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Das von den Bomben getroffene Krankenhaus liegt in Trümmern.
Das von den Bomben getroffene Krankenhaus liegt in Trümmern.(Foto: dpa)

Luftangriffe in Syrien: Dutzende Tote bei Klinik-Bombardements

Zwei Kliniken und eine Schule - bei Luftangriffen in Syrien auf öffentliche Einrichtungen sterben fast 50 Menschen. Unklar ist, wer verantwortlich ist. Bundeskanzlerin Merkel fordert angesichts der Lage in Syrien teilweise eine Flugverbotszone.

Bei verheerenden Luftangriffen auf Krankenhäuser und eine Schule sind im Norden Syriens in den Provinzen Idlib und Aleppo sind nach Angaben der Vereinten Nationen fast 50 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Menschen seien verletzt worden, als mindestens fünf medizinische Einrichtungen und zwei Schulen in Aleppo und Idlib getroffen worden seien. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteile die Angriffe als "eklatante Verstöße gegen internationales Recht". Ärzte ohne Grenzen (MSF) sprach von einem anscheinend "gezielten Angriff" auf eine von der Hilfsorganisation unterstützte Klinik.

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Unklar ist, wer für die Angriffe verantwortlich ist. Menschenrechtsbeobachter gehen davon aus, dass die Bombardements von russischer Seite ausgeführt wurden. Die syrische Führung hingegen hat die US-geführte Koalition für die tödlichen Angriffe verantwortlich gemacht. US-Kampfflugzeuge hätten eine Klinik zerstört, sagte der syrische Botschafter in Moskau, Riad Haddad. Die Militäraufklärung habe ergeben, dass die russische Luftwaffe damit nichts zu tun habe, sagte er demnach.

In der Nähe der türkisch-syrischen Grenze kamen mindestens zehn Zivilisten ums Leben, als Raketen in der Nähe einer weiteren Klinik und in eine Schule einschlugen. Die Klinik in der Grenzstadt Asas wurde den Menschenrechtlern zufolge jedoch nicht direkt getroffen. Mehr als 30 Verletzte wurden in das staatliche Krankenhaus der türkischen Grenzstadt Kilis gebracht, wie die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete. Die meisten Verwundete seien Kinder.

Merkel fordert Flugverbotszone

Russland wird seit dem Start seiner Luftangriffe auf Rebellen in Syrien immer wieder beschuldigt, auch Zivilisten zu treffen. Im Oktober hatte Moskau dementiert, für die Attacke eines Krankenhauses in Idlib mit 13 Toten verantwortlich zu sein. Seit Anfang des Monats ebnen massive Luftschläge Russlands vor allem Regimetruppen, aber auch kurdischen Einheiten den Vormarsch nördlich der umkämpften Großstadt Aleppo.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu warnte unterdessen die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG). Wenn sich diese nicht von einem strategischen wichtigen Luftwaffenstützpunkt in dem Gebiet zurückzögen, werde dieser zerstört. Auch werde die Türkei nicht zulassen, dass kurdische Milizen bei Asas oder westlich des Flusses Euphrat vorrückten. Nahe der Grenze zur Türkei waren die YPG und arabische Verbündete zuletzt gegen islamistische Rebellen vorgerückt. Die türkische Armee beschoss erneut YPG-Stellungen nahe Asas. Nach Angaben der Menschenrechtler starben dabei ebenfalls zwei Kinder.

Bundesaußenminister Steinmeier warf Russland, der Türkei und den kurdischen Milizen eine Verletzung der Münchner Vereinbarungen zum Syrien-Konflikt vor. Als Teil der Absprachen seien alle Seiten aufgerufen, noch vor Eintritt der vereinbarten Waffenruhe zu einer sofortigen Reduzierung der Gewalt beizutragen, ließ er am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel mitteilen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich angesichts der aktuellen Lage für eine Flugverbotszone über Syrien aus. "In der jetzigen Situation wäre es hilfreich, wenn es dort ein Gebiet gäbe, auf das keine der Kriegsparteien Angriffe fliegt - also eine Art Flugverbotszone", sagte Merkel der "Stuttgarter Zeitung". "Wenn es gelänge, zwischen der Anti-Assad-Koalition und den Assad-Unterstützern eine solche Vereinbarung zu treffen, wäre das hilfreich." Mit IS-Terroristen seien aber keine Verhandlungen möglich. Bisher hatte die Bundesregierung von der Türkei geforderte Schutzzonen für Flüchtlinge in Syrien abgelehnt. Die Kanzlerin warf Russland vor, mit den Luftangriffen auf die Region um Aleppo die Lage noch komplizierter zu machen.

Quelle: n-tv.de

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