Politik

Wie ein Gespräch mit Hannibal Lecter: Experte: Breivik ist geistig gesund

Im Prozess gegen den norwegischen Attentäter Breivik geht der Streit um dessen Schuldfähigkeit weiter. Mehrere Experten bekräftigen nun, dass der Rechtsextremist geistig gesund sei. Ein Psychologe vergleicht seine Gespräche mit Breivik mit denen des Film-Kannibalen Hannibal Lector.

Breivik während des Prozesses.
Breivik während des Prozesses.(Foto: REUTERS)

Im Prozess gegen den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik haben mehrere Experten die Schuldfähigkeit des Rechtsextremisten bekräftigt. Der Psychologe Eirik Johannesen, der persönlich 26 Stunden mit dem Angeklagten gesprochen hatte, sagte vor dem Gericht in Oslo, er sei "absolut überzeugt", dass Breivik geistig gesund sei. "Angesichts seiner Ideologie glaube ich nicht, dass er mit einer Therapie oder mit Medikamenten behandelt werden kann", sagte Johannesen.

Der Psychologe sagte mit Bezug auf den Kannibalen Hannibal Lecter aus dem Spielfilm "Das Schweigen der Lämmer", Breivik im Gefängnis zu sprechen sei "ein wenig gewesen, wie Hannibal zu treffen". Der Psychatrie-Professor Einar Kringlen sagte mit Verweis auf den Holocaust, das Böse könne nicht immer mit Krankheit erklärt werden. Die beiden Experten waren von der Verteidigung vorgeladen worden, um deren Position zu stützen, wonach ihr Mandant zurechnungsfähig und damit strafmündig ist.

Experten widersprechen sich

Der 33-jährige Rechtsextremist hatte am 22. Juli 2011 zunächst im Osloer Regierungsviertel eine Autobombe gezündet, bei deren Explosion acht Menschen getötet worden waren. Anschließend hatte er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utøya 69 Menschen erschossen. Breivik gestand die Taten, seine Schuldfähigkeit ist aber umstritten. Während ein erstes Gutachterteam bei ihm eine "paranoide Schizophrenie" diagnostizierte, stellten zwei andere Experten nur eine Persönlichkeitsstörung fest.

Breivik selbst beharrt darauf, straffähig zu sein. Er will unbedingt vermeiden, dass die Anschläge als die Taten eines Wahnsinnigen abgestempelt werden. Er behauptet, sie seien notwendig gewesen, um gegen die angebliche Islamisierung Norwegens und das "multikulturelle Experiment" der Regierung zu kämpfen. Bereits vergangene Woche hatten seine Anwälte mehrere Rechtsextreme als Zeugen gerufen, die zeigen sollten, dass die von ihm vertretene Sichtweise zwar extrem, aber nicht das Ergebnis einer geistigen Krankheit ist.

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Quelle: n-tv.de

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