Politik

Kurden preisen tote Kämpferinnen: Die Märtyrerinnen von Kobane

Von Issio Ehrich

Die Berichte häufen sich: Immer wieder ist in sozialen Netzwerken von jungen Kurdinnen die Rede, die im verzweifelten Kampf gegen den Islamischen Staat ihr Leben gaben. Dabei geht es nur zum Teil um Ehrerbietung.

Nasreen verlor den Glauben daran, dass die Welt den Kurden im Kampf um Kobane helfen würde. Und so griff die junge Frau selbst zur Waffe. Sie opferte ihr Leben für ihre beiden Töchter und die anderen Bewohner der Stadt im Norden Syriens.

Geschichten wie die von Nasreen verbreiten sich schnell in sozialen Netzwerken. Die Kurden, die sich in Syrien dem Islamischen Staat (IS) entgegenstellen, nutzen vor allem Twitter, um ihre Helden zu preisen. Es ist eine Form der Ehrerbietung, zugleich auch der Versuch, neue Kräfte zu mobilisieren. Dass vor allem Frauen diese Form des Märtyrerkults zuteil wird, hat Gründe.

Der Account @Kurdistan-Army verbreitete die Meldung von Nasreens Tod am späten Sonntagabend. Dazu zwei Bilder: links Nasreen in einem lilafarbenen Kleid mit ihren Töchtern in den Armen, rechts Nasreen in einem Tarnanzug mit dem Sturmgewehr in ihren Händen. Die Botschaft ist klar: Ziehe mutig in den Krieg, um deine Liebsten zu schützen.

Nasreen ist eines der jüngsten Beispiele, aber sie ist nur eines von vielen. Da ist auch die Geschichte Ceylan Özalp, die nach Angaben der twitternden Kurden umzingelt von den Dschihadisten selbst dann noch kämpfte, als all ihre Freundinnen schon erschossen am Boden lagen. Ihre letzten Kugeln hob sie sich für den Selbstmord auf, um nicht von den Schlächtern des IS vergewaltigt zu werden.

Frauen versperren den Weg ins Paradies

Die Stadt Kobane (auch Ain al-Arab) wird seit Mitte September von Kämpfern des IS belagert. Eigenen Angaben zu Folge verteidigen rund 5000 Kurden das Gebiet. Es ist ein verzweifelter Kampf, IS-Kämpfer sind in der Nacht zu Montag zwischenzeitlich auf 200 Meter an die Stadt herangerückt. Die Kurden brauchen dringend neue Kräfte zur Verstärkung.

Wenn sich Frauen der YPG, den kurdischen Volksverteidigungskräften, anschließen, ist das ein doppelter Gewinn. Denn sie stellen nicht nur eine handfeste, sondern auch eine moralische Verstärkung dar. Die Dschihadisten fürchten weibliche Kämpfer angeblich besonders. Denn werden sie durch eine Frau getötet, ist das im Sinne ihrer Ideologie nicht nur eine Schmach. Sie glauben auch, dass ihnen dann der eigentlich so gewisse Weg ins Paradies versperrt bleibt.

Besondere Wirkung dürfte vor diesem Hintergrund die Geschichte von Arin Mirkan entfalten. Auch von ihr hat @Kurdistan-Army ein Bild veröffentlicht. Auch das appelliert an Muttergefühle. Mirkan hält zwei Kinder in den Armen. Über dem Bild heißt es: "Arin Mirkan vollstreckte einen Selbstmordanschlag und tötete viele IS-Terroristen, als sie sich einer Übermacht entgegen sah." Die Islamisten des IS müssen jetzt jederzeit damit rechnen, dass sich verzweifelte Frauen mit Sprengstoffgürteln auf sie stürzen.

Quelle: n-tv.de

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