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Letzter Ausweg in einem ungerechten System?
Letzter Ausweg in einem ungerechten System?(Foto: picture alliance / dpa)

Studie zu Gerechtigkeit: Deutsche halten ihr Land für ungerecht

Nur einer von fünf Deutschen ist der Meinung, dass das Geld in der Gesellschaft gerecht verteilt ist. Die geplanten Gesetze der Bundesregierung zum Mindestlohn und der Rente mit 63 sind dabei aber überraschend populär.

Im September 2012 demonstrierten Aktivisten am Finanzplatz Frankfurt: "UmFAIRteilung" der großen Vermögen fordern immer mehr Deutsche.
Im September 2012 demonstrierten Aktivisten am Finanzplatz Frankfurt: "UmFAIRteilung" der großen Vermögen fordern immer mehr Deutsche.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutschen halten die Bundesrepublik für ein ungerechtes Land und wünschen sich mehr soziale Gerechtigkeit. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts hervor, aus der die "Welt am Sonntag" zitiert. Demnach finden 59 Prozent der Befragten, es gehe in Deutschland nicht gerecht zu. Nur 21 Prozent halten Vermögen und Verdienste für fair verteilt.

Doch was ist soziale Gerechtigkeit überhaupt? Die wichtigsten Schlagworte in der Umfrage sind Chancengerechtigkeit, Leitungsgerechtigkeit und Familiengerechtigkeit. Für 91 Prozent der Befragten ist Gerechtigkeit in der Gesellschaft möglich, wenn ein Beschäftigter von seinem Lohn leben kann. Fast ebenso viele, 90 Prozent, halten gleiche Chancen von Kindern auf eine gute Schulbildung für die wichtigste Voraussetzung. Eine Grundsicherung für jeden Bürger wäre nach Ansicht vieler (77 Prozent) etwas, das Gerechtigkeit fördern würde. 70 Prozent finden aber auch, dass sich mehr Eigenleistung lohnen sollte.

Rente mit 63 und Mindestlohn enorm populär

Die Allensbach-Umfrage zeigt, dass verschiedene geplante Sozialmaßnahmen der Regierung, die in Politik und Medien kontrovers diskutiert wurden, in der Bevölkerung populär sind. 79 Prozent finden, die Aufstockung der Rente von Geringverdienern fördere die soziale Gerechtigkeit. Dabei wird allerdings auf die Umstände, die zu solch geringen Renten führen, nicht eingegangen. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde wird nach Meinung von 78 Prozent der Befragten den sozialen Frieden stärken. Sieben von zehn Befragten finden zudem, die Rente mit 63 Jahren und die schnellere Gleichstellung von Leiharbeitern mit regulären Arbeitnehmern würden die Situation verbessern.

Wichtig ist den Deutschen auch, dass Eltern ihren Beruf ausüben können und trotzdem Zeit für ihre Kinder haben. In der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehen 71 Prozent einen wichtigen Faktor, der zu mehr Chancengerechtigkeit führt. Mit Hinblick auf die Kinder finden 70 Prozent, dass diese in der Schule besser auf das Berufsleben vorbereitet werden müssten. 56 Prozent halten es deshalb für notwendig, Kinder schon im Vorschulalter besser zu fördern. Was damit konkret gemeint ist, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Gerechtigkeit ist für die meisten Deutschen übrigens wichtiger als eine florierende Wirtschaft. So halten es 52 Prozent der Befragten für wichtiger, die soziale Gerechtigkeit auszubauen, als Deutschland als Wirtschaftsstandort zu fördern. Nur 26 Prozent sprechen sich dafür aus, lieber die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu steigern.

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Quelle: n-tv.de

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