Politik
Bilder wie dieses haben sich in diesem Jahr eingebrannt: Bundeswehrsoldaten retten im September Flüchtlinge auf dem Mittelmeer.
Bilder wie dieses haben sich in diesem Jahr eingebrannt: Bundeswehrsoldaten retten im September Flüchtlinge auf dem Mittelmeer.(Foto: dpa)

Tausende überleben nicht: Eine Million Flüchtlinge kamen übers Meer

Die Millionengrenze ist überschritten: Nach UN-Angaben kamen in diesem Jahr fast fünfmal so viele Menschen über das Mittelmeer nach Europa wie im Vorjahr. Unabhängig davon wurde auch in Deutschland die Grenze von einer Million Flüchtlingen überschritten.

Über das Mittelmeer sind in diesem Jahr nach Angaben der UNO mehr als eine Million Menschen nach Europa geflohen. Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf mitteilte, wagten seit Beginn des Jahres knapp 1.000.600 Menschen die gefährliche Überfahrt in der Hoffnung auf Zuflucht in der EU. Mindestens 3735 Menschen kamen demnach dabei ums Leben oder werden vermisst. Im Jahr 2014 lag die Zahl der Mittelmeerflüchtlinge laut UNHCR bei 219.000.

Gleichzeitig teilte die bayerische Staatsregierung mit, dass in diesem Jahr fast 1,1 Millionen Flüchtlinge in Deutschland angekommen seien - egal, ob über das Mittelmeer oder aus dem Balkan. Ein Großteil von ihnen habe das Land über Bayern erreicht. Das teilte Sozialministerin Emilia Müller unter Berufung auf das Erstaufnahme-System "Easy" ("Erstverteilung von Asylbegehrenden") in München mit.

Die meisten Flüchtlinge erreichten Deutschland über Bayern.
Die meisten Flüchtlinge erreichten Deutschland über Bayern.(Foto: dpa)

Die allermeisten Flüchtlinge kamen nach UN-Angaben in Griechenland an - es waren 848.000, gefolgt von Italien (153.000). Knapp die Hälfte der Schutzsuchenden kamen aus dem Bürgerkriegsland Syrien, 21 Prozent aus Afghanistan und acht Prozent aus dem Irak. Auch aus Pakistan sowie aus afrikanischen Ländern flohen zahlreiche Menschen nach Europa.

Warnung vor Wetterumschwung

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert seit Frühjahr 2011 an und trieb bereits mehr als vier Millionen Menschen außer Landes. Hinzu kommen mehrere Millionen Binnenflüchtlinge. Noch immer sind Syriens direkte Nachbarländer Jordanien, der Libanon und die Türkei am stärksten von dem Flüchtlingsandrang betroffen, in diesem Jahr zog es aber auch deutlich mehr Menschen nach Europa.

Einen Monat nach dem Gipfeltreffen der EU mit der Türkei reißt auch der Flüchtlingszustrom über das Meer nach Griechenland nicht ab. Erneut kamen rund 3000 Flüchtlinge an Bord von zwei Fähren im Hafen von Piräus an. Täglich kommen fast 3000 neue Flüchtlinge und Migranten hinzu, wie griechische Medien berichteten. Experten warnten inzwischen vor einem Wetterumschwung, der die Überfahrt noch gefährlicher machen könnte. Die große Mehrheit der Migranten strebt von Griechenland aus über die Balkan-Route nach Deutschland.

Bei dem Sondergipfel hatten die EU und die Türkei einen gemeinsamen Aktionsplan beschlossen, um den Zustrom von Flüchtlingen einzudämmen. Die Europäische Union hat Ankara dafür unter anderem Finanzhilfen in Höhe von drei Milliarden Euro, Visa-Erleichterungen und eine Wiederbelebung des EU-Beitrittsprozesses in Aussicht gestellt.

1,1 Millionen kamen nach Deutschland

Rund 160.000 Flüchtlinge blieben demnach im Freistaat, die anderen wurden nach dem bundesweiten Verteilungsschlüssel auf alle anderen Bundesländer verteilt, sagte Bayerns Sozialministerin Müller weiter. Unklar ist, wie viele der Flüchtlinge Deutschland wieder verließen, etwa in Richtung Schweden.

Müller bekräftigte angesichts der Rekordzahl die Forderung nach einer Begrenzung der Flüchtlingszahlen: "Wir brauchen nun dringender denn je eine wirksame Begrenzung der Zuwanderung, denn Deutschland kann diese Zugänge nicht dauerhaft schultern", sagte sie.

Unter Fachleuten ist umstritten, wie genau das deutsche "Easy"-System die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland widerspiegelt. Manche Experten gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch höher sind, da es wegen der Überlastung der Behörden inzwischen Wochen dauern kann, bis ein Flüchtling registriert wird. Andere glauben, dass die Zahlen niedriger sind, da Mehrfachregistrierungen ebenfalls vorkommen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen