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Die Absturzstelle in der Ostukraine.
Die Absturzstelle in der Ostukraine.(Foto: REUTERS)

Wer schoss MH17 ab?: "Die Verantwortung trägt Moskau"

Der Abschuss von MH17 bedeutet eine dramatische Verschärfung der Situation in der Ukraine, meint der Osteuropaexperte Klaus Segbers. Gefordert seien nun die EU und die USA.

Der Abschuss von MH17 bedeutet eine dramatische Verschärfung der Situation in der Ukraine, meint der Osteuropaexperte Klaus Segbers. Gefordert seien nun die EU und die USA. 

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n-tv.de: Wie beurteilen Sie den Absturz von MH17?

Klaus Segbers: Der Abschuss eines zivilen Flugzeuges – und es kann keinen Zweifel mehr daran geben, dass es ein Abschuss war – ist eine weitere dramatische Verschärfung der Situation.

Wer ist für den Abschuss verantwortlich?

Es ist relativ klar, dass die ukrainische Regierung damit nichts zu tun hat. Es gibt inzwischen im Internet Abschriften eines Telefonverkehrs von Milizangehörigen direkt nach dem Abschuss, die dafür auch die Verantwortung dort übernommen haben. Aber die Separatisten haben natürlich keine eigene Möglichkeit, diese Waffensysteme zu produzieren. Das heißt, sie haben sie, wenn sie sie haben, aus Russland bekommen. Die Verantwortung dafür trägt letzten Endes die russische Regierung.

Wie steht Moskau denn zu den prorussischen Separatisten in der Ukraine?

Prof. Klaus Segbers, Osteuropa-Experte an der Freien Universität Berlin.
Prof. Klaus Segbers, Osteuropa-Experte an der Freien Universität Berlin.(Foto: Segbers/FU Berlin)

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Zustimmung für den russischen Präsidenten nach der völkerrechtswidrigen Aneignung der Krim in Russland außerordentlich hoch ist und dass er sicher auch auf seine Popularität zu Hause schauen wird. Also, wie sich die russische Regierung in den nächsten Stunden und Tagen hier sortieren wird, wird sicher wesentlich sein. Aber die Europäische Union und die Vereinigten Staaten müssen langsam zur Kenntnis nehmen, dass Russland zusehends von einem Teil der Lösung eher zu einem Teil des Problems der europäischen Sicherheit wird.

Immerhin wurden Sanktionen gegen Russland verhängt.

Die bisherigen Sanktionen sind im Wesentlichen gegen Individuen der Milizen und der russischen Regierung und einige russische Firmen verhängt worden. Sie haben nur eine begrenzte Wirkung.

Sie reichen also nicht?

Was die russische Führung wirklich besorgt, ist die Aufstockung der bisherigen Sanktionen auf die Stufe drei. Das hieße dann gezielte Maßnahmen gegen ganze Sektoren der russischen Wirtschaft. Das würde schmerzen und ich glaube, dass das ein Signal wäre. Die EU, die bisher immer darüber redet, aber diese harten Sanktionen faktisch noch nicht verhängt hat, muss sich jetzt entscheiden. Ich denke, dieses klare Signal an die russische Regierung wäre, wenn zweifelsfrei feststeht, dass sie Mitverantwortung trägt für den Abschuss, unabwendbar.

Quelle: n-tv.de

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