Politik

Stammeszwist in Kenia: Dutzende Menschen sterben

Massaker in einem Dorf im afrikanischen Kenia: Milizen des Stammes der Pokomo attackieren ein von Orma bewohntes Dorf. Insgesamt kommen 45 Menschen, darunter 14 Angreifer ums Leben. Kenia steht kurz vor Präsidenten- und Parlamentswahlen. Die Lage in Teilen des Landes ist explosiv.

Dorfbewohner und Polizisten vor getöteten Pokomo-Angreifern.
Dorfbewohner und Polizisten vor getöteten Pokomo-Angreifern.(Foto: AP)

Bei dem Überfall auf ein Dorf im Südosten Kenias sind nach jüngsten Angaben 45 Menschen getötet worden. 14 Angreifer seien unter den Toten, teilte die örtliche Polizei mit. Unter den getöteten Dorfbewohnern befanden sich demnach zehn Männer, fünf Frauen und 16 Kinder. Laut Polizeiangaben wurden die Leichen von neun getöteten Angreifern verbrannt.

Offizielle Erklärungen für den Hintergrund der Bluttat gab es nicht. Die Einwohner des betroffenen Dorfes Kipao gehören nach Aussage des örtlichen Polizeichefs Aggrey Adoli zur Volksgruppe der Orma, bei den Angreifern habe es sich um Milizen des Pokomo-Stamms gehandelt.

Die kenianische Polizei nahm im Zusammenhang mit den Unruhen rund 65 Verdächtige fest. In einem Dorf seien ein Maschinengewehr, Munition und mehrere Speere beschlagnahmt worden, berichtete die Zeitung "The Standard".

Im Spätsommer war ein Konflikt zwischen den vorwiegend Landwirtschaft betreibenden Orma und dem Hirtenvolk der Pokomo eskaliert. Mehr als hundert Menschen wurden bis Mitte September getötet, seitdem ließ die Gewalt nach.

Spannungen vor den Wahlen

Das Wiederaufflammen des Konflikts könnte aber auch mit einer Entwaffnungskampagne der Behörden zusammenhängen. In den letzten zwei Tagen habe es Spannungen gegeben, weil manche das Gefühl gehabt hätten, die Regierung bevorteile die jeweils andere Volksgruppe, hieß es.

Auch die im März anstehenden Wahlen in Kenia, bei denen über das Parlament und den Präsidenten abgestimmt wird, könnten Auslöser der Bluttat gewesen sein. Da die Wähler in Kenia meist entsprechend ihrer ethnischen Zugehörigkeit wählen, könnte eine Massenvertreibung aus der Region auch die Wahlergebnisse beeinflussen.

Die US-Regierung forderte ein "Ende der Spirale der Gewalt". Präsidentensprecher Jay Carney sagte in Washington, die Regierung in Nairobi, die kenianische Polizei und die Verantwortlichen der Volksgruppen der Orma und Pokomo müssten ihre Anstrengungen verstärken, einen "dauerhaften Frieden" zwischen den Volksgruppen zu ermöglichen und nach solchen Gewalttaten die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Quelle: n-tv.de

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