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Wohin geht die Reise Snowdens? Ecuador, Venezuela oder doch die USA?
Wohin geht die Reise Snowdens? Ecuador, Venezuela oder doch die USA?(Foto: dpa)

"Die USA sind härter als ein Hollywoodfilm": Ecuador und Russland ringen um Snowden

Der Ex-Geheimdienstler Snowden sitzt noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens, doch der ecuadorianische Außenminister Patiño bemüht sich persönlich um den Whistleblower. Der könnte sich jedoch auch stellen - wenn die Bedingungen stimmen. Der Chef des Auswärtigen Ausschusses der russischen Duma twittert indes flapsig: "Das Leben und die USA sind härter als ein Hollywoodfilm."

Fast eine Woche nach der spektakulären Flucht des früheren US-Geheimdienstlers Edward Snowden nach Moskau könnte nach Informationen des russischen Fernsehens Bewegung in den Fall kommen. Die Behörden von Ecuador, bei denen Snowden Asyl beantragt hat, würden mit Russland über das Schicksal des 30-Jährigen verhandeln, berichtete der Staatssender Rossija 24. Außenminister Ricardo Patiño habe sich persönlich in die Gespräche eingeschaltet.

Der Andenstaat hatte betont, müsse Snowden auf dem Boden Ecuadors sein, um als Flüchtling anerkannt zu werden. Nach Meinung von Experten könnte das auch die Botschaft des südamerikanischen Landes in Moskau sein. Dafür müsste der US-Bürger, der sich seit vergangenem Sonntag im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhält, aber die russische Grenze übertreten. Die US-Behörden haben allerdings Snowdens Reisepass annulliert.

"Tragischer" Fall

Ricardo Patiño fordert genaue Angaben der USA über ihr Spionageprogramm.
Ricardo Patiño fordert genaue Angaben der USA über ihr Spionageprogramm.(Foto: dpa)

Die USA fordern von Russland die Auslieferung des "Verräters", der aus Hongkong anreiste. Allerdings gibt es wohl bislang keine offiziellen Antrag, sondern nur eine informelle Forderung, der Russland der Aussage eines Regierungsvertreters zufolge nicht nachkommen werde. Snowden habe nicht gegen russische Gesetze verstoßen, hieß es.

Der russische Außenpolitiker Alexej Puschkow nannte den Fall "tragisch". Snowden habe "als Idealist" offenbar davon geträumt, dass die Demokratie nach seinen Enthüllungen triumphieren werde, schrieb der Chef des Auswärtigen Ausschusses in der Staatsduma bei Twitter. "Aber das Leben und die USA sind härter als ein Hollywood-Film."

Möglich ist jedoch auch, dass Snowden freiwillig in die Vereinigten Staaten zurückkehrt. Diese Option hatte der Vater des Whistleblowers ins Spiel gebracht. Wenn sein Sohn bis zum Beginn eines Prozesses nicht ins Gefängnis müsse und den Gerichtsort selbst wählen könne, sei er zuversichtlich, dass sich der 30-Jährige den US-Behörden stellen werde. US-Justizminister Eric Holden werde die Bedingungen von ihm schriftlich erhalten, sagte Snowdens Vater.

Cartwrights Anwalt wehrt sich

Während Snowden weiterhin im Transitbereich des Moskauer Flughafens sitzt, ist ein pensionierter Viersterne-General ins Visier der US-Justiz geraten. Das Justizministerium in Washington ermittle gegen den ehemaligen Vize-Generalstabschef James Cartwright, wie US-Medien berichteten. Der pensionierte Viersterne-General soll geheime Informationen über eine Cyberattacke der USA gegen den Iran an die Presse gegeben haben.

Der Anwalt Cartwrights, der frühere leitende Rechtsberater von Präsident Barack Obama, Greg Craig, wies die Anschuldigungen in einer Erklärung als "absurd" zurück. "General Jim Cartwright ist ein amerikanischer Held, der seinem Land vier Jahrzehnte lang mit Auszeichnung gedient hat", erklärte Craig. "Jede Andeutung, dass er sein Land, das er liebt, verraten haben könnte, ist absurd." Frühere Kollegen Cartwrights zeigten sich verblüfft, dass Cartwright in Verdacht geraten ist.

Cartwright war von 2007 bis 2011 der zweithöchste Offizier im Militär und galt als enger Vertrauter von US-Präsident Barack Obama. Er werde beschuldigt, geheime Informationen über die sogenannte "Stuxnet"-Attacke im Jahr 2010 gegen das Atomprogramm des Mullah-Regimes an die "New York Times" weitergegeben zu haben. Der 63-Jährige sei über die Untersuchungen informiert worden, hieß es.

Quelle: n-tv.de

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