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In einer Bonner Grundschule gehört der islamische Religionsunterricht seit 2012 zum Alltag.
In einer Bonner Grundschule gehört der islamische Religionsunterricht seit 2012 zum Alltag.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 05. September 2016

NRW beendet Kooperation: Ditib stolpert über Märtyrer-Comic

Wegen eines Comics, das den Märtyrer-Tod verherrlicht, beendet Nordrhein-Westfalen die Zusammenarbeit mit dem türkischen Moscheenverband Ditib. Dieser war lange Zeit Ansprechpartner in Sachen Islamunterricht - und wird aus der Türkei finanziert.

NRW-Innenminister Ralf Jäger hat die Kooperation mit dem größten Islam-Dachverband in Deutschland, Ditib, beendet. Das Innenministerium habe dies bereits im Juni beschlossen, bestätigte ein Ministeriumssprecher nach gleichlautenden Berichten des "Kölner Stadt-Anzeigers" und der "Rheinischen Post". Die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) war in Köln Träger des NRW-Präventionsprogramms "Wegweiser", mit dem Jugendliche vor dem Abdriften in den gewaltbereiten Salafismus geschützt werden sollen. Zugleich ist sie Ansprechpartner für mehrere Bundesländer beim islamischen Religionsunterricht.

NRW-Innenminister Ralf Jäger.
NRW-Innenminister Ralf Jäger.(Foto: dpa)

Der Kündigung vorausgegangen war laut "Rheinischer Post" eine Affäre um einen Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet, in dem der Märtyrer-Tod verherrlicht wird. Ditib untersteht dieser Behörde. In einer vom NRW-Innenministerium angeforderten Stellungnahme des Verbands habe es an der "notwendigen klaren Neutralität und ausreichenden Distanz" zum Thema Märtyrer-Tod gefehlt, zitierte das Blatt aus der Antwort Jägers auf eine noch unveröffentlichte Kleine Anfrage der CDU.

Kritiker werfen Ditib vor, sie werde aus Ankara gesteuert und sei der verlängerte Arm des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der seit dem gescheiterten Putschversuch vom Juli massiv gegen mutmaßliche Verschwörer vorgeht. Zuletzt hatten deshalb mehrere Bundesländer die Kooperation mit der vom türkischen Staat finanzierten Organisation infrage gestellt. Ditib selbst hatte sich allerdings immer wieder gegen Vorwürfe fehlender Neutralität gewehrt.

Imame sprechen oft kein Deutsch

Erst Mitte August hatte Ditib-Sprecher Zekeriya Altug angekündigt, der Verband wolle sich langfristig unabhängig von der Türkei machen. Bisher entsendet Diyanet ihre Imame für bis zu fünf Jahre in deutsche Ditib-Gemeinden. Diese sprechen meist kaum Deutsch. Laut Altug "sollen und werden" die Imame in den mehr als 900 Ditib-Gemeinden künftig in Deutschland beheimatet sein und die deutsche Sprache als Muttersprache beherrschen.

Die Ditib fördert seit zehn Jahren ein Ausbildungsprogramm in der Türkei, das bisher etwa 150 Absolventen hervorgebracht hat, von denen 60 als Ditib-Imame tätig sind. Die Azubis müssen deutsche Staatsangehörige sein. Altug sagte, er gehe davon aus, "dass in zehn Jahren mindestens die Hälfte unserer Imame in Deutschland sozialisiert sein wird".

Quelle: n-tv.de

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