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Ihr Protest verhallt: Britische EU-Befürworter im Herbst 2016 in London.
Ihr Protest verhallt: Britische EU-Befürworter im Herbst 2016 in London.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 19. Februar 2017

"Der Zug ist abgefahren": EU sieht keine Umkehrchance für Brexit

Während der britische Ex-Premierminister Blair den EU-Austritt seines Landes noch abwenden will, macht sich in Brüssel Fatalismus breit. Ein Top-Diplomat sieht keine Chance für einen Verbleib. Selbst stärker betroffene Länder finden sich damit ab.

Der von den Briten eingeschlagene Weg aus der Europäischen Union ist EU-Insidern zufolge nicht mehr umkehrbar. "Der Zug ist abgefahren", sagte ein hochrangiger EU-Diplomat. Zwar sei niemand glücklich über das Brexit-Votum der Briten. "Aber wir haben weitergemacht und das Letzte, das irgendjemand jetzt will, ist das Thema wieder aufzurollen."

Mag sich mit einem Brexit nicht abfinden: Der frühere britische Premierminister Tony Blair.
Mag sich mit einem Brexit nicht abfinden: Der frühere britische Premierminister Tony Blair.(Foto: imago/ZUMA Press)

Der frühere britische Premierminister Tony Blair hatte die Briten am Freitag dazu aufgerufen, sich gegen den Brexit zu "erheben". Die Bürger hätten das Recht, ihre Meinung zu ändern, weil sie für den Schritt gestimmt hätten, ohne die Modalitäten zu kennen. Blair hat sich wiederholt dafür eingesetzt, ein zweites Referendum abzuhalten, um ein Ergebnis für den Verbleib in der EU zu erreichen.

Premierministerin Theresa May hat angekündigt, den Austrittsantrag bei der EU bis Ende März zu stellen. Sie strebt einen klaren Schnitt mit der Union an, was auch einen Austritt aus dem Binnenmarkt bedeutet. Im Juni 2016 hatten sich in einem Volksentscheid knapp 52 Prozent der Briten für den Austritt ihres Landes aus der EU ausgesprochen.

Immer mehr Briten wollen Deutsche werden

Auch wenn der Verbleib der Briten noch eine offizielle Option ist, rechnen selbst Länder, die der Abgang der Briten besonders stark treffen würde, nicht mehr mit einem Aufschub. "Wir müssen die Entscheidung akzeptieren, dass der Brexit passieren wird", sagte etwa der irische Europa-Minister Dara Murphy auf einer Konferenz in Dublin, auf der die negativen Folgen für Irlands Wirtschaft erörtert wurden. "Die Stimmung in Brüssel hat sich in den vergangenen Wochen wirklich verhärtet", bestätigt auch Giles Merritt von der Brüsseler Ideenschmiede "Freunde Europas".

Auch viele britische Bürger bereiten sich offenbar auf die Umsetzung des Brexit vor. So ist nach dem Votum die Zahl der Briten, die Deutsche werden wollen, deutlich gestiegen. Bundesweite Zahlen für 2016 gibt es noch nicht, aber der Trend ist deutlich. Die Zahl der Anträge und der Einbürgerungen nahm beispielsweise in Hamburg und Teilen Berlins spürbar zu, wie die zuständigen Behörden berichteten. In München stellten seit dem Votum bis Ende Januar 144 Briten einen Einbürgerungsantrag - fast sechsmal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Mit einem deutschen Pass sichern sich die Briten Vorzüge der EU-Mitgliedschaft. In Deutschland leben rund 106.000 Menschen aus Großbritannien.

Quelle: n-tv.de

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