Politik
Kein Fußball? Die Nationalmannschaft bei ihrem Abschlusstraining im Millerntorstadion vor dem Länderspiel gegen Polen.
Kein Fußball? Die Nationalmannschaft bei ihrem Abschlusstraining im Millerntorstadion vor dem Länderspiel gegen Polen.(Foto: Jan Weckwerth, mit freundlicher Genehmigung)

Protest gegen Faschismus zensiert: Der DFB ist so neutral, dass es wehtut

Ein Kommentar von Christoph Herwartz

Wegen einer unverständlichen Aktion stehen die Worte "Kein Fußball" über der deutschen Nationalmannschaft, als die in Hamburg trainiert. Das ist noch dümmer, als es sich anhört.

Als politisch denkender Mensch kann man es bedauern, dass Sport so selten politisch ist. Dass das IOC die Menschenrechtslage in China und Russland ignoriert und die Fifa es nicht als ihre Aufgabe ansieht, in Brasilien und Katar für gerechte Arbeitsbedingungen zu sorgen. Aber dass Sport so selten politisch ist, hat auch etwas Positives: Sich im Stadion gemeinsam einen Wettkampf anzusehen, kann Menschen miteinander verbinden, die sonst wenig gemein haben. Es kann für Verständnis sorgen, wo sonst Misstrauen herrscht. Ganz bestimmt ist es darum gut, dass ein Verband wie der Deutsche Fußballbund darauf achtet, keine Nähe zu einer politischen Partei aufzubauen.

Nun hat es der DFB allerdings übertrieben: Als die Nationalmannschaft am Montag im Stadion des Zweitligisten FC St. Pauli trainierte, störte sich der Verband an einem Spruch, der über der Gegengerade zu lesen ist – da, wo ihn die Kameras am besten einfangen können. Dort steht eigentlich "Kein Fußball den Faschisten". Der DFB ließ das Wort "Faschisten" abdecken. Die Aktion ist schon darum missglückt, weil nun absurderweise über dem Fußballplatz "Kein Fußball" stand. Aber das ist nicht das eigentlich Traurige.

Im Gegensatz zu den meisten Sportvereinen in Deutschland hat der FC St. Pauli eine politische Ausrichtung, die man als links-alternativ bezeichnen kann. Wenn er in seinem Stadion für Mindestlöhne oder den Erhalt der Roten Flora geworben hätte, dann wäre es dem DFB kaum übelzunehmen, wenn er sich dem nicht anschließen wollte. Nicht, weil das so schlimme Forderungen wären, sondern weil es eben gut ist, dass der DFB politisch neutral bleibt. Aber gilt das auch für den Protest gegen Faschisten?

Faschisten sind Menschen, die andere Menschen verachten, weil diese woanders geboren sind oder anders aussehen. Das ist nicht nur dumm, es widerspricht auch dem Wesen des Sports, der Menschen miteinander verbinden kann, die sonst wenig gemeinsam haben und der für Verständnis sorgen kann, wo sonst Misstrauen herrscht.

Gegen Faschismus zu protestieren, ist keine falsche Festlegung auf Parteipolitik. Es ist menschlich. Wenn der DFB den Protest gegen Faschismus zensiert, zeigt er damit nicht, wie unpolitisch er ist. Er lässt Menschlichkeit vermissen.

Update 16 Uhr: Ein DFB-Sprecher hat mittlerweile erklärt, der Verband stehe hinter der Aussage "Kein Fußball den Faschisten". Er sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Überlegung war auch, dass man auf keinen Fall Fotos und TV-Bilder von deutschen Nationalspielern vor der herausgelösten Aussage 'für Faschisten' ermöglichen wollte, hier darf es keine Räume für Fehlinterpretationen geben!" Wenn das tatsächlich die Überlegung gewesen sein sollte, ist die Umsetzung gründlich schiefgegangen.

Quelle: n-tv.de

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