Gefährliches SpielzeugEU-Grenzwerte zu niedrig
Kurz vor Weihnachten geht jede Menge Spielzeug über die Ladentische, doch in vielen Kinderspielzeugen sind gefährliche Stoffe enthalten und das auch noch ganz legal.
Die seit einem Jahr geltende Spielzeugrichtlinie der EU ist nach Ansicht von Experten längst nicht ausreichend. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will nun schärfere Regeln für Spielzeug erreichen und schließt dabei auch einen deutschen Alleingang nicht aus. "Sollte sich die EU bei der Spielzeugrichtlinie nicht bald bewegen, werde ich mit meinen Ressortkollegen mögliche nationale Schutzmaßnahmen prüfen", sagte Aigner in Berlin.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte vor Gesundheitsrisiken durch krebserregende Chemikalien in Kinderspielzeug gewarnt. Die EU-Spielzeugrichtlinie lasse eine bis zu 1000 Mal höhere Konzentration der sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) zu als in Autoreifen, sagte BfR-Sprecher Jürgen Thier-Kundke.
Steigende Krebszahlen
Die derzeit gültigen Grenzwerte schützten die Gesundheit von Kindern zu wenig. Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Krebserkrankungen bei Kindern sei es dringend geboten, Kinder vor den gefährlichen Weichmachern zu schützen. Seit 1980 haben sich Krebserkrankungen von Kindern um 50 Prozent erhöht.
Gerade über Spielzeug kämen Kinder besonders häufig in Kontakt mit den gefährlichen Kohlenwasserstoffen, erklärte das BfR. Die Forscher forderten deshalb von der EU, für Spielzeug die gleichen Schadstoff-Vorschriften gelten zu lassen wie auch für Lebensmittel.
Nationaler Alleingang schwierig
Die Bundesregierung räumt in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen ein, dass ein nationales Verbot von möglicherweise krebserregenden Stoffen schwierig sei. Die Festlegung von Grenzwerten sei oft nicht möglich, zitiert der Bundestags-Pressedienst daraus. Durch Stichproben ließen sich zudem nur punktuell unsichere Produkte aufspüren und vom Markt nehmen.
Aigner kritisierte, sie habe EU-Industriekommissar Günter Verheugen mehrfach zur Verschärfung der Grenzwerte aufgefordert. "Die EU-Spielzeugrichtlinie muss dringend nachgebessert werden." Die Bewertungen des Bundesinstituts bestätigten ihre Besorgnis. Deutschland werde zunächst in einem Ausschuss für die Sicherheit von Spielzeug auf EU-Ebene auf schärfere Grenzwerte dringen. Die SPD- Bundestagsfraktion warf Union und FDP vor, sie hätten in Brüssel ein höheres Sicherheitsniveau durch verpflichtende Prüfungen unabhängiger Stellen verhindert.
Bereits im September hatte die Verbraucherministerin eine Nachbesserung der EU-Spielzeugrichtlinie gefordert. Am vergangenen Wochenende kündigte sie an, dass ein nationales Importverbot für riskantes Spielzeug geprüft werden soll. "Wir dürfen nicht zulassen, dass für Exporte in europäische Staaten niedrigere Standards gelten als für Exporte etwa in die USA", sagte Aigner.
Einfache Regeln
Das Bundesinstitut machte keine Angaben zu Herstellern oder Produkten mit besonders hohem Anteil an krebserregenden Stoffen. Vor allem Billigprodukte wiesen höhere Werte auf, sagte eine Sprecherin jedoch auf Anfrage. Namhafte Spielwaren-Hersteller achteten häufiger auf den Gesundheitsschutz. Verbraucher sollten zudem auf das Gütesiegel "GS - geprüfte Sicherheit" achten. Sei ein stechender Geruch festzustellen, solle vom Kauf besser abgesehen werden.