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Livebild aus Kairo
Livebild aus Kairo

Islamische Welt ist in Aufruhr: Deutsche Botschaft in Sudan brennt

Die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum wird von Demonstranten gestürmt und in Brand gesetzt. Die deutsche Flagge wird durch eine islamistische Fahne ersetzt. Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft befinden sich in Sicherheit. Auch die britische Botschaft in Khartum ist Ziel tausender aufgebrachter Muslime. Steine fliegen, die Polizei setzt Tränengas ein. Auch aus Kairo werden Straßenschlachten gemeldet. Dort wird die US-Botschaft mit eilig errichteten Mauern geschützt.

Aus Protest gegen einen islamfeindlichen Film, der in den USA produziert wurde, ist die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum von Demonstranten in Brand gesteckt worden. Zuvor waren Demonstranten auf das Botschaftsdach gestiegen, hatten die deutsche Flagge entfernt und eine islamistische Fahne gehisst. Die sudanesische Polizei ging mit Tränengas gegen die Menge vor. Auch die britische Botschaft war Ziel der Angriffe.

Der deutsche Botschafter Rolf Welberts befindet sich mit seinen Mitarbeitern in Sicherheit, berichtete Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin. Er habe das Gebäude in der Baladia Street noch rechtzeitig verlassen können.

Aufgeheizte Stimmung in Kairo.
Aufgeheizte Stimmung in Kairo.(Foto: REUTERS)

Deutschland hatte zuvor die Sicherheitsvorkehrungen an diplomatischen Vertretungen in mehreren islamischen Ländern verstärkt. "Wir sorgen uns um unsere eigenen diplomatischen Vertretungen in den betroffenen Ländern", sagte Außenminister Guido Westerwelle in der ARD. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes ergänzte: "Wir beobachten die Entwicklung der Sicherheitslage mit größter Aufmerksamkeit und haben unsere Sicherheitsvorkehrungen an einigen Auslandsvertretungen verschärft." Berichte, nach denen Botschaften in nordafrikanischen Ländern sowie in Afghanistan und Pakistan zumindest für diesen Freitag geschlossen worden seien, sind bislang nicht bestätigt.

Auch die Bundeswehr in Afghanistan reagiere auf die Entwicklung "mit einer höheren Sensibilisierung", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Bisher lägen keine Informationen über Protestaktionen vor deutschen Stützpunkten vor. "Spiegel Online" berichtete zudem, deutsche Einrichtungen wie die Büros von Entwicklungshilfeorganisationen und von Stiftungen seien aufgefordert worden, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.

Proteste in zahlreichen Ländern

Tausende Sicherheitskräfte sollen in Kairo die aufgebrachte Menge in Schach halten.
Tausende Sicherheitskräfte sollen in Kairo die aufgebrachte Menge in Schach halten.(Foto: REUTERS)

Damit eskaliert drei Tage nach Veröffentlichung eines Mohammed-Schmähvideos der Zorn in der islamischen Welt. In der Umgebung der US-Botschaft in Kairo warfen Demonstranten mit Steinen auf Polizisten. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Für den Nachmittag rief die in der Regierung vertretene Muslimbruderschaft zu einer Großdemonstration auf. Bis zu eine Million Menschen werden erwartet. Alle Zufahrtswege zur US-Botschaft in Kairo sind mit Betonwänden und -böcken versperrt. Tausende Sicherheitskräfte sind im Einsatz.

Auch in Saudi-Arabien, wo Demonstrationen verboten sind, wurde über Twitter zu Protesten vor den US-Vertretungen in Riad und Dschidda aufgerufen.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eskalierte die Situation erneut, als hunderte Demonstranten zur US-Botschaft marschieren wollten. Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse ab und setzten Wasserwerfer ein. Die Demonstranten in Sanaa forderten die Ausweisung des US-Gesandten und verbrannten die US-Flagge. Am Vortag waren dort vier Menschen bei Protesten vor der US-Botschaft getötet worden.

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In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka versammelten sich vor der größten Moschee des Landes, der Baitul-Mokarram-Moschee, etwa 10.000 Demonstranten. Auch sie verbrannten israelische und US-Flaggen und riefen Parolen wie "Wir werden keine Beleidigungen unseres Propheten hinnehmen" oder "Zerschmettert die schwarzen Hände der Juden". Hunderte Polizisten und Elite-Sicherheitskräfte hielten die Demonstranten mit Wasserwerfern davon ab, zur mehrere Kilometer entfernten US-Botschaft vorzudringen.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta versammelten sich fast 500 muslimische Fundamentalisten mit ihren Angehörigen zu einer Demonstration vor der US-Botschaft. Ein Sprecher der für ein Kalifat kämpfenden Organisation Hizb ut-Tahrir, die die Proteste organisiert hatte, nannte den Film "eine Kriegserklärung". Die indonesische Polizei stationierte nach eigenen Angaben bis zu 400 Beamte rund um die US-Botschaft.

Appell an Muslime

Unterdessen riefen Imame in ganz Deutschland zu Besonnenheit auf. "Die Muslime in aller Welt sollten die Provokation ignorieren und auf keinen Fall mit Gewalt darauf reagieren", sagte stellvertretend der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde im oberbayerischen Penzberg, Benjamin Idriz. "Die Menschen, die diesen Film gemacht haben und zeigen, sind wertlos. Aber wir sollten darauf nicht wertlos antworten", sagte Idriz und fügte hinzu: "Wir müssen intellektuell antworten." Allein in Bayern leben nach Angaben des Penzberger Imams rund 700.000 Muslime.

Filmemacher offenbar unter Polizeischutz

Der mutmaßliche Macher des islamfeindlichen Films soll in den USA derweil unter Polizeischutz stehen. "Wir haben eine Bitte erhalten und wir antworten darauf. Wir sind die Garanten der öffentlichen Sicherheit", sagte der Sprecher des Sheriffs von Los Angeles. Er machte weder Angaben dazu, wer die Behörden um Hilfe gebeten habe, noch zur genauen Art des Polizeischutzes.

Das Haus von Nakoula Basseley Nakoula im Ort Cerritos südlich von Los Angeles stand unter Bewachung der Polizei. Der 55-Jährige leitet nach eigenen Angaben die Produktionsfirma des Films. Er bestritt, der Autor des Films zu sein, der unter dem Pseudonym "Sam Bacile" auftritt. Allerdings führte eine Handynummer, unter der "Sam Bacile" US-Medien ein Interview gab, zu ihm.

Israel hat sich von Autor und Film distanziert. Zunächst hatte es geheißen, der Produzent habe für den rund zweistündigen Film fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) von rund 100 jüdischen Spendern eingesammelt.

Der umstrittene US-amerikanische Pastor Terry Jones in Florida, der mit einer Koranverbrennung weltweit für Proteste gesorgt hatte, wollte den Film in den USA öffentlich zeigen. Auch die rechtspopulistische Partei "Pro Deutschland" will mit einer Filmvorführung in Berlin provozieren.

Quelle: n-tv.de

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