Politik
General Abdel Fattah al-Sisi
General Abdel Fattah al-Sisi(Foto: REUTERS)

General Abdel Fattah al-Sisi: Das ist Ägyptens neuer starker Mann

In der Stunde des nationalen Aufruhrs tritt in Ägypten, wie so oft in der Geschichte, das Militär auf den Plan. Präsident Mursi wird zur Aufgabe gezwungen, die Generalität bestimmt den Kurs. Der maßgebende Mann ist dabei ausgerechnet einer, den Mursi selbst ins Amt hievte.

Als Ägyptens frisch gewählter Präsident Mohammed Mursi vor einem Jahr dem relativ jungen General Abdel Fattah al-Sisi das Kommando über die Armee übertrug, schien das eine Zäsur zu sein. Die seit Jahrzehnten dominierenden Streitkräfte würden sich in die Kasernen zurückziehen und sich einem Präsidenten unterstellen, der nicht aus ihren Reihen kam. Nun hat Sissi die Welt eines Besseren belehrt: Er ließ Soldaten die Kaserne abriegeln, in der sich Mursi aufhielt. Der Präsident ist entmachtet, eine Technokraten-Regierung übernimmt.

Die Ernennung Sisis zum Generalstabschef und zum Verteidigungsminister schien sowohl Mursi als auch den nach Beförderung gierenden jüngeren Offizieren ins Konzept zu passen. Jahrzehntelang hatten weit im Rentenalter stehende Generäle wie der 78-jährige Feldmarschall Hussein Tantawi, der Machthaber Husni Mubarak 20 Jahr lang treu diente, die führenden Posten besetzt gehalten. Nach dem Sturz Mubaraks 2011 führte die Armee das nordafrikanische Land durch 16 tumultartige Monate und schien sich nur zögerlich mit der Wahl des Islamisten Mursi zum Präsidenten abzufinden. Doch Sissi überzeugte seine Kameraden, sich in die Kasernen zurückzuziehen.

Sisi besuchte US-Militärakademie

"Die Loyalität der Streitkräfte gilt dem Volk und der Nation", verkündete Sisi, als im November 2012 Anhänger und Gegner Mursi im Streit über die Verfassung mehr auf die Fäuste als auf Debattierkunst setzten. Die Armee schritt nicht ein. Nun bezog er im eskalierten Konflikt mit Mursi Position und forderte den Islamisten 48 Stunden vor dem Putsch im Präsidentenamt ultimativ auf, einen Kompromiss mit der Opposition zu suchen, was dieser ablehnte.

Der Berufssoldat Sisi ist im Lauf seiner Karriere auf höchste Weihen vorbereitet worden. Er war Kommandierender General auf dem an Israel grenzenden Sinai und im Norden Ägyptens. Dass er sich auch auf dem glatten diplomatischen Parkett sicher bewegen kann, bewies er als Militärattaché in Saudi-Arabien. Abgesehen von seinem relativ jungen Alter qualifizieren zwei Eigenschaften den 58-Jährigen. Er ist gläubiger Muslim, dessen Frau die Nikab, das Ganzkörper-Kostüm, trägt. Mehr noch: Sisi ist bestens mit den USA vertraut, besuchte er doch 2005/2006 deren renommiertes War College.

Ägypter vertrauen auf Militär

"Insider in US-Regierung und -Militär kennen ihn. Sie hatten ihn bei Gesprächen über die nächste Generation (der Generalität) auf dem Zettel", sagt der Militärexperte Robert Springborn, der sich besonders gut mit den ägyptischen Streitkräften auskennt. Sissi sei sorgfältig auf seine Führungsaufgaben vorbereitet worden.

Und er genießt bei den Amerikanern einen guten Ruf, obwohl sein politisches und militärisches Denken von einem islamischen Weltbild durchdrungen ist. So halte Sisi den Islam für einen wichtigen Bestandteil für die nationale Sicherheitspolitik. Die Muslimbrüder und der ihnen nahestehende Mursi seien aus Sisis Sicht aber dabei gewesen, den Islam zu diskreditieren, so der Experte Michael Wahid Hanna. Bei liberalen Kräften stieß Sisi anfänglich auf Vorbehalte. Dessen ungeachtet sind die Streitkräfte aber die einzige öffentliche Institution, der die Ägypter vertrauen.

Quelle: n-tv.de

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