Politik
Varoufakis, mit Handy, beim Treffen des Zentralkomitees von Syriza am Samstag.
Varoufakis, mit Handy, beim Treffen des Zentralkomitees von Syriza am Samstag.(Foto: imago/Wassilis Aswestopoulos)

Varoufakis attackiert die Medien: "Die Wahrheit über Riga"

Von Hubertus Volmer

Beim Eurogruppen-Treffen in Riga ging es hoch her, angeblich wurde der griechische Finanzminister von seinen Kollegen beschimpft. Später hieß es, Varoufakis habe die Sitzung mitgeschnitten. Jetzt antwortet der Minister - auf seinem Blog.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat den europäischen Medien Leichtgläubigkeit vorgeworfen. In einem Eintrag auf seinem Blog widersprach er der Berichterstattung über das Treffen der Euro-Finanzminister in Riga in mehreren Punkten und mit scharfen Worten.

Seine Ministerkollegen hätten niemals anders als höflich und respektvoll mit ihm gesprochen; er habe weder in Riga noch zu einem anderen Zeitpunkt die Nerven verloren; außerdem stehe er bei den Verhandlungen der Eurogruppe weiterhin an der Spitze der griechischen Delegation.

Der Blog-Eintrag hat die Überschrift "Die Wahrheit über Riga". Varoufakis schreibt darin, zuerst hätten die Medien Lügen verbreitet. Damit meint er Berichte, in denen es hieß, Varoufakis sei bei dem Treffen am 24. April von europäischen Ministerkollegen als "Spieler", "Amateur" und "Zeitverschwender" bezeichnet worden. Als vier Wochen später bekannt wurde, dass er die Gespräche des Treffens aufgezeichnet hatte, hätten dieselben Medien sich nicht etwa bei ihm entschuldigt, sondern ihn einen "Schwindler" genannt, der die Vertraulichkeit der Eurogruppe verraten habe.

Dass er bei der Sitzung der Eurogruppen-Finanzminister Tonaufnahmen gemacht hatte, hatte Varoufakis einer Journalistin der "New York Times" gesagt, die diese Information in einem Artikel erwähnte - so beiläufig wie möglich: In Klammern ließ sie Varoufakis sagen, er habe die Gespräche in der lettischen Hauptstadt aufgezeichnet und könne daher beweisen, dass er nicht beschimpft worden sei.

In seinem Blog räumt Varoufakis noch einmal ein, dass er Aufnahmen vom Eurogruppen-Treffen gemacht hat. Und er hat eine Erklärung: Wenn es keine Tagungsprotokolle gebe, dann nehme er seine Wortmeldungen häufig mit seinem Mobiltelefon auf - vor allem dann, wenn er frei spreche. "Der Grund dafür ist natürlich, dass ich in der Lage sein will, meine Sätze genau wiederzugeben und meinen Ministerpräsidenten, das Kabinett, das Parlament usw. präzise darüber zu informieren, was ich gesagt habe." Das habe er auch in Riga gemacht.

Varoufakis rät zu Skepsis

Außerdem schreibt Varoufakis, das Eurogruppen-Treffen in Riga sei mit Meinungsverschiedenheiten ("disagreement") zu Ende gegangen. Berichte, er sei beschimpft worden, seien jedoch "eine groteske Verdrehung dessen, was gesagt wurde". "Respektierte Journalisten und ehrwürdige Medien" hätten Lügen und Anspielungen verbreitet, sowohl darüber, was seine Kollegen angeblich zu ihm sagten, als auch über seine angeblichen Antworten darauf.

Seinen Gegnern habe er folgendes zu sagen: Nie habe er von Treffen, an denen er teilgenommen habe, Dinge ausgeplaudert. "Tatsächlich hat niemand die Vertraulichkeit dieser Treffen stärker respektiert als ich - selbst während der Tage und Wochen, in denen ich von falschen, persönlichen Angriffen der Medien, in denen es um diese Treffen ging, provoziert wurde."

Den Europäern rät er zu mehr Skepsis, was den Journalismus angeht, "auf den wir uns als Bürger verlassen". Einen ähnlichen Rat hat er mit Blick auf die EU: "Und vielleicht sollten wir europäische Institutionen infrage stellen, in denen stellvertretend für die europäischen Bürger Entscheidungen von monumentaler Bedeutung gefällt werden, in denen Sitzungsprotokolle aber weder geschrieben noch veröffentlicht werden."

Kurz vor Veröffentlichung des Blog-Eintrags hatte Varoufakis der britischen BBC gesagt, sein Land habe enorme Schritte unternommen, um eine Vereinbarung über die dringend benötigten weiteren Hilfen zu erzielen. "Wir sind ihnen drei Viertel des Weges entgegengekommen, sie müssen uns ein Viertel des Weges entgegenkommen."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble machte seinerseits im Deutschlandfunk deutlich, dass er zu Zugeständnissen nicht bereit ist. Griechenland habe "ziemlich viele Anstrengungen vor sich, um das zu erfüllen, wozu es sich verpflichtet hat".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen