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Das bislang schärfste Bild des Verdächtigen: Der Mann mit der weißen Baseballkappe ganz links im Bild.
Das bislang schärfste Bild des Verdächtigen: Der Mann mit der weißen Baseballkappe ganz links im Bild.

Amputiertes Bombenopfer identifiziert Verdächtigen: Dem Tod in die Augen geschaut

Von Julian Vetten

Jeff Baumann will seine Freundin ins Ziel des Bostoner Marathons jubeln, stattdessen reißt ihm eine der Bomben beide Beine ab. Noch auf der Intensivstation gibt der junge Mann dem FBI wichtige Hinweise. Zusammen mit einem glücklichen Schnappschuss ermitteln die Behörden einen der Verdächtigen.

Der junge Mann mit der weißen Baseballmütze, der Sonnenbrille und der schwarzen Jacke war Jeff Baumann direkt aufgefallen. Wäre der Trubel im Zielbereich des Bostoner Marathons nicht gar so groß gewesen, vielleicht hätte Baumann mehr getan, als sich nur über die Tasche zu wundern, die der Unbekannte zu seinen Füßen abstellte. Aber der 27-Jährige wollte seine Freundin in die Arme schließen, die jede Minute die Ziellinie überqueren musste - für Misstrauen war an diesem Tag kein Platz in Jeffs Kopf. Zweieinhalb Minuten später explodierte eine der Bomben, die zusammen drei Menschen töteten und mehr als 170 verletzten. Der Student blieb wie durch ein Wunder am Leben, verlor aber beide Beine.

Der Schrecken in den Gesichtern der Helfer reicht aus - gnädigerweise hat der Fotograf Baumanns Wunden nur angedeutet.
Der Schrecken in den Gesichtern der Helfer reicht aus - gnädigerweise hat der Fotograf Baumanns Wunden nur angedeutet.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Bilder, die von Baumann um die Welt gingen, lassen einem das Blut in den Adern gefrieren: Helfer schieben den Versehrten im Rollstuhl zum Boston Medical Center. Seine Augen sind gezeichnet vom Schock, die Beine unterhalb der Knie nur noch ein Brei aus Fleisch, Blut und Knochen.

Im Krankenhaus angekommen amputierten die Ärzte dem jungen Mann in einer Notoperation beide Unterschenkel, sein Zustand stabilisierte sich. Als Baumann aus der Narkose aufwachte, verlangte er sofort nach Stift und Zettel, erinnert sich sein Bruder Chris. "Typ mit Tasche gesehen, hat mir direkt in die Augen geschaut", bannte Jeff Baumann mit letzter Kraft auf Papier. "Ich hatte viel Zeit mit ihm allein, er hat mir den Täter bis ins kleinste Detail beschrieben", sagte sein Bruder. Und nicht nur ihm, auch dem FBI gab Jeff noch auf der Intensivstation eine wichtige Beschreibung des Verdächtigen – Baumann hatte großen Anteil daran, dass die Bundespolizei in den vielen Stunden Videomaterial den mutmaßlichen Täter so schnell identifizierte.

Ein glücklicher Schnappschuss

Weit weniger dramatisch, aber ähnlich wichtig für die rasche Erkennung der Verdächtigen war David Greens Schnappschuss. Der 49-Jährige war gerade erst im Ziel angelangt, als die Bomben hochgingen. Bevor der Sportartikelhersteller aus Florida den Verletzten des Anschlags zu Hilfe eilte, drückte er noch schnell auf den Auslöser seines iPhones – und machte dabei, ohne es zu wissen, das bislang schärfste Bild des Verdächtigen.

Als das FBI die ersten grobkörnigen Videobilder der beiden Rucksackträger veröffentlichte, erkannten Freunde von Green in der äußeren linken Ecke des mittlerweile auf Facebook gestellten Fotos den Mann mit der weißen Baseballkappe. Es dauerte nicht lange, bis die Bundespolizei auf Green aufmerksam wurde: "Ich habe mit mehreren Agenten gesprochen. Die haben mir gesagt, es sei das beste Foto, das sie hätten", sagte der 49-Jährige.

So unterschiedlich die Geschichten auch sein mögen, beide Männer trugen mit ihrer Geistesgegenwart – ob gewollt oder nicht -  dazu bei, die Verdächtigen ausfindig zu machen. Zumindest für Baumann dürfte das aber nur ein schwacher Trost sein. Für den Mann, der dem Tod mit der weißen Baseballkappe direkt in die Augen blickte, wird das Leben nie wieder sein wie früher.

Quelle: n-tv.de

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