Politik
Steht in der Kritik: Rainer Brüderle.
Steht in der Kritik: Rainer Brüderle.(Foto: dpa)

Sexismus-Vorwurf gegen Brüderle: "FDP hat ein Problem mit Frauen"

Zahlreiche FDP-Politiker springen Rainer Brüderle bei, dem der "Stern" Sexismus und eitle Distanzlosigkeit vorwirft. Nur die einstige Hoffnungsträgerin Silvana Koch-Mehrin ist mit ihrer Solidarität nicht ganz so eindeutig. Sie fordert ein Umdenken in ihrer Partei.

Silvana Koch-Mehrin.
Silvana Koch-Mehrin.(Foto: dapd)

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ist in die Kritik geraten, weil er eine "Stern"-Reporterin vor einem Jahr in einer Hotelbar mit Anzüglichkeiten belästigt haben soll. Postwendend stärkten ihm Partei-Granden wie Guido Westerwelle oder Wolfgang Kubicki den Rücken. Eine Frau der Liberalen äußert sich nun ganz anders. Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin wirft ihrer Partei vor, ein Problem mit Frauen zu haben. "Die FDP ist das Schlusslicht, wenn es darum geht, Gleichberechtigung in der eigenen Partei zu leben", sagte Koch-Mehrin. Die FDP brauche mehr Frauen.

Die FDP-Politikerin nahm zugleich den "Stern" für seine Berichterstattung über Brüderle in Schutz. Die Journalistin Laura Himmelreich wirft dem 67-Jährigen darin vor, sich ihr vor gut einem Jahr am Rande des Dreikönigstreffens auf anzügliche Weise genähert zu haben. "Ich finde es gut, dass Frau Himmelreich den Mut hat, das Thema Anzüglichkeiten so offen zu benennen", sagte Koch-Mehrin der Nachrichtenagentur Reuters. Das Thema sei aber so wichtig, dass man es "aus der Nische FDP-Kritik" herausbringen müsse. Die Begründung Himmelreichs, dass durch Brüderles Kür zum Spitzenkandidaten die Dinge eine andere politische Relevanz bekommen hätten, könne sie verstehen.

Westerwelle und Kubicki stärken Brüderle den Rücken

Himmelreich wurde vom Deutschlandfunk auf dessen Internetseite zitiert. In ein Mikrofon habe sie nichts sagen wollen. Sie wolle aber die Intention ihres Artikels persönlich klarstellen: "Der Tenor ihres Artikels sollte nie sein: Sie wurde von Rainer Brüderle belästigt und jetzt will sie ihn an den Pranger stellen." Wörtlich heißt es weiter: "Ihre Absicht sei es gewesen, aufzuzeigen, dass Brüderle ein Politiker sei, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Und dass der 67-Jährige nun als Spitzenkandidat der FDP im Wahljahr 2013 ins Rennen geschickt wird - das passe nicht."

Außenminister Westerwelle nahm seinen Parteifreund Brüderle derweil in Schutz. "Diese Art der Berichterstattung ein Jahr nach einem angeblichen Vorfall ist zutiefst unfair", sagte Westerwelle. Zudem sei es "unmöglich", Brüderles Ehefrau Angelika in die Berichterstattung hineinzuziehen. Die entsprechende Passage hat Stern.de mittlerweile gestrichen.

Der "Stern"-Beitrag stieß auch bei anderen FDP-Politikern auf Kritik. "Es ist schade, auf welches Niveau der 'Stern' mittlerweile gesunken ist", sagte der FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki. "Ich wundere mich, dass die junge Journalistin offensichtlich über ein Jahr gebraucht hat, um ihr Erlebnis zu verarbeiten."

"Abwegig" oder "legitim"?

Er halte es für "unprofessionell" und "abwegig", dass eine junge Journalistin, die sich vor über einem Jahr belästigt gefühlt habe, nunmehr "diese Belästigung auskramt", sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Stinner im Deutschlandfunk. Die Veröffentlichung komme zu dem Zeitpunkt, wo Brüderle als Spitzenkandidat zur Bundestagswahl "eine neue herausragende Position" eingenommen habe.  Ohnehin sei der "Stern" dem FDP-Fraktionschef "deutlich nicht gewogen", sagte Stinner. "Das ist so durchsichtig und das ist so primitiv, dass ich sage, das fällt eher auf den Journalismus des 'Stern' zurück als auf Herrn Brüderle."

"Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn hielt auf Stern.de dagegen: "Der erste Eindruck, den Laura Himmelreich vor einem Jahr von Brüderles Umgang mit Frauen gewonnen hatte, bestätigte sich im Laufe der Zeit bei weiteren Beobachtungen und Begegnungen. Ich halte unsere Berichterstattung deshalb für legitim. Denn es scheint ein wiederkehrendes Verhalten von Brüderle zu sein. Was ihm jetzt nur nicht gefällt, ist, dass darüber berichtet wird." Journalistinnen seien kein Freiwild, fügte er hinzu.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen