Politik
Der Integrationstalk bei Maybrit Illner gerät zur Debatte über vermeintliche Falschmeldungen der AfD (ZDF/Jule Roehr).
Der Integrationstalk bei Maybrit Illner gerät zur Debatte über vermeintliche Falschmeldungen der AfD (ZDF/Jule Roehr).(Foto: ZDF und Jule Roehr)

Streit über Facebook-Entgleisung: Claudia Roth nimmt AfD in die Mangel

Von Judith Günther

Die Runde bei "Maybrit Illner" will über Integration diskutieren, geht aber schnell zum Generalangriff auf die AfD über. Zur Chefkritikerin schwingt sich Claudia Roth auf, die sich kürzlich mit dem Vorwurf der "Mitvergewaltigung" in Köln konfrontiert sah.

Während die Bundesregierung am Mittwoch darüber berät, wie man den Zustrom von Flüchtlingen in Zukunft begrenzen kann, will Maybrit Illner in ihrem Politik-Talk darüber diskutieren lassen, wie man die gigantische Integrationsaufgabe lösen kann. Allerdings gerät die Debatte schnell zum Schlagabtausch zwischen Claudia Roth und dem AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen.

Roth hat sich offenbar bestens auf die Sendung vorbereitet und stellt fest: "Die Äußerungen der AfD sind der Turbo für die Gewalt in unserem Land". Die AfD mache sich die Vorfälle in Köln nicht nur parteipolitisch zu Nutze, sondern rufe auch zur Hetze gegen Befürworter der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel auf, so ihr Vorwurf. Roth argumentierte mit einem aktuellen Beispiel aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz.

Das Mitglied des baden-württembergischen AfD-Landesvorstands, Markus Frohnmaier, hatte nach Recherche des ARD-Politmagazins "Kontraste" auf Facebook ein Bild mit dem Konterfei von Claudia Roth hochgeladen und mit dem Spruch "Ach, wäre ich doch nach Köln gefahren" versehen. Die Fotomontage suggeriere: "Schade, dass man die Roth nicht gleich mitvergewaltigt hat", so die Grünen-Politkerin bei "Maybrit Illner". Zwar seien auch andere Interpretationen des vieldeutigen Posts denkbar, er bleibe aber eine inakzeptable Geschmacklosigkeit. Selbiges gelte für Frohnmaiers Statement, dass "Leute wie Claudia Roth" aufgrund ihrer politischen Einstellung in Köln "mittelbar mitvergewaltigt" hätten, ebenfalls eine Äußerungen, die das ARD-Magazin ausgestrahlt hatte.

Mit den Worten "Da wäre mal eine Entschuldigung angebracht, und zwar eine öffentliche" wandte sich Roth an den AfD-Vorsitzenden Meuthen. Der gab Roth zwar generell recht in der Meinung, dass derartige Äußerungen "nicht okay" seien, hielt Frohnmaier aber unmittelbar danach sein junges Alter zugute: Mit 24 Jahren schieße man eben manchmal übers Ziel hinaus", so Meuthen.

Frohnmaier geht zu Gegenangriff über

Die Vorwürfe aus der Sendung wollte Frohnmaier selbst nicht auf sich sitzen lassen und veröffentlichte inzwischen eine Presseerklärung auf Facebook. Die Zitate von Claudia Roth aus der "Maybrit Illner"-Sendung seien falsch und frei erfunden, so der AfD-Jungpolitiker. Er habe Frau Roth nie eine Vergewaltigung gewünscht, stattdessen sei seine Fotomontage bei Facebook als Aufforderung an Frau Roth zu verstehen, sich mit "den gepeinigten Frauen von Köln zu solidarisieren, und nicht nur immerzu mit so genannten Flüchtlingen".

Frohnmaier wehrte sich außerdem gegen die Verknappung des Zitats bezüglich einer "Mitvergewaltigung" Roths in Köln. Frau Roth habe nicht "im juristischen", sondern "in einem übertragenen Sinne mittelbar mitvergewaltigt". Die Politikerin stehe stellvertretend für die "irrsinnige Willkommenskultur und Multi-Kulti-Ideologie in diesem Lande", so Frohnmaier.

CDU-Vize in Rage

Die Grünen sind nicht zum ersten Mal Ziel von Frohnmaiers Spott. Neben Claudia Roth attackierte er bereits den Grünen-Politiker Volker Beck, den er als "Homo-Lobbyist" bezeichnet und ihm "einen Urlaub in Moskau" wünschte. Vielleicht fällt es seinem AfD-Parteikollegen am Mittwoch auch deswegen so schwer, eine glaubwürdige Haltung zu Frohnmaier einzunehmen.

Denn neben Claudia Roth bringt Meuthen auch den CDU-Vize Thomas Strobl in Rage. Auf die Kritik der Runde an den Äußerungen Frohnmaiers entgegnet der AfD-Vize, solche Äußerungen ließen sich schließlich bei allen Parteien finden. Daraufhin verlangt Strobl ein konkretes Beispiel für den öffentlichen Aufruf zur Vergewaltigung von anderen Politikern. Als Meuthen dazu nichts einfällt, bringt Strobel zum Ausdruck, was an diesem Abend wohl viele gedacht haben dürften: "Das ist nämlich Ihr Problem: Sie setzen immer Dinge in die Welt, die sie in keinster Weise belegen können."

Quelle: n-tv.de

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