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"Zaman" war die auflagenstärkste Zeitung der Türkei.
"Zaman" war die auflagenstärkste Zeitung der Türkei.(Foto: dpa)

Agentur unter Zwangsverwaltung: Davutoglu: Wir schützen die Meinungsfreiheit

Nach dem gewaltsamen Eindringen in die Redaktion der Zeitung "Zaman" gehen türkische Behörden erneut gegen ein Medienunternehmen vor und übernehmen die Kontrolle über die Agentur Cihan. Ankara kann nichts Verwerfliches erkennen.

Nach der staatlichen Übernahme oppositioneller Medien in der Türkei hat Regierungschef Ahmet Davutoglu sein Land gegen Kritik verteidigt. Niemand könne der Türkei mangelnde Redefreiheit vorwerfen, sagte er nach dem EU-Türkei-Flüchtlingsgipfel in Brüssel. "Die Meinungsfreiheit ist unser gemeinsamer Wert, und sie wurde und wird in der Türkei geschützt."

Neben der regierungskritischen Zeitung "Zaman" war in der Türkei auch die mit dem Blatt eng verbundene Nachrichtenagentur Cihan unter staatliche Zwangsaufsicht gestellt worden. Nach Angaben von Cihan ernannte das Istanbuler Gericht dieselben Treuhänder wie bei "Zaman". Weder er noch seine Regierung hätten darauf Einfluss gehabt, sagte Davutoglu weiter.

Schon das Vorgehen gegen die regierungskritische "Zaman" hatte international für Empörung gesorgt. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz forderte von der Türkei die Einhaltung der Pressefreiheit. Die Regierung in Ankara weist regelmäßig Vorwürfe zurück, wonach sie die Pressefreiheit einschränken würde. Cihan beschäftigt nach eigenen Angaben rund 600 Mitarbeiter. Die Agentur verbreitet Texte, Fotos und Videos. Auf einer Rangliste zum Stand der Pressefreiheit liegt die Türkei auf Platz 149 von 180 Staaten.

Cihan steht wie "Zaman" dem in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen nahe. Beide gehören dem Medienunternehmen Feza Gazeteclik an. Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft dem einstigen Verbündeten Gülen vor, den Sturz der Regierung zu betreiben, indem er sich ein Netzwerk von Unterstützern in Medien, Politik und Justiz aufbaut. Gülen weist dies zurück. Er unterhält weltweit zahlreiche Unternehmen und Schulen, die weltlich ausgerichtet sind.

Quelle: n-tv.de

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