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Rick Perry will mit viel Gottvertrauen Barack Obama im Weißen Haus beerben.
Rick Perry will mit viel Gottvertrauen Barack Obama im Weißen Haus beerben.(Foto: picture alliance / dpa)

Rick Perry mischt den Wahlkampf auf: Ein Texaner auf dem Kriegspfad

von Sebastian Schöbel

Streng religiös, politisch erfahren und wirtschaftsfreundlich: Rick Perry scheint der perfekte Präsidentschaftskandidat für die Republikaner zu sein. Auch Teile der besonders konservativen Tea-Party-Bewegung jubeln ihm zu. Für den Wahlkampf bedeutet seine Kandidatur jedoch vor allem eines: mehr Spaltung, weniger Einigkeit.

Wie alt die Erde sei, wollte der kleine Junge von Rick Perry wissen. Und der republikanische Präsidentschaftskandidat zögerte nicht, seine Unwissenheit zuzugeben. "Ich habe keine Ahnung", sagte Perry. "Aber ich weiß, dass sie ziemlich alt ist." So weit, so gut. Doch dann drängte die Mutter des Neunjährigen ihren Sohn, Perry nach seiner Meinung zur Evolution zu fragen. Und Perry antwortete prompt. "Das ist eine Theorie, die ein paar Lücken hat. Deswegen lehren wir in Texas auch Kreationismus in der Schule."

Es sind Momente wie dieser, von dem der US-Wahlkampf zurzeit lebt. Rick Perry, neuester Bewerber um das Amt im Weißen Haus, gibt vor laufenden Kameras zu, nicht an die Evolution, sondern an Kreationismus zu glauben, die pseudo-wissenschaftliche Lehre von der Erschaffung der Welt durch einen intelligenten Designer (sprich: Gott). Dass Kreationismus tatsächlich nicht zum offiziellen Lehrplan in Texas gehört, war noch nicht einmal der größte Aufreger – obwohl Perry das wissen müsste, er ist seit elf Jahren der Gouverneur von Texas. Es zeigt vielmehr, in welche Richtung der US-amerikanische Wahlkampf driftet: an den Rand.

Der Texaner Perry eifert dem Kalifornier Reagan nach

Kandidaten wie Rick Perry stehen für die zunehmende Ideologisierung des US-Wahlkampfes. Die Extreme dominieren die Debatte. Angetrieben von der konservativen Tea-Party-Bewegung setzen vor allem die Republikaner auf Konfrontation: Rick Perry, aber auch die ultra-konservative Michele Bachmann predigen, die USA müssten zu ihrer wahren Natur zurückfinden. Und die sei vor allem christlich, wirtschaftsliberal und regierungsfern. Sie träumen von einem Präsidenten, der mit der Bibel unter dem Kopfkissen schläft, die Steuern senkt und sich ansonsten aus dem Leben der Bürger heraushält – so wie einst Ronald Reagan.

Bibel unterm Kopfkissen:  Michele Bachmann.
Bibel unterm Kopfkissen: Michele Bachmann.(Foto: picture alliance / dpa)

Dahinter steckt eine Forderung, die weit mehr beinhaltet als die Sorge um die schwache US-Wirtschaft, die anhaltende Arbeitslosigkeit oder das steigende Haushaltsdefizit. Die Republikaner fordern eine soziale Revolution: weniger Staat, mehr Eigenverantwortung der Bürger und die Rückbesinnung auf eine USA, in der Gewinner viel Applaus erhalten, Verlierer des Systems hingegen kaum Beachtung finden. Auch diese Philosophie war schon immer Teil des "Amerikanischen Traums": das Leben als ständiger Kampf um das persönliche Glück, in dem alles möglich ist, aber niemandem etwas geschenkt wird.

Mehr Cowboy als Bush Junior je war

Rick Perry passt in diese Version der USA wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Aufgewachsen auf der Baumwollfarm seiner Eltern, mitten in der texanischen Einöde, hat sich der Mann mit dem eckigen Schädel und der kräftigen Figur bis an die Spitze seiner Partei gekämpft. Das Geld der Eltern reichte "nur" für die Texas A&M University, eine landwirtschaftlich-technische Hochschule mit enger Bindung an das US-Militär. Der Campus gehört zu den konservativsten im Land und den Studenten wird eine besonders intensive Loyalität für Texas eingeimpft. Wenn Perry vom "Lone Star State" als Ideal für das ganze Land spricht, meint er es durchaus ernst.

