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Angeblich kann die NSA auf die Server von Apple, Google und Facebook direkt zugreifen.
Angeblich kann die NSA auf die Server von Apple, Google und Facebook direkt zugreifen.(Foto: dpa)

Elektronische Spionage: "Alle machen das": Ex-NSA-Chef sieht keinen Skandal

Wie normal und erwartbar ist es, dass der US-Geheimdienst alle verfügbaren Internetdaten speichert? Der ehemalige Chef der Behörde hält die Verwunderung über Prism für verlogen. Nach dem 11. September 2001 habe man umfassende Kooperationen vereinbart.

Logo des Prism-Programms
Logo des Prism-Programms

Der ehemalige Chef der NSA, Michael Hayden, zeigt sich erstaunt von den Diskussionen um Internetüberwachung in Deutschland. "Alle Staaten spionieren, alle modernen Staaten betreiben elektronische Spionage", sagte er im Interview mit dem ZDF. Über Wanzen in Einrichtungen der Europäischen Union wollte Hayden nicht sprechen. Ungewöhnlich schien es ihm aber auch das nicht zu sein.

Hayden war Geheimdienstchef während der Anschläge vom 11. September 2001 und blieb es bis 2005. Danach war er bis 2009 CIA-Direktor, nun ist er im Ruhestand.

Michael Hayden
Michael Hayden(Foto: Reuters)

Nach den Anschlägen habe er sich mit europäischen Geheimdienstchefs getroffen und weitreichende Kooperationen vereinbart. Die NSA sei "sehr offen zu unseren Freunden" gewesen und habe von ihren Plänen berichtet. Ob er damit auch das Prism-Programm meint, wird nicht ganz deutlich.

Hayden betonte, jeder Geheimdienst habe sich an die Gesetze seines Landes gehalten. Man habe kooperiert, soweit es "nach den bestehenden Gesetzen möglich" war.

Ein gegenseitiges Wegschauen habe es nicht gegeben. Die NSA hätte den anderen Diensten sehr offen mitgeteilt, welche Fähigkeiten sie hatte. Außerdem habe man international Informationen "gepoolt", also wohl direkt ausgetauscht. "Es gibt eine breite Zusammenarbeit zwischen befreundeten Nachrichtendiensten", so Hayden. Schriftliche Abkommen dazu habe es nicht gegeben: "Wir Profis kannten einander und wollten vorankommen."

Auf die Frage danach, was er von der Überraschung deutscher Politiker hält, antwortete Hayden mit einem Vergleich: "Ich bin da mal sehr respektlos, okay? Das ist wie in dieser Filmszene aus 'Casablanca', in der Polizeichef Renault informiert wird, dass in Rick's Café Glücksspiel stattfindet."

Auf der gleichen Veranstaltung hatte der aktuelle NSA-Chef Keith Alexander die Enthüllungen von Edward Snowden bestätigt. Man sage dem deutschen Geheimdienst nicht alles, was man tue und wie man es tue, so Alexander. "Jetzt wissen sie es."

Quelle: n-tv.de

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