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Wer regiert Deutschland?: Diese Koalitionen kann es geben

Von Christian Rothenberg

Über 60 Millionen Deutsche wählen heute den neuen Bundestag. Welche Koalition die Republik in den kommenden vier Jahren regiert, liegt nur teilweise in der Händen der Wähler.

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Wenn am Wahlsonntag 61,8 Millionen Deutsche den 18. Bundestag wählen dürfen, stehen insgesamt 34 Parteien mit fast 4500 Kandidaten zur Wahl. Und es wird ganz eng. Die letzte Forsa-Umfrage verspricht ein spannendes Rennen. Denn beide Lager, Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün, liegen jeweils bei 45 Prozent.

Für eine rot-grüne Koalition und einen Kanzler Peer Steinbrück wird es am Ende wohl nicht reichen. Amtsinhaberin Angela Merkel kann also auf vier weitere Jahre hoffen. Die spannende Frage ist nur: mit wem? n-tv.de hat die denkbaren Koalitionen zusammengestellt und auf ihre Wahrscheinlichkeit hin überprüft.

Schwarz-Gelb

Friedrich, Westerwelle, Rösler, Merkel - die Fortsetzung von Schwarz-Gelb steht auf der Kippe.
Friedrich, Westerwelle, Rösler, Merkel - die Fortsetzung von Schwarz-Gelb steht auf der Kippe.(Foto: imago stock&people)

Vier weitere Jahre Schwarz-Gelb - die Chancen für die Neuauflage stehen nicht schlecht. Zwar zittern die Liberalen noch um ihren Wiedereinzug in den Bundestag. Wahrscheinlich ist aber, dass der FDP auch infolge ihrer offensiven Zweitstimmenkampagne erneut der Sprung ins Parlament gelingt. Zu Lasten des bürgerlichen Lagers dürften diese Verschiebungen dabei kaum gehen. Wie viel Prozent der Stimmen Schwarz-Gelb zum Regieren reicht, hängt auch vom Abschneiden von AfD und Piraten ab. Bleiben beide draußen, wie das derzeit alle großen Umfrageinstitute prophezeien, genügen möglicherweise schon 45 Prozent. Andernfalls bräuchte man wohl 48 Prozent. Sicher ist: Gibt es eine Mehrheit, würde die Kanzlerin weiterhin mit den Liberalen regieren.

Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent

Große Koalition

Notfalls eben mit Plan B: die Kanzlerin mit SPD-Chef Gabriel.
Notfalls eben mit Plan B: die Kanzlerin mit SPD-Chef Gabriel.(Foto: imago stock&people)

Ein Bündnis von CDU und SPD ist rechnerisch auf jeden Fall möglich. Eine Große Koalition könnte im Bundestag mit einer breiten Mehrheit regieren. Und doch ist diese Variante für beide Parteien bestenfalls Plan B. Nötig werden könnte sie trotzdem, wenn die FDP aus dem Bundestag fliegt oder die AfD die Fünf-Prozent-Hürde übertrifft. Merkel und die Union würden eine Große Koalition wohl wieder eingehen. Die Sozialdemokraten haben hingegen schlechte Erinnerungen an Schwarz-Rot. 2009 stürzten sie nach vier Jahren als Juniorpartner auf 23 Prozent ab, ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Auch wenn Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in dieser Koalition keine Rolle mehr spielen würde: Voraussichtlich wären die Genossen aber auch diesmal wieder dabei. Thematisch gibt es Differenzen, die die Kanzlerin mit Zugeständnissen an die SPD ausgleichen müsste.

Wahrscheinlichkeit: 35 Prozent

Schwarz-Grün

Man versteht sich ganz gut: Grünen-Spitzenkandidat Trittin mit Arbeitsministerin von der Leyen.
Man versteht sich ganz gut: Grünen-Spitzenkandidat Trittin mit Arbeitsministerin von der Leyen.(Foto: imago stock&people)

Ein Bündnis zwischen CDU und Grünen gab es im Bund noch nie. Hat Merkel die Wahl, würde sie sich wohl eher für die Große Koalition entscheiden. Vor allem in der CSU gibt es große Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit den Grünen. Eine Mehrheit dürften die beiden Parteien am Wahlsonntag zwar haben, aber ob die Kanzlerin das schwarz-grüne Experiment wagt, ist wenig wahrscheinlich.

Wahrscheinlichkeit: 15 Prozent

Rot-Rot-Grün

Als "ein" Lager führen die Meinungsforscher die drei Parteien seit Wochen. Doch SPD und Grüne schließen ein sogenanntes Linksbündnis seit Monaten aus. Ob man im Fall der Fälle verhandeln würde, ist fraglich. Bei einem Patt wären die Große Koalition oder Schwarz-Grün sicherlich wesentlich realistischer. Inhaltlich gibt es eine Reihe von Übereinstimmungen zwischen Roten, Grünen und Dunkelroten. Aber insgesamt dürften die Vorbehalte in diesem Jahr noch zu groß sein. Sowohl gegenüber einer gemeinsamen Koalition, als auch einer Tolerierung durch die Linken.

Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent

Ampel

Wie Rot-Rot-Grün hätte eine Ampel für die SPD ein Gutes: Sie könnte doch noch den Bundeskanzler stellen.  Trotzdem ist die Premiere von Rot-Gelb-Grün kaum denkbar. Vor allem in der Steuerpolitik widersprechen sich die Vorstellungen der Parteien fundamental. Sozialdemokraten und Grüne wollen die Steuern für Besserverdienende erhöhen, die FDP hat genau gegen diese Pläne Wahlkampf gemacht. Kommt es am Wahlabend zu einem Patt, sind wohl alle anderen genannten Szenarien realistischer - schon weil es rein rechnerisch kaum für die Ampel reichen dürfte.

Wahrscheinlichkeit: 4 Prozent

Rot-Grün

Für Sozialdemokraten und Grüne war es das oberste Wahlziel, die schwarz-gelbe Koalition gemeinsam abzulösen. Doch das Wunschbündnis hat keine Perspektive mehr. Zwar konnte die SPD zuletzt ordentlich zulegen, doch dies gelang fast ausschließlich auf Kosten der Grünen. In allen Umfragen liegt Rot-Grün unterhalb von 40 Prozent. Dass sich das so schnell ändert, ist undenkbar.

Wahrscheinlichkeit: 1 Prozent

Quelle: n-tv.de

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