Politik
Mehr Geld in der Tasche durch den Mindestlohn? Dieses Bild zeigt Jura-Studenten an der Uni Leipzig.
Mehr Geld in der Tasche durch den Mindestlohn? Dieses Bild zeigt Jura-Studenten an der Uni Leipzig.(Foto: picture alliance / dpa)

Was wird aus der Generation Praktikum?: "Der Mindestlohn ist studentenfeindlich"

Das Kabinett gibt sein Ja-Wort, der Mindestlohn kommt: Doch nach wie vor gibt es großen Widerstand innerhalb der Großen Koalition. Die CSU-Abgeordnete Katrin Albsteiger erklärt n-tv.de, warum.

n-tv.de: Am 4. Juli soll der Mindestlohn durch den Bundestag. Ein "historischer Tag", wie Ministerin Andrea Nahles sagt. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisher wohl größten innenpolitischen Projekt der neuen Bundesregierung?

Katrin Albsteiger ist 30 Jahre alt und sitzt seit der Bundestagswahl 2013 für die CSU im Bundestag.
Katrin Albsteiger ist 30 Jahre alt und sitzt seit der Bundestagswahl 2013 für die CSU im Bundestag.(Foto: picture alliance / dpa)

Katrin Albsteiger: Der Mindestlohn ist ein Thema, das der Union und mir persönlich schwerfällt. Trotzdem tragen wir ihn im Großen und Ganzen mit, das steht ja auch im Koalitionsvertrag. Aber: Wir haben uns immer dafür eingesetzt, dass es Ausnahmen gibt. Zum Beispiel bei der Regelung für Langzeitarbeitslose waren wir erfolgreich, bei anderen leider nicht. Der jetzige Mindestlohn-Entwurf ist leider studentenfeindlich.

Das müssen Sie erklären.

Im studentischen Bereich gibt es eine Reihe von Jobs, die anders als der Mindestlohn nicht dazu gedacht sind, vollumfassend für den Lebensunterhalt sorgen zu müssen. Es geht darum, sich etwas Geld hinzuzuverdienen und Praxiserfahrungen zu sammeln.

Laut dem Gesetzesentwurf, den das Kabinett gebilligt hat, fallen nur freiwillige Praktika ab einer Länge von sechs Wochen unter den Mindestlohn.

Im ersten Entwurf der Ministerin fielen freiwillige Praktika noch generell unter den Mindestlohn. Die nachverhandelte Sechs-Wochen-Regelung macht mich schon zufriedener. Sie ist eine Kompromisslösung, mit der ich zähneknirschend leben kann. Trotzdem halte ich die Frist für zu kurz. Die entsprechenden Praktika dauern oft bis zu einem halben Jahr, deshalb hätte ich mir eher eine Grenze von drei Monaten gewünscht.

Wieso?

Vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich versuchen die Studenten, sich durch ein Praktikum weiterzubilden und in Berufe reinzuschnuppern. Das funktioniert jedoch nur, wenn Praktika angeboten werden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Arbeitgeber einen Praktikanten für 8,50 Euro die Stunde einstellen. Der Student hat ja noch nicht mal eine abgeschlossene Ausbildung, ihm dient das Praktikum nur zur Berufsorientierung.

Video

Mit mehr Geld in der Tasche hätten Studenten bessere Möglichkeiten, sich eine Wohnung, Verpflegung, Studiengebühren und ein Praktikum zu finanzieren. Was wäre daran so studentenfeindlich?

Da muss man klar unterscheiden zwischen einem Praktikum und einem klassischen Studentenjob. Ich stimme aber zu: Auch Praktika müssen bezahlt werden. Wer in meinem Bundestagsbüro ein Praktikum macht, soll auch entsprechend entlohnt werden. Wenn jemand nach Berlin kommt und sich für diese Zeit eine Wohnung nimmt, muss er seine Unkosten decken können.

Was würden Sie Ihrem Praktikanten zahlen?

Minijob-Niveau, also 450 Euro im Monat. Ich weiß natürlich, dass es Studentenjobs und Praktika gibt, die sehr viel besser entlohnt werden.

Die viel beschworene Generation Praktikum hat Andrea Nahles mit dem Mindestlohn doch eigentlich für beendet erklärt. Aber mit 450 Euro im Monat dürfte es für einen Studenten in Berlin ziemlich schwierig werden, Unterkunft und Verpflegung zu decken.

Dem kann ich widersprechen. Ich habe 2008 ein Praktikum gemacht und hatte eine Unterkunft für 200 Euro.

Da haben Sie offenbar großes Glück gehabt. Kommen wir mal zu einem anderen strittigen Thema beim Mindestlohn: die Altersgrenze. Im Gesetzesentwurf hat man sich auf eine Grenze von 18 Jahren geeinigt. Halten Sie das für angemessen?

Da bin ich skeptisch. Nur 25 Prozent der Azubis sind unter 18 Jahre alt. Die Altersgrenze als Maßstab zu nehmen, um die jungen Leute nicht in besser bezahlte Mindestlohn-Jobs zu bringen, sondern in Ausbildungen, halte ich daher nicht für ein geeignetes Instrument. Wir hätten uns gewünscht, dass man mindestlohnberechtigt ist, wenn man eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Bachelor hat.

Karl Schiewerling, der Arbeitsmarktexperte Ihrer Fraktion, fordert eine Heraufsetzung der Grenze auf 23 Jahren.

Als Interessenvertreterin der Studenten sehe ich das kritisch. Nehmen wir mal an, ein Student arbeitet in einer Bar und bekommt sechs Euro in der Stunde. In dem Moment, wo er 23 Jahre alt wird und noch mitten im Studium steckt, wird er möglicherweise durch einen Jüngeren ersetzt, weil dieser nicht mindestlohnpflichtig ist. Deswegen wäre eine höhere Altersgrenze ungerecht.

Mit Katrin Albsteiger sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen