Politik
In Tripolis gehen die Anhänger Gaddafis auf die Straße.
In Tripolis gehen die Anhänger Gaddafis auf die Straße.(Foto: AP)
Samstag, 19. Februar 2011

Libyen schaltet Internet ab: Dutzende Demonstranten getötet

Libyens Staatschef Gaddafi greift brutal durch. Dutzende Demonstranten werden offenbar bei Protesten gegen das Regime getötet. Und um weitere Versammlungen der Opposition zu vermeiden, stellt das Regime gleich das Internet ab.

Mindestens 84 Menschen sollen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bei den Protesten gegen das Regime des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi von Sicherheitskräften getötet worden sein. Wie die Organisation mitteilte, basiere diese Zahl auf Telefoninterviews mit örtlichen Krankenhäusern und Augenzeugen.

Auch in London demonstrieren Menschen gegen Gaddafi.
Auch in London demonstrieren Menschen gegen Gaddafi.(Foto: REUTERS)

Human Rights Watch forderte die Regierung in Tripolis auf, die Angriffe auf friedliche Demonstranten sofort einzustellen und die Demonstranten vor gewalttätigen Übergriffen von bewaffneten Regierungsanhängern zu schützen. Der stellvertretende Direktor der Organisation für den Nahen Osten und Nordafrika, Joe Stork, sagte die Sicherheitskräfte Gaddafis feuerten auf libysche Bürger und töteten zahlreiche von ihnen, nur weil sie einen politischen Wandel verlangten.

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International geht von Dutzenden Toten im ganzen Land aus. "Der alarmierende Anstieg der Totenzahl und die gemeldete Art der Verletzungen deuten stark daraufhin, dass den Sicherheitskräften der Einsatz tödlicher Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten, die einen politischen Wandel fordern, erlaubt wurde", sagte der für den Nahen Osten und Nordafrika zuständige Amnesty-Direktor, Malcolm Smart. Die meisten Opfer in Benghasi sollen Schusswunden am Kopf, am Hals und an der Brust erlitten haben.

Internet abgeschaltet

Inzwischen stellte Libyen das Internet ab. Die auf die Überwachung des Internetverkehrs spezialisierte US-Organisation Arbor Networks teilte mit, Libyen habe das Internet am Samstag um 1.15 MEZ "abrupt abgeschaltet". Bereits zuvor waren die Verbindungen stark verlangsamt. Internetnutzer klagten am frühen Freitagabend, dass die Seite des Internet-Netzwerks Facebook überhaupt nicht mehr erreichbar sei. Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira berichtet, dass sein Satellitensignal in Libyen auf mehreren Frequenzen blockiert worden sei, ebenso der Zugang zu seiner Internet-Seite.

Der Machthaber ließ sich von seiner Gefolgschaft feiern.
Der Machthaber ließ sich von seiner Gefolgschaft feiern.(Foto: dpa)

In Libyen hatten Oppositionsgruppen über das Internet für Donnerstag aus Protest gegen die Regierung des seit 1969 autoritär herrschenden Staatsführer Muammar Gaddafi zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Gewalt gegen die Demonstranten. Zugleich rief er Libyen ebenso wie die ebenfalls von Unruhen erschütterten Staaten Bahrain und Jemen zur Zurückhaltung auf. Die Rechte der Völker müssten respektiert werden, meinte Obama in einer schriftlichen Erklärung.

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Quelle: n-tv.de

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