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Alexander Zaldostanov ist "der Chirurg" und ein Freund Putins (Archivbild).
Alexander Zaldostanov ist "der Chirurg" und ein Freund Putins (Archivbild).(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Putins Biker-Kumpel: Die Nachtwölfe heulen auf der Krim

Von Aljoscha Ilg

Sie sehen martialisch aus, sind zu allem entschlossen und mischen kräftig mit auf der Krim. Die Nachtwölfe, das russische Pendant zu den Hells Angels, unterstützen derzeit eindrucksvoll Russlands Machtansprüche auf der Halbinsel.

In der angespannten Lage auf der Krim gehören die "Night Wolves" (Nachtwölfe) zu den russischen Kräften, die sich mit ihren Uniformen klar zu erkennen geben. Im Gegensatz zu den maskierten Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, die derzeit die Halbinsel kontrollieren, tragen die Mitglieder des Rockerklubs ihr Emblem stolz auf der Kluft. Der flammende Wolfskopf ist in ganz Russland bekannt, was nicht zuletzt am illustren Anführer der Biker, Alexander Zaldostanov, - Spitzname "der Chirurg" - und dessen öffentlicher Freundschaft zum russischen Präsidenten liegt.

Gelegentlich fährt Putin schon mal mit den Nachtwölfen (meist allerdings auf einem Trike), wie hier im August 2011 in Noworossijsk am Schwarzen Meer.
Gelegentlich fährt Putin schon mal mit den Nachtwölfen (meist allerdings auf einem Trike), wie hier im August 2011 in Noworossijsk am Schwarzen Meer.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Präsident des größten Rockerklubs Russlands besitzt gute Kontakte zum Kreml. Seit 2009 pflegen Putin und der bärtige Hüne, der aussieht als sei er einem Hollywood-Streifen entsprungen, ein gutes Verhältnis. Im Juli 2012 ließ Putin den damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch vier Stunden warten, weil er lieber mit den Nachtwölfen über die Straßen der Krim bretterte. Für seine patriotischen Verdienste um Mütterchen Russland hat Putin Zaldostanov im Februar des letzten Jahres eine Ehrenmedaille verliehen. Im Gegenzug lobte "der Chirurg" den Kremlchef öffentlich für dessen Bemühungen, Russlands alte Größe wiederherzustellen.

Moderner Panslawismus

So dubios die Verbindung zwischen Staatschef und Rockerklub hierzulande auch erscheinen mag, sie passt zur Selbstinszenierung Putins, der sich gern in der Rolle des starken männlichen Führers präsentiert. Darüber hinaus stellen die Nachtwölfe für den russischen Präsidenten ein interessantes Instrument der weichen Machtausübung dar. Mit ihrer stark patriotischen Ideologie eines modernen Panslawismus und den zahlreichen Ablegern des Klubs tragen sie die russische Kultur nach außen und erhalten sie in Ländern am Leben, in denen sie sonst auf dem Rückzug ist. Mit Großveranstaltungen, auf denen sie ihr Bild eines slawischen Nationalismus propagieren, in Ländern wie Rumänien, Serbien, Mazedonien und Estland erreichen sie jedes Jahr tausende von Menschen.

Dass es die Rocker nicht an Engagement mangeln lassen, zeigen auch die jüngsten Ereignisse auf der Krim: Seitdem die Halbinsel nach der Revolution in Kiew zum Pulverfass geworden ist, stellen sich die harten Kerle mit den schwarzen Westen als eine Art wehrhafte Hilfsorganisation für Brüder in Not dar. Gleich zu Beginn der Krise trommelte Zaldostanov seine Bruderschaft auf der Krim zusammen. Mit ihren Motorrädern bringen sie medienwirksam humanitäre Hilfsgüter auf die Halbinsel, richten Kontrollpunkte ein, an denen sich Passanten auf Waffen kontrollieren lassen müssen, und wollen mit Patrouillen die russischsprachigen Bewohner der Krim vor "ukrainischen Faschisten" schützen. Damit stellen sie sich im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine klar auf Putins Seite. Diese Nähe zur Politik hat es bei den Rockern nicht immer gegeben.

Nationalistisch, konservativ und schwulenfeindlich

Die Nachtwölfe haben sich im Russland der 80er Jahre während der Perestroika als anti-sowjetische Gruppierung mit einer Vorliebe für Rockmusik und Motorräder gegründet. Im Gegensatz zu ihren westlichen Vorbildern wie den Hells Angels fallen die Nachtwölfe weniger durch kriminelle Machenschaften als durch ihr kirchliches und gesellschaftliches Engagement auf. Ein großer Teil der Anhänger kommt aus der Mittelschicht. Inzwischen zählt die Gruppe mehr als 5000 Mitglieder und hat zahlreiche Ableger in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Zwar sind die Nachtwölfe auch heute noch misstrauisch gegenüber dem Staat und lehnen in ihrem Vereinsstatut gesetzliche Vorschriften ab. Mit Putin scheinen sie sich jedoch arrangiert zu haben. Berührungspunkte gibt es zur Genüge. Die Rocker gelten als nationalistisch, konservativ und schwulenfeindlich - Adjektive, die auch auf Putin zutreffen.

Inwiefern Alexander Zaldostanov mit seinen Nachtwölfen einen nennenswerten Machtfaktor im Poker um die Krim darstellt, ist unklar. Er selbst möchte seinen Einsatz auf der Halbinsel "nicht als Eingriff Russlands in die Angelegenheiten der Ukraine" verstanden wissen, wie der Rocker-Chef auf der klubeigenen Website bekannt gibt. Er reagiere lediglich auf den Hilferuf seiner "ukrainischen Brüder". Um diese zu schützen, sei man bereit, "zu sterben wie Krieger". Eine kürzlich getätigte Aussage Zaldostanovs gegenüber "Time" zeigt deutlicher, welche Motivation hinter dem Handeln der Rocker steckt: "Wo immer wir sind, wo immer die Nachtwölfe sind, dieser Ort sollte als Russland angesehen werden."

Quelle: n-tv.de

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