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Malik F. wird sein Studium an der TU Darmstadt möglicherweise nicht abschließen können. Wegen des Videos wird nun gegen ihn ermittelt.
Malik F. wird sein Studium an der TU Darmstadt möglicherweise nicht abschließen können. Wegen des Videos wird nun gegen ihn ermittelt.(Foto: Screenshot/HR)

Werbe-Video für Terrormiliz: Der IS-Sympathisant aus Darmstadt

"Warum ich den Islamischen Staat unterstütze" - im Januar stellt ein Syrer ein Video mit diesem Titel ins Internet. Der Mann studiert seit Jahren an einer deutschen Hochschule.

So viel Trubel sind sie nicht gewöhnt an der Technischen Universität Darmstadt. Auf den eigenen Social-Media-Kanälen bei Twitter und Facebook gibt es in dieser Woche nur ein Thema. Eines, mit dem eine Uni eher selten konfrontiert wird. Es ist die Geschichte des Doktoranden, der sich gerade als IS-Unterstützer geoutet hat. Die Hochschule ist unfreiwillig in die Schlagzeilen geraten. Schuld daran ist Malik F. Der 35-jährige Syrer ist seit 2007 eingeschrieben, er promoviert im Fach Mathematik. Bisher war er einer von vielen unter den 26.774 Studenten, fiel nicht weiter auf - bis er am Dienstagabend festgenommen wurde.

Auslöser ist ein arabischsprachiges Video, das Ende 2015 in Istanbul aufgenommen worden sein soll und im Januar mit englischen Untertiteln bei YouTube veröffentlicht wurde. Der Film zeigt F. an einem Schreibtisch sitzend vor einer holzgetäfelten Regalwand. Mit Blick in die Kamera beginnt er mit diesen Worten: "Der erste Punkt, den ich gerne diskutieren möchte, ist der Grund für die Entstehung des Islamischen Staates. Der zweite Punkt ist, warum ich, ein einfacher Muslim, den Islamischen Staat unterstütze."

In dem knapp einstündigen Film verteidigt F. die Terrormiliz. "Ich bitte Allah, dass er unsere Brüder, die Mudschaheddin in Syrien und dem Irak, unterstützt. Zu allererst die Soldaten des Islamischen Staates, des Kalifats, angeführt von Sheikh Abu Bakr al-Baghdadi." Der IS habe Recht, weil er nach der Scharia regiert und die Strafen Allahs umsetze. F. rechtfertigt die Steinigung von Ehefrauen nach einem Ehebruch und auch die Verbrennung des jordanischen Piloten Moaz Kasabeh durch den IS.

"ISIS ist schon unter uns"

Das engagierte Bekenntnis von F. blieb nicht lange unbemerkt. Studenten der TU erkannten ihren Kommilitonen in einer verkürzten Version des Videos, dass auf der Internetseite des "Middle East Media Research Institutes" hochgeladen wurde. Der hessische Verfassungsschutz spricht von "dschihadistischem Propagandamaterial". Der Mainzer FDP-Politiker und Islamismus-Experte Tobias Huch, der das Video auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, sagte: "Man sieht an diesem Fall, dass ISIS schon unter uns ist. Aber so lange in den Innenstädten Salafisten aktiv sein dürfen, werden wir die Ideologie von ISIS nicht effektiv bekämpfen können. Die staatlichen Stellen müssen hier schnell handeln und konsequent abschieben."

An der TU Darmstadt sorgt das Video des eigenen Studenten für Bestürzung. "Man ist sehr überrascht. Er hat hier nicht offen mit dem IS sympathisiert." Die Hochschule prüft rechtliche Schritte und eine Anzeige wegen Gewaltverherrlichung, Eine sofortige Exmatrikulation ist nach dem hessischen Hochschulgesetz nicht möglich. Dennoch wurde dem IS-Sympathisant der Zugang zu den Räumlichkeit der Uni gesperrt. Er wurde außerdem aufgefordert, seinen Schlüssel abzugeben. "Die TU Darmstadt distanziert sich nachdrücklich vom Inhalt des Videos und von jeglicher Unterstützung von Terrororganisationen wie dem sogenannten 'Islamischen Staat'", heißt es in einer Erklärung.

Malik F. bestreitet die Urheberschaft des Videos nicht. Er liebe Deutschland und habe nur davor warnen wollen, gemeinsam mit Amerika den IS zu bekämpfen, sagte er dem HR am Dienstag. In einem Interview mit der "Hessenschau" erklärte er am gleichen Tag: "Ich finde die Scharia gut." Ob er es gut finde, wenn Frauen gesteinigt würde, hakte der Reporter nach. Die Antwort von F.: "Das ist unsere Religion, ich finde meine Religion gut." Sein Video richte sich an die Leute in Syrien und Irak, nicht an die Deutschen. Kurz später wurde er festgenommen. Die Polizei ermittelt nun gegen F.

Quelle: n-tv.de

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