Politik
Der Frühling naht. Da kann man schon mal mit einem Laptop in einem Café am Wasser sitzen.
Der Frühling naht. Da kann man schon mal mit einem Laptop in einem Café am Wasser sitzen.(Foto: dpa)

Abschied vom Acht-Stunden-Tag: Dürfen bald alle ihre Arbeitszeit wählen?

Die Wirtschaft ist unzufrieden mit dem Arbeitszeitgesetz. Sie hält es für zu starr. Bei Ministerin Nahles pocht sie auf mehr Flexibilität und stößt auf offene Ohren. Die Opposition hat andere Vorstellungen und warnt vor einer Selbstausbeutung der Arbeitnehmer.

Zwei Drittel aller Beschäftigten in Deutschland haben mittlerweile einen digitalisierten Arbeitsplatz. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, ist deshalb überzeugt, dass es eine Neuregelung der Arbeitszeiten geben sollte. "Es sollte zum Beispiel möglich sein, auch einmal über zehn Stunden hinaus zu arbeiten und den Ausgleich hierfür an anderen Tagen zu nehmen", sagte er.

Video

Mit dieser Forderung stößt er bei Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles auf Zustimmung. "Wenn Unternehmen Flexibilität einfordern, müssen sie diese auch möglich machen. Wir müssen weg von der reinen Anwesenheits-Kultur, hin zu mehr Homeoffice und anderen flexiblen Möglichkeiten kommen", sagte die SPD-Politikerin der "Süddeutschen Zeitung". Dies müsse aber ein faires Geschäft sein. "Für mich ist klar, dass es mehr Flexibilität nur gegen mehr Sicherheit geben kann", sagte Nahles mit Blick auf Kramers Forderungen.

Kramer geht es dabei um das Arbeitszeitgesetz. Es schreibt den Acht-Stunden-Tag vor, lässt aber schon jetzt viele Ausnahmen zu. Der Arbeitgeberpräsident fordert stattdessen, das Arbeitszeitrecht von einer Tageshöchstarbeit auf eine Wochenarbeitszeit umzustellen. "Es geht nicht darum, die Arbeitszeiten pauschal zu verlängern, sondern flexibler auf die Wochentage verteilen zu können", sagt er.

Arbeitnehmer brauchen Sicherheit

Die Ministerin sagte, nötig seien Vereinbarungen, "die Arbeitnehmer die Sicherheit geben, im Verlaufe eines Erwerbslebens das Beste für ihr Unternehmen leisten zu können und trotzdem genug Zeit für Familie zu haben".

Es gibt aber auch warnende Stimmen seitens der Opposition: Grünen-Expertin Katja Dörner sagte: "Die Burnout-Gesellschaft kann niemand wollen, deshalb ist es dringend nötig, umzusteuern. Wir brauchen ein Recht auf eine flexible Vollzeit im Rahmen von 30 bis 40 Wochenstunden." Der Parteichef der Linken, Bernd Riexinger, warnte vor einer "Flexibilisierung der Arbeitszeit auf Kosten der Beschäftigten". Es sei "lange genug nur in eine Richtung flexibilisiert worden, und immer mehr Menschen leiden unter der Entgrenzung ihrer Arbeitszeit".

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verlangte ein "Recht auf Logoff". "Jeder muss die Möglichkeit haben, sich aus der Arbeit auch wirklich in Freizeit auszuklinken", sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Nötig seien auch bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten. Beschäftigte bräuchten einen rechtlichen Anspruch, mitzubestimmen, wie die Arbeitszeit liegt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen