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Eine Rekrutin sichert auf einem Truppenübungsplatz eine Patrouille.
Eine Rekrutin sichert auf einem Truppenübungsplatz eine Patrouille.(Foto: dpa)

Frauen bei der Bundeswehr: Die Skepsis wächst

Von Peter Poprawa

2001 öffnete sich die Bundeswehr vollständig für Frauen. Die Bilanz ist verheerend: Frauen seien ungeeignet für das harte Leben im Feld, die Kampfkraft der Truppe sei nachhaltig geschwächt worden. Und dann gibt es noch das Problem mit dem Sex.

Bundeswehrsoldaten patrollieren im Distrikt von Charrah Darreh nahe Kundus (Afghanistan).
Bundeswehrsoldaten patrollieren im Distrikt von Charrah Darreh nahe Kundus (Afghanistan).(Foto: dpa)

Schwächen Soldatinnen tatsächlich die Bundeswehr? Sind Frauen bei der Truppe ihren Aufgaben nicht gewachsen und schon deshalb eine Gefahr für die Armee? Geht es nach der Mehrheit der männlichen Soldaten muss das wohl bejaht werden. Demnach werden Frauen bei der Bundeswehr immer weniger akzeptiert.

Die Soldaten kritisieren einer Studie zufolge, dass die deutsche Armee wegen der Frauen in ihren Reihen zunehmend an Kampfkraft verliert. Geht es nach dem befragten Soldaten, sind Frauen sogar ungeeignet für körperlich fordernde Tätigkeiten oder dem harten Leben im Feld, sagte der Autor der Studie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Gerhard Kümmel, in Berlin.

Diese Studie kommt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gerade recht, denn bei Antritt ihres Postens versprach sie eine familienfreundlichere Bundeswehr. Umgehend kündigte sie nun Konsequenzen an, um die Frauen besser in den Militärdienst zu integrieren. Wie sie konkret auf die Studie reagieren will, ließ sie zunächst aber unbeantwortet und sagte nur allgemein: "Wir müssen die Karrierepfade für Frauen gangbarer machen, die Vereinbarkeit von Dienst und Familie zügig vorantreiben und auch besser sichtbar machen, wie sehr die Bundeswehr von der wachsenden Zahl Frauen in der Truppe profitiert", sagte sie in Berlin. "Die Bundeswehr braucht die fähigsten Köpfe, und davon sind ebenso viele weiblich wie männlich."

Bundeswehr zerstört Ehen

Seit 2001 stehen Frauen in der Bundeswehr alle Laufbahnen offen.
Seit 2001 stehen Frauen in der Bundeswehr alle Laufbahnen offen.(Foto: dpa)

Gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat zwischen 2005 und 2011 laut der Studie gelitten. Demnach berichten 61,4 Prozent der Männer (2005: 51,8 Prozent) und 54,9 Prozent der Frauen (2005: 51,4) von Partnerschaftskrisen aufgrund ihres Dienstes. 43,3 der Männer und 44,2 Prozent der Frauen trennten sich sogar deswegen.

Für die Studie hatte Kümmel im Jahr 2011 rund 8500 Soldatinnen und 6000 Soldaten befragt. Fast 2000 der befragten Soldaten gaben an, dass ihre weiblichen Kameradinnen einen schlechten Job machen und sie sind auch überzeugt, dass Frauen bei der Truppe von ihren Vorgesetzten bevorzugt werden.

Ein großes Problem ist auch die sexuelle Belästigung für Frauen in der Bundeswehr. Laut der Studie gab jede zweite Soldatin an, schon mindestens einmal sexuell belästigt worden zu sein. Genau waren es 55 Prozent der befragten Soldatinnen. 47 Prozent berichteten über verbale Belästigungen, 25 Prozent über das sichtbare Anbringen pornografischer Darstellungen und 24 Prozent über "unerwünschte sexuell bestimmte körperliche Berührungen". Drei Prozent der befragten Frauen gaben an, Opfer sexuellen Missbrauchs geworden zu sein.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, forderte eine Antwort der Bundeswehr auf diese Zahlen. "Die Studie zeigt, dass das Thema sexuelle Belästigung in der Bundeswehr ernst genommen wird, auch wenn ich mir eine schnellere Umsetzung der dort gewonnenen Erkenntnisse gewünscht hätte", sagte er der "Bild"-Zeitung. Königshaus wies darauf hin, dass die betroffenen Soldatinnen oftmals Hemmungen hätten, Diskriminierung und Fälle von sexueller Belästigung zu melden, weil sie persönliche Nachteile befürchteten.

Das "Integrationsklima trübt sich ein"

Die aktuelle Studie zeigt auch, dass im Vergleich zur Umfrage von 2005/2008 die Vorurteile gegen Frauen in der Bundeswehr sogar noch gewachsen sind. Wissenschaftler Kümmel spricht von einer "Eintrübung des Integrationsklimas". Möglicherweise wurden die Befragten bei ihren Antworten durch den Afghanistan-Einsatz beeinflusst, der ab 2005 zunehmend in einen Kampfeinsatz umschlug und um 2011 auf dem Höhepunkt war.

Demnach beklagten fast 57 Prozent der befragten Soldaten eine Entwicklung zum Schlechteren, die ausschließlich auf die Aufnahme von Soldatinnen zurückzuführen sei. Das sind immerhin fünf Prozentpunkte mehr als bei der Umfrage von 2005. So steht dann auch für fast die Hälfte aller Befragten fest, dass sie sich nicht noch einmal für eine Karriere bei der Bundeswehr entscheiden würden. In der Umfrage 2005/2008 waren es nur 40 Prozent.

Seit 2001 stehen Frauen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs alle Laufbahnen bei der Bundeswehr offen. Davor waren sie vom Dienst an der Waffe ausgeschlossen und nur im Sanitätsdienst und als Musikerinnen in den Musikkorps zugelassen. Im Truppendienst - also bei Heer, Luftwaffe und Marine - strebt die Bundeswehr einen Frauenanteil von 15 Prozent an. Im Sanitätsdienst, wo heute schon 42 Prozent Soldatinnen beschäftigt sind, werden 50 Prozent angepeilt.

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Quelle: n-tv.de

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