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Die letzten Volkszählungen gab es 1987 im Westen, 1981 im Osten Deutschlands.
Die letzten Volkszählungen gab es 1987 im Westen, 1981 im Osten Deutschlands.(Foto: picture alliance / dpa)

Das überraschende Ergebnis der Volkszählung: Deutschland hat weniger Einwohner als erwartet

Die Rechnung sollte eigentlich ganz einfach sein: Der Bevölkerungsstand im Vorjahr minus Wegzüge und Todesfälle plus Geburten und Einwanderer ergibt den jeweils aktuellen Bevölkerungsstand. Doch offenbar haben sich über die Jahre in dieser Rechnung allerhand Fehler eingeschlichen. So bringt die Volkszählung aus dem Jahr 2011 Verblüffendes zutage.

Deutschland hat weniger Einwohner als bislang angenommen: Aktuell leben rund 80,2 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Das ergab der Zensus 2011, den das Statistische Bundesamt vorstellte. Bislang waren die Statistiker von 81,8 Millionen Einwohnern ausgegangen.

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Die Bevölkerung war zuletzt im Jahr 1987 in der damaligen Bundesrepublik sowie 1981 in der DDR gezählt worden. Auf der Grundlage der damaligen Ergebnisse wurden die Daten fortgeschrieben und im Laufe der Zeit immer ungenauer. Die erste Volkszählung in Deutschland seit mehr als zwei Jahrzehnten kommt nunmehr auf exakt 80.219.695 Menschen.

Nach den neuesten Zahlen stammt mittlerweile fast jeder Fünfte aus einer Zuwandererfamilie: 15,0 Millionen Einwohner des Landes haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Viele von ihnen haben aber die deutsche Staatsbürgerschaft: Unter den 80,2 Millionen Einwohnern finden sich nämlich nur knapp 6,2 Millionen Ausländer - eine Quote von 7,7 Prozent. Zudem sind die Frauen in Deutschland klar in der Überzahl: Gut 41 Millionen weiblichen Einwohnern stehen lediglich etwas mehr als 39 Millionen Männer gegenüber.

Nur ein Drittel der Bevölkerung befragt

Die Datenerhebung für den neuen Zensus hatte im Jahr 2011 begonnen. Im Unterschied zu einer klassischen Volkszählung wurde dafür nur ein Drittel der Bevölkerung befragt - persönlich oder schriftlich. Weitere Daten wurden aus den Melderegistern der Kommunen, dem Register der Arbeitsagentur und anderen Quellen zusammengetragen.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte jedoch, dass in Kliniken, Haftanstalten und Altersheimen personenbezogene Daten erhoben wurden. "In diesen sogenannten Sonderbereichen hätte man keine namentliche Zählung durchführen sollen", sagte Schaar der "taz". Bei einigen dieser Bereiche könne schon eine Zuordnung die Betroffenen stigmatisieren, etwa Häftlinge oder psychisch Kranke.

Die Europäische Union schreibt vor, dass bestimmte Daten erhoben werden müssen. Die nächste Volkszählung ist deshalb schon fest eingeplant - für das Jahr 2021.

Quelle: n-tv.de

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