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Der nun Anklagte soll nicht eigenhändig gemordet, sondern die Vernichtung dadurch befördert haben, dass er sich "in die Lagerorganisation unterstützend" eingefügt habe.
Der nun Anklagte soll nicht eigenhändig gemordet, sondern die Vernichtung dadurch befördert haben, dass er sich "in die Lagerorganisation unterstützend" eingefügt habe.(Foto: picture alliance / dpa)

95-Jähriger verhandlungsfähig: Ehemaliger SS-Mann muss vor Gericht

Sein hohes Alter schützt einen 95-jährigen ehemaligen SS-Mann nicht vor einem Prozess. Es geht um Tausende Morde im Vernichtungslager Auschwitz. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Mann sich auch als Sanitäter mitschuldig machte.

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Ein 95-jähriger ehemaliger SS-Sanitäter muss sich laut einer Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Mecklenburg-Vorpommerns wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vor Gericht verantworten. Der Angeschuldigte sei trotz seines hohen Alters eingeschränkt verhandlungsfähig, teilte das Gericht in Rostock mit.

Das OLG hob damit einen gegenteiligen Beschluss des zuständigen Landgerichts Neubrandenburg vom Frühjahr 2015 auf, das den Prozess wegen des Gesundheitszustands des Mannes nicht eröffnen wollte. Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt.

Der ehemalige SS-Mann war im Sommer 1944 als Angehöriger der SS-Sanitätsstaffel im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau tätig. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Schwerin wusste er, dass es sich um ein Vernichtungslager handelte. Da er sich "in die Lagerorganisation unterstützend" eingefügt habe, habe er an der Vernichtung mitgewirkt und diese befördert.

Nach Ansicht des OLG ist die öffentliche Verhandlung dem Angeklagten zuzumuten, zumal ihm drei Verteidiger zur Seite stehen und die Beweisaufnahme sich darauf beschränken werde, Urkunden und frühere Zeugenaussagen zu verlesen.

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Quelle: n-tv.de

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