Politik

Im Schatten des "Fall-Kurras": Dutschke-Attentat neu bewerten

Das Attentat auf den Studenten-Wortführer Rudi Dutschke am 11. April 1968 sollte nach Ansicht seines Sohnes Marek neu untersucht werden. Das gelte auch mit Blick auf mögliche Geheimdienst-Verwicklungen oder Stasi-Verstrickungen, sagte Marek Dutschke.

marek.jpgDer Fall Kurras hatte in den vergangenen Tagen die Debatte über das Dutschke-Attentat wieder angefacht. Der Ex-Polizist Karl-Heinz Kurras hatte 1967 in West-Berlin den Studenten Benno Ohnesorg erschossen. Jetzt stellte sich heraus, dass Kurras SED-Mitglied und Stasi- Spitzel war.

Auch Rudi Dutschkes Witwe spricht von Ungereimtheiten. Der Attentäter Josef Bachmann, der später in der Haft Selbstmord beging, habe zwar selbst nie irgendwelche Hinweise auf Geheimdienst-Einflüsse gegeben. Andererseits habe Bachmann auch nie gesagt, woher er seine Waffe oder welche Unterstützung er hatte, sagte Gretchen Dutschke der dpa. Rudi Dutschke war 1979 an den Spätfolgen des Attentats gestorben.

rudi.jpgIhr Mann sei außer im Westen auch von einem osteuropäischen Geheimdienst aus Bulgarien oder Rumänien beobachtet worden, es habe sogar einmal "unerfreuliche Kontakte" bis hin zu Bedrohungen gegeben. Die damalige Studentenbewegung sei beiden Seiten in Ost und West "ein Dorn im Auge" gewesen. In späteren Jahren habe Rudi immer mehr Hinweise darauf gehabt, dass auch die Stasi ihn im Visier hatte, erinnert sich seine Witwe.

Neuer Ärger für Kurras

Derweil drohen Kurras neue Ermittlungen. Die Karlsruher Bundesanwaltschaft will die Stasi-Unterlagen über den inzwischen pensionierten Polizisten prüfen, sagte ein Sprecher. Unterdessen sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür aus, die Pension als Stasi-Mitarbeiter enttarnten Kurras zu kürzen. Dies wäre "nur recht und billig", sagte Merkel dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Fall Ohnesorg entfacht neue Stasi-DebatteMerkel sagte, solche nachträglichen Kürzungen habe es auch schon in anderen Fällen gegeben. Darüber müsse auf Grundlage des Berliner Beamtenrechts entschieden werden. Das Berliner Landesverwaltungsamt prüft seit einigen Tagen die Pensionsansprüche des 81-Jährigen.

Kurras soll nicht mehr mitschießen

Der Polizei-Sport-Verein Berlin will unterdessen Kurras ausschließen. Die Schießsportabteilung habe den Ausschluss beantragt, sagte PSV-Präsident Jörg Manske in Berlin. Kurras ist seit Jahrzehnten Mitglied. Er war nach den Worten Manskes in den letzten Jahren aber nicht mehr sehr aktiv. Kurras galt seit jungen Jahren als vom Schießen besessen.

Quelle: n-tv.de

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