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Ein Video mit dem Hassprediger Anwar al-Awlaki aus dem Jahr 2010.
Ein Video mit dem Hassprediger Anwar al-Awlaki aus dem Jahr 2010.(Foto: AP)

Radikalisiert durch Terrorvideos: Einzeltäter immer gefährlicher

Auch wenn das Terrornetzwerk Al-Kaida geschwächt ist, gibt es keinen Grund zum Aufatmen. Nach Ansicht eines Terrorexperten wächst die Bedrohung durch islamistische Einzeltäter. Diese würden durch Propaganda-Videos und regelrechte dschihadistische "Gassenhauer" radikalisiert.

Bei der Radikalisierung islamistischer Einzeltäter spielen Hassprediger ruft zum Töten auf und Musik nach Einschätzung eines Terrorexperten eine enorm wichtige Rolle. "Ihre Bedeutung ist kaum überzubetonen", sagte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Dies zeige etwa der islamistisch angestachelte Attentäter vom Frankfurter Flughafen, der an diesem Donnerstag wegen zweifachen Mordes und dreifachen Mordversuchs verurteilt werden soll. Nach der Schwächung des Terrornetzwerks Al-Kaida wachse die Bedrohung durch solche "führerlosen Aktionen".

"Für die Dschihadisten ist der Einzeltäter besonders interessant, weil er so erfolgreich war und sie nichts investieren müssen: kein Geld, keine Reise, kein Training", sagte Steinberg. "Ein großer Sprengstoffanschlag erfordert in der Regel eine professionelle Ausbildung. Das kann man nicht übers Internet lernen."

Arid Uka hörte dschihadistische Gesänge

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hatte am 2. März 2011 zwei US-Soldaten erschossen und zwei andere lebensgefährlich verletzt, weil sie auf dem Weg nach Afghanistan waren. Als er auf einen fünften Amerikaner zielte, versagte seine Pistole. "Auslöser dieses ersten vollendeten islamistischen Anschlags auf deutschem Boden war ein solches Propaganda-Video aus dem Internet", betonte Steinberg. Und auf dem Weg zum Tatort hörte der 21-Jährige dschihadistische Gesänge. "Da sind richtige Gassenhauer darunter, die sich ins Gedächtnis einbrennen, wenn man dafür empfänglich ist."

In dem die Tat auslösenden Video geht es um die Vergewaltigung einer Muslimin durch US-Soldaten. Die Szene stammt zwar aus dem preisgekrönten amerikanischen Spielfilm "Redacted" (2007) von Brian De Palma. Sie sei aber in einen Propagandafilm der Islamischen Bewegung Usbekistans eingebettet gewesen, sagte Steinberg. Uka hielt die Vergewaltigung für eine Dokumentation, reagierte geschockt, konnte sich nicht mehr beruhigen und fuhr am nächsten Morgen - bewaffnet - und mit dem Gefühl, "ich muss etwas tun", zum Flughafen.

"Solche Radikalisierungsprozesse sind bei Einzeltätern kaum zu kontrollieren", sagte Steinberg. "Bei solchen Einzeltätern ist es für die deutschen Behörden sehr, sehr schwer, rechtzeitig zu intervenieren."

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Quelle: n-tv.de

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