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Bettina Wulff am Montag vor ihrem Haus in Großburgwedel. Christian Wulff ist bereits ausgezogen.
Bettina Wulff am Montag vor ihrem Haus in Großburgwedel. Christian Wulff ist bereits ausgezogen.(Foto: dpa)

Politik und Privatleben: Die inkompatiblen Wulffs

Von Solveig Bach

Ein CDU-Parteifreund aus Niedersachsen glaubt, dass die Ehe der Wulffs an den Belastungen der Kreditaffäre gescheitert ist. Doch der Ex-Bundespräsident und die PR-Beraterin sind wohl eher ihren falschen Erwartungen aufgesessen. Abzusehen war die Trennung schon lange.

Kaum ein Jahr hat es nach dem Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident gedauert, bis auch seine Ehe vorläufig gescheitert ist. Wer wollte, konnte diese Entwicklung bereits am Tag seines Amtsverzichts ahnen. Während Wulff knapp vier Minuten lang noch einmal skizzierte, was er in seiner Präsidentschaft kaum umsetzen konnte, stand seine Ehefrau Bettina beinahe demonstrativ abseits.

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In ihrem im September erschienenen Buch "Jenseits des Protokolls" beschreibt sie den Auftritt, für den sie extra eines ihrer Lieblingskostüme von Rena Lange gewählt hatte. Sie habe, schreibt sie, ganz bewusst ein Stück abseits von ihrem Mann gestanden, "um so zu zeigen: Ich bin eine eigenständige, selbstständige Frau." Die Formulierung seiner Rücktrittsrede habe sie nur noch genervt zur Kenntnis genommen. "Warum konnte er nicht einfach nur sagen: 'Ich trete zurück!', und der Drops war damit gelutscht."

"Ich danke meiner Familie, vor allem danke ich meiner Frau, die ich als eine überzeugende Repräsentantin eines menschlichen und eines modernen Deutschland wahrgenommen habe." Auch das wollte Wulff unbedingt in seiner Rücktrittsrede sagen. "Sie hat mir immer - gerade auch in den vergangenen Monaten - und auch den Kindern starken Rückhalt gegeben." Bettina Wulff mochte davon nichts mehr hören.

Die Frau an seiner Seite

Die Rolle der Politikergattin war ihr längst sauer geworden. Was sie sich möglicherweise an Glanz und Glamour an der Seite ihres wichtigen Ehemannes erträumt hatte, wog offenbar nicht im Ansatz auf, was sie dafür geben musste. Christian Wulff habe ihr und den Kindern ein Leben aufgenötigt, das sie nicht führen wollten. Sie habe zu lange nach den "Terminplänen ihres Mannes gelebt". Schon im Buch liest sich mancher Satz wie eine Abrechnung und lässt ahnen, wie groß die Eheprobleme der Wulffs tatsächlich waren.

"Ich habe Fehler gemacht, aber ich war immer aufrichtig." Diesen Satz fand Christian Wulff in seiner Rücktrittsrede für die gegen ihn erhobenen Vorwürfe um einen günstigen Hauskredit und kostenlose Urlaube bei befreundeten Unternehmern. Unabhängig davon, ob man ihn glaubt, könnte er wohl auch für seine Ehe stimmen.  Wulff war Ministerpräsident von Niedersachsen, als er seine Noch-Ehefrau kennenlernte, ein Vollzeitpolitiker, der im Familienleben mit seiner ersten Ehefrau und der gemeinsamen Tochter eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte.

Nur weil Wulff frisch verliebt war, ändern sich die Regeln des politischen Geschäfts nicht. Bettina Wulff musste wissen, auf welche Belastungen sie sich einließ, als sie ihrem Mann riet, als Bundespräsident zu kandidieren. Dass seine Zeit, sich um ihre Gefühle zu kümmern, begrenzt sein würde, war absehbar. Ihm das später vorzuwerfen, hat zumindest einen Beigeschmack. Dennoch hat das Ehepaar Wulff für den kurzen Ausflug nach Berlin einen hohen Preis gezahlt. Daran konnten auch therapeutische Gespräche nach ihrer Rückkehr nach Großburgwedel nichts mehr ändern.

Verschiedene Leben

Vielleicht hat Christian Wulff die Ansprüche, die seine junge Frau an ihn und das gemeinsame Familienleben stellte, einfach nicht erfüllen können. Auch wenn er es versucht hat: das Haus in ihrem Heimatort Großburgwedel, das er sich eigentlich nicht leisten konnte, die mondänen Urlaube, für die er sich nun rechtfertigen muss, die Rolle der First Lady, Reisen in alle Welt und Gespräche mit Präsidenten und gekrönten Häuptern.

Nach dem Abschied aus dem Schloss Bellevue wurden die verschiedenen Lebensprioritäten der beiden Ehepartner jedenfalls überdeutlich. Während sich Bettina Wulff engagiert um ihre berufliche Zukunft kümmerte und die wiedergewonnene Freiheit in vollen Zügen genoss, sammelte sich Christian Wulff im Kloster und verlor sichtbar an Gewicht. Bettina Wulff wird in diesem Jahr 40 Jahre alt, ihre Kinder sind – wie man so schön sagt – aus dem Gröbsten raus. Da entsteht wieder Raum für ein eigenes Leben, das sie in vollen Zügen genießen will.

Christian Wulff mag sich damals in genau diese Lebensfreude verliebt haben. Aber er selbst ist kein anderer geworden. Der 53-Jährige hat als Ex-Bundespräsident ein sicheres Auskommen, als Politiker spielt er keine Rolle mehr. In seinem Bundesland ist Wahlkampf und niemand vermisst ihn. Es heißt, er sei in eine Mietwohnung in Hannover gezogen. Das ist keine Schande, und er wird sich deshalb auch nicht mit beengten Räumen zufriedengeben müssen.  Er hatte sich sein Leben nur anders vorgestellt. Für ihn muss der Fall tief sein.

Da wird es ihn nur wenig trösten, dass Bettina Wulff im Umgang mit ihren Ex-Partnern bisher Fairness und Respekt an den Tag legte. Auch dass eine Trennungsvereinbarung noch keine Scheidung ist, mag ihn noch hoffen lassen.  Aber hätte man Wulff vor sechs Jahren gesagt, wie sein Leben an der Seite von Bettina Körner verlaufen würde, vielleicht hätte er sich anders entschieden.

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Quelle: n-tv.de

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