Politik

"Schmutziges Wissen" über NSA: Ex-Geheimdienstler will auspacken

Es dürfte eine spannende Anhörung werden, wenn US-Geheimdienstexperte Thomas Drake bald vor dem NSA-Untersuchungsausschuss spricht. Er ist sich sicher: Deutschland war "Ausspähziel Nummer eins" der NSA. Doch das ist nicht alles.

Der ehemalige Geheimdienstler Drake ist inzwischen ein vehementer Kritiker der NSA-Methoden.
Der ehemalige Geheimdienstler Drake ist inzwischen ein vehementer Kritiker der NSA-Methoden.(Foto: dpa)

Der US-Geheimdienstexperte Thomas Drake hat vor seiner Aussage im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages die besondere Rolle Deutschlands für den US-Geheimdienst betont. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sei Deutschland zum "Ausspähziel Nummer eins" geworden, sagte der frühere NSA-Mitarbeiter dem "Spiegel". Der US-Geheimdienst habe die Deutschen in gewisser Hinsicht dafür bestrafen wollen, "dass die Attentäter unbemerkt unter ihnen leben, trainieren und kommunizieren konnten".

Im Interview mit der "Welt am Sonntag" kündigte Drake an, "dreckiges Wissen" preiszugeben. Vor dem Bundestag werde er "spezifische Informationen" über die Zusammenarbeit von NSA und Bundesnachrichtendienst BND ausbreiten. "Ich habe diese geheimen Absprachen gesehen. Sie sind extrem weitgehend."

Drake erklärte, dass nicht notgedrungen die NSA den US-Lauschangriff auf das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel durchgeführt habe. "Das können auch Telekommunikationsunternehmen sein, die im Auftrag der NSA handeln", so Drake. Dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter zufolge hat die Zusammenarbeit der Geheimdienste "Vorrang vor allem anderen und setzt sich über alle Beschränkungen hinweg, die von der jeweiligen Verfassung auferlegt werden".

BND arbeitete eng mit USA zusammen

Drake betonte weiter, die Verärgerung der US-Geheimdienste über Deutschland habe ironischerweise die Beziehung zum BND noch vertieft, "weil die NSA mehr Kontrolle darüber haben wollte, was Eure Jungs hier machen". Deutschland gehöre heute nicht offiziell wie Großbritannien, Australien und die anderen Mitglieder der "Five Eyes" zu den allerengsten Verbündeten der NSA. "Aber die Beziehung ist so eng und wichtig, dass es kaum einen Unterschied gibt", sagte er dem "Spiegel".

Allerdings gibt es laut Drake keine Gespräche zwischen BND und den US-Geheimdiensten "auf Augenhöhe". Vielmehr seien es sehr ungleiche Verhandlungen", und auf US-Seite herrsche noch immer die Haltung vor: "Ihr Deutschen seid uns etwas schuldig."

Drake arbeitete früher als Abhörspezialist für die US Air Force, und wechselt ausgerechnet am 11. September 2001 zur NSA. Hier gehörte er zur Führungsebene des Geheimdienstes und entwickelte Spionageprogramme. Allerdings überwarf er sich mit seinen Vorgesetzen, weil er zunehmend kritisierte, wie sich der Geheimdienst über US-Gesetze hinwegsetzte. Er stieg aus und entging nur knapp einer Gefängnisstrafe.

Im NSA-Untersuchungsausschuss wird Drake an diesem Donnerstag vernommen. Neben ihm ist auch sein früherer NSA-Kollege William Binney geladen. Es ist das erste Mal, dass er zum ersten Mal öffentlich Zeugen befragt.

Quelle: n-tv.de

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