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Immer weniger Männer und Frauen melden sich freiwillig und absolvieren die Grundausbildung.
Immer weniger Männer und Frauen melden sich freiwillig und absolvieren die Grundausbildung.(Foto: picture alliance / dpa)

Experte fordert Ende der freiwilligen Wehrpflicht: Der Bundeswehr fehlen Soldaten

Die Zahl der Männer und Frauen, die sich für einen freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr entscheiden, geht zurück. Zudem brechen viele Wehrpflichtige den Dienst vorzeitig ab. Der frühere Planungsstabschef des Verteidigungsministeriums fordert nun, den freiwilligen Wehrdienst zu streichen. Das Verteidigungsministerium erwidert, eigentlich sei alles gut.

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Der Bundeswehr gehen nach einem Zeitungsbericht die Bewerber für den freiwilligen Wehrdienst aus. Die Zahl der jungen Männer und Frauen, die sich bei den Streitkräften verpflichten, ging 2013 im Vergleich zum Vorjahr drastisch zurück, berichtete die "Welt".

So traten im Januar dieses Jahres 1607 Personen ihren Dienst an, 2012 waren es im gleichen Zeitraum noch 2720 gewesen. Im April 2013 verpflichteten sich 615 Wehrdienstleistende - im Vergleich zu 1460 Freiwilligen im April 2012. Im Juli 2013 fiel der Rückgang mit 1884 statt 1892 im Vorjahr gemäßigt aus.

"Wir haben mehr Bewerber als wir brauchen", hatte das Verteidigungsministerium im Juni mitgeteilt. Demnach gebe es rund 10.500 Freiwillige. Für eine Analyse, warum es aktuell so wenige seien, sei es zu früh, hieß es damals. Zudem verwies das Ministerium darauf, dass das zweite Quartal in dieser Hinsicht stets "schwach" sei.

Ministerium: Die Truppe ist gerüstet

Auch nach dem Zeitungsbericht zeigte sich das Ministerium zufrieden. Es wies die Darstellung zurück, dass es zu wenige Soldaten gebe. "Aus unserer Sicht wird der Bedarf an freiwilligen Wehrdienstleistenden gedeckt", sagte ein Sprecher. Derzeit dienten rund 10.000 Männer und Frauen freiwillig in der Truppe. Mit 5000 freiwilligen Wehrdienstleistenden sei die Bundeswehr einsatzfähig.

Ziel der Bundeswehrreform ist eine Armee mit 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten sowie 5000 bis 15.000 freiwillig Wehrdienstleistenden. Angesichts der zurückgehenden Bewerberzahlen hält der frühere Planungsstabschef des Verteidigungsministeriums, Hans Rühle, diese Personalplanung für "unrealistisch und alles andere als demografiefest". In einem Beitrag für "Die Welt" schrieb Rühle, das Freiwilligen-Konzept sei gescheitert: "Die Alternative für die Zukunft heißt ersatzlose Streichung des freiwilligen Wehrdienstes."

Als Begründung führte Rühle weiter an, dass 25 bis 30 Prozent der eingestellten Freiwilligen ihr Dienstverhältnis innerhalb der ersten drei Monate kündigten. Zudem hätten sich mehr als die Hälfte der freiwillig Wehrdienstleistenden für weniger als 15 Monate verpflichtet. "Sie scheiden daher nach Ausbildung und Qualifikation für eine Teilnahme an Auslandseinsätzen aus", und sie könnten nicht wie im Reformkonzept vorgesehen als Entlastung für die Berufs- und Zeitsoldaten eingesetzt werden.

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Quelle: n-tv.de

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