, hieß es weiter.

Chinas Präsident Xi Jinping hat der Korruption in China den Kampf angesagt und dabei erklärt, er werde weder die hochrangigen "Tiger" noch die kleinen "Fliegen" verschonen. Einem weiteren Insider zufolge könnte hinter den Ermittlungen gegen Zhou auch politisches Kalkül stecken. Zhou habe sich geweigert mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Er sei Opfer eines Machtkampfes.

Zhou hatte sich offenbar für den inzwischen wegen Korruption und Machtmissbrauchs zu lebenslanger Haft verurteilten Bo Xilai als seinen Nachfolger eingesetzt. Insidern zufolge soll Xi dies verärgert haben. Die steile Karriere von Bo endete bereits 2012, als seine Frau Gu Kailai für den Mord an dem britischen Geschäftsmann und Freund der Familie Neil Heywood verurteilt wurde.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen