Politik

Insgesamt weniger Sprengköpfe dank StartDrei Atommächte rüsten auf

03.06.2013, 07:41 Uhr
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Russische Atomrakete vom Typ Topol-M: Moskau hat die Zahl der Sprengköpfe reduziert. (Foto: dpa)

Die Friedensforscher von Sipri kommen in ihrem neuen Jahrbuch zu einem ambivalenten Ergebnis: Die Zahl der Atomsprengköpfe auf der Welt nimmt einerseits deutlich ab. Grund ist die Abrüstungspolitik, die Russland und die USA betreiben. Andere Staaten rüsten dagegen weiter auf: In China, Indien und Pakistan nimmt die Zahl der Nuklearwaffen zu.

Im Gegensatz zu den meisten Atommächten haben China, Indien und Pakistan nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri ihre Arsenale weiter aufgestockt. China verfüge über nunmehr 250 Atomsprengköpfe, Pakistan über 100 bis 120 und Indien über 90 bis 110, heißt es in dem Bericht des Instituts. Das seien jeweils zehn Sprengköpfe mehr als noch im Jahr 2012.

Angesichts des "fragilen" Friedens in Asien sei dies eine beunruhigende Entwicklung, schreibt das Institut. Als Beispiele nannte der Bericht die "seit 2008 zunehmenden Spannungen" zwischen Indien und Pakistan, zwischen Nord- und Südkorea sowie zwischen China und Japan.

Insgesamt ist die Zahl der Atomsprengköpfe auf der Welt zurückgegangen. Gab es 2012 noch 19.000, so betrug die Zahl im laufenden Jahr nur noch 17.265. Die Atommächte Russland und USA als Unterzeichner des Start-Abkommens zur Verringerung des Atomwaffenbestands reduzierten den Angaben zufolge ihr Arsenal. Russland verfügt demnach aktuell über 8500 Atomsprengköpfe, in den USA sind es 7700. Mit 300 Sprengköpfen in Frankreich, 225 in Großbritannien und 80 in Israel blieben die Arsenale in diesen Ländern laut Sipri stabil.

Weniger Bewegung bei B- und C-Waffen

Das Stockholmer Institut räumte ein, dass die Zahlen nur mehr oder weniger verlässlich seien, da China keine Angaben zu seinem Arsenal mache und es auch Russland zunehmend an Transparenz fehlen lasse. Nordkorea und der Iran verfügen nach Einschätzung von Sipri bislang nicht über Atomwaffen.

Besorgt sind die Friedensforscher darüber, dass die Atommächte eine hohe Zahl ihrer Nuklearwaffen in hoher Bereitschaftsstufe halten. Knapp 2000 Sprengköpfe sind quasi ständig einsatzbereit. Der zuständige Sipri-Experte Shannon Kile meinte: "Es hat weiter wenig Anlass zu der Hoffnung gegeben, dass die Atomwaffen-Staaten wirklich bereit wären, ihre nuklearen Arsenale aufzugeben."

Bei den Bio- und Chemiewaffen verläuft die Reduzierung der Bestände laut Sipri nur schleppend. Entgegen ihrer Zusagen hätten die USA und Russland bislang nicht all ihre Chemiewaffen zerstört, und Syrien habe sogar mit einem Einsatz im Falle eines Angriffs von außen gedroht.

Im vergangenen Jahr nahm der Sipri-Statistik zufolge die Zahl der bei Friedensmissionen aktiven Soldaten um mehr als zehn Prozent ab. Dies sei vor allem auf den Truppenabzug aus Afghanistan zurückzuführen. Hingegen könnte die Zahl der Soldaten bei Friedensmissionen in Gebieten wie Mali und der Sahelzone steigen, möglicherweise könnte es zudem zu einem Einsatz in Syrien kommen, schreibt Sipri weiter. In den vergangenen Jahren hat sich laut dem Institut die Zahl von Konflikten mit Einbindung verschiedener Staaten erhöht. Die Internationalisierung von Konflikten berge die Gefahr, dass sie sich in die Länge zögen.

Sipri ist eine Denkfabrik, die auf die Erforschung von Konflikten, Waffenkontrolle und Abrüstung spezialisiert ist. Das Institut wurde 1966 gegründet und wird zur Hälfte vom schwedischen Staat finanziert.

Quelle: ntv.de, AFP

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