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Für Pegida und Co. gehen Tausende auf die Straße - jeden Montag.
Für Pegida und Co. gehen Tausende auf die Straße - jeden Montag.(Foto: AP)

Wer ist schon Lutz Bachmann?: Die düstersten Gestalten der Gida-Demos

Von Issio Ehrich

Lutz Bachmann wirkt wie das geringere Übel. Bei anderen Führungspersonen von Pegida und ihren Ablegern geht es nicht nur um ein paar fremdenfeindliche Witze und Späße in Hitler-Pose.

Es ging um den Ruf von Pegida. Lutz Bachmann, der Gründer der Bewegung, hat seine Führungsrolle aufgegeben - weil ausländerfeindliche Sprüche von ihm an die Öffentlichkeit drangen und dazu Fotos in Hitler-Pose. Doch es braucht keinen Lutz Bachmann, um dem Ruf der Gidas zu schaden. Beim Blick auf die anderen Führungskader der Bewegung wirkt Bachmann wie ein Leisetreter.

NPD-Anwälte und Menschenhändler bei Legida

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Der Kopf von Legida aus Leipzig, Jörg Hoyer, trägt gern einen schwarzen Hut zu einem schwarzen Trenchcoat. Seinen Reden hört man schon an ihrer Rhetorik an, dass er sich viel mit Adolf Hitler und dem "Dritten Reich" beschäftigt. Früher verkaufte der laut "Welt" ständig verschuldete Hoyer NS-Devotionalien, darunter Schuhe aus dem Konzentrationslager Mauthausen. Heute nennt er sich selbst "Sachhistoriker für Militärhistorik und Zeitgeschichte".

Sein Kollege Silvio Rösler war laut "Welt" lange Mitglied der SG-Leipzig-Leutzsch, einem Fußballclub mit vielen rechtsextremen Fans. Angeblich schaffte er Anfang des Jahrtausends auch Frauen aus der Dominikanischen Republik ins deutsche Rotlichtmilieu. Neben dem Gründer Felix Koschkar, einem AfD-Mitglied, dem eine Nähe zur den rechtsextremen "Identitären" nachgesagt wird, gehört unter anderem auch Arndt Hohnstädter zum Führungskader des Leipziger Ablegers. Der Jurist ist Haus und Hofanwalt der rechtsradikalen NPD.

Von Holocaust-Leugnern und Angeklagten im NSU-Prozess

Bei den Gidas scheint es eine Regel zu geben: je kleiner, desto radikaler. Pegida in Dresden bringt mehr als 20.000 Leute auf die Straße. In der Führungsriege sind, zumindest soweit bekannt, schlimmstenfalls Rassisten und Schläger. Legida bringt bis zu 15.000 Leute auf die Straße und das Spitzenpersonal dieses Ablegers hat Verbindungen in die rechtsradikale Szene. Richtig extrem wird es bei den noch kleineren Nachahmern.

Eine Schlüsselfunktion beim Bonner Ableger Bogida hatte die Holocaust-Leugnerin Melanie Dittmer. Wobei Leugnen nicht ganz das treffende Wort ist. Spiegel-TV sagte sie: "Für mich ist es völlig unerheblich, ob es den Holocaust gegeben hat."

Bei vielen Pegida-Verschnitten dominieren Rechtsextreme nicht nur den Vorstand, sondern auch die Demonstrationen. Bei Bragida in Braunschweig etwa verortete die Polizei zwei von drei Teilnehmern in der rechten Szene. Bei Bagida in München reicht die Anhängerschaft womöglich sogar bis in das rechtsterroristische Lager. Gesicht des Ablegers ist laut der "Süddeutschen Zeitung" zwar der Islamhasser Michael Stürzenberger. Auf der Demonstration am 12. Januar war mit André Eminger aber auch ein Angeklagter im NSU-Prozess präsent. Der Neonazi hat dem Terrortrio womöglich beim Untertauchen geholfen. Sicher ist: Aus seiner politischen Gesinnung macht er kein allzu großes Geheimnis. Es ist bekannt, dass seinen Oberkörper ein Tattoo mit dem englischen Spruch "Die Jew die" ziert - "Stirb, Jude, stirb".

Vorbestrafte und Hooligans bei Pegida

Aus gutem Grund distanziert sich das Original aus Dresden von vielen dieser Nachahmer. Ausgerechnet Bagida gehört aber weiterhin zu den offiziellen Ablegern. Auch das Organisationsteam von Pegida besteht nicht nur aus Vorzeige-Bürgern. Das prominenteste Mitglied dürfte spätestens nach ihrem Auftritt in der Sendung von Günther Jauch Katrin Oertel sein. Über ihr Privatleben ist, abgesehen davon, dass sie 37 Jahre alt und Mutter von drei Kindern ist, kaum etwas bekannt. Sich selbst beschreibt sie als "normale Frau aus dem Volk".

Derart unbeschrieben sind aber nicht alle in der Runde. Da ist zum Beispiel der ehemalige CDU-Stadtrat aus Meißen, Thomas Tallacker, der wegen ausländerfeindlicher Parolen von seinem politischen Posten in Meißen zurücktrat. Obendrein ist er wegen Körperverletzung bereits vorbestraft. Siegfried Däbritz war nach Angaben verschiedener Medien und des sächsischen Verfassungsschutzes bei "Hooligans gegen Salafisten" (Hogesa) aktiv. Er sorgte für Aufsehen, als er Muslime "bärtige Ziegenwämser" und "Schluchtenscheißer" nannte.

Quelle: n-tv.de

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