Ob Senior oder Junior: Die Bushs sind Gegner von Rick Perry.
Ob Senior oder Junior: Die Bushs sind Gegner von Rick Perry.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bei den Republikanern war er trotzdem zunächst ein Außenseiter, ein Ex-Demokrat, der spät die Seiten gewechselt hatte. Die Vorteile eines George W. Bush, der vor allem dank seiner mächtigen Familie Karriere machte, hatte Perry nie. Dennoch gelang ihm, was Bush nie vermochte: Jede Wahl, zu der Perry bisher antrat, konnte er gewinnen. Im Jahre 2000 löste er Bush Junior als Gouverneur von Texas ab – und sofort wurde der politische Ton rauer.

Der heute 51-Jährige regiert den flächenmäßig zweitgrößten US-amerikanischen Bundesstaat mit eiserner Hand. Er ist kein Freund von Kompromissen: Die demokratischen Gegner bügelt er regelmäßig ab, ähnlich robust ist sein Umgang mit der Presse. Linke Kommentatoren bezeichnen ihn bereits als "George W. Bush auf Steroiden". Wer schon mit dem Cowboy-Image von Bush Probleme hatte dürfte Perry als regelrechte Ein-Mann-Büffelherde erleben. Der Mann teilt mächtig aus, zuletzt gegen den US-Notenbankchef Ben Bernanke. Dessen Geldpolitik bezeichnete Perry kurzerhand als "Verrat" und drohte Bernanke sogar mit einer Tracht Prügel, sollte dieser jemals nach Texas kommen. Vor zwei Jahren kündigte Perry gar die Unabhängigkeit Texas' von den USA an, falls sich die Bundesregierung weiter in die Angelegenheiten der Texaner einmische.

Das eine und das andere Texas

Angesprochen auf seine Vision für die USA zeigt Perry gern auf Texas: Die Wirtschaft im ölreichen Bundesstaat boomt, trotz Krise wächst der Arbeitsmarkt. Unternehmen werden mit niedrigen Steuern und besonders laxen Vorschriften gelockt; die Regierung in der Hauptstadt Austin legte zuletzt ein ausgeglichenes Budget vor – nachdem kräftig gekürzt wurde, vor allem bei der Bildung und den Gesundheitsausgaben.

Nicht zuletzt dank der Ölvorkommen: Die Wirtschaft in Texas boomt.
Nicht zuletzt dank der Ölvorkommen: Die Wirtschaft in Texas boomt.(Foto: picture alliance / dpa)

Perrys Gegner verweisen hingegen auf das "andere Texas": Kaum ein anderer Bundesstaat hat so viele verarmte Einwohner, nirgendwo leben so viele US-Amerikaner ohne Gesundheitsversicherung. Das Schulsystem gilt als völlig unterfinanziert, dabei wächst die Bevölkerung stetig an. Dass seine geliebte Universität A&M eine mit Staatsgeldern gegründete und bis heute finanzierte Hochschule ist, erwähnt Perry nicht. Texas braucht dringend Geld, doch Perry weigert sich, über Steuererhöhungen auch nur zu sprechen. Stattdessen nimmt er still und heimlich Milliarden aus dem Hilfsfonds an, den Präsident Obama nach der Krise bereitstellte – im Wahlkampf erwähnt er das freilich auch nicht. Viel lieber wettert Perry gegen die Steuerpolitik Obamas, weil der zuletzt die Superreichen der USA stärker zur Kasse bitten wollte.

Der mächtigste Perry-Gegner wohnt nebenan

Dass Perry sich Chancen auf die Kandidatur ausrechnet, zeigt vor allem, wie weit nach rechts die republikanische Partei seit ihrer schweren Niederlage 2008 gerückt ist. Der Wahlkampf damals richtete sich vor allem gegen die Person Barack Obama. Dieses Mal geht es um nichts Geringeres als die Seele des Landes. Moderate Kandidaten wie der Ex-Diplomat John Huntsman dürften kaum noch Chancen haben. Auch für Mitt Romney wird es enger, denn Perry ist ähnlich erfahren und telegen wie der smarte Romney. Doch ideologisch ist er der republikanischen Parteibasis viel näher. Am schlechtesten aber dürfte Perrys Eintritt ins Rennen für Michele Bachmann sein. Denn für die Tea Party ist der Texaner kaum weniger attraktiv, dafür fehlt Bachmann jedoch das politische Gewicht von Rick Perry.

Nur von einer Seite wird Rick Perry kaum Unterstützung erwarten dürfen: Ausgerechnet in Texas lauert sein größter Gegner. Der Bush-Clan ist mit Perry schon seit Jahren über Kreuz, nicht zuletzt weil Perry es gewagt hat, George W. Bush für dessen Ausgabenpolitik als Gouverneur zu kritisieren. 2010 arbeitete die Bush-Maschine, allen voran Karl Rove, intensiv gegen Perrys Wiederwahl als Gouverneur. Auch auf dem Weg zur Präsidentschaft muss Perry also zunächst an den mächtigen Männern der eigenen Partei vorbei.

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Quelle: n-tv.de

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