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Das Hauptquartier des britischen Geheimdienstes GCHQ.
Das Hauptquartier des britischen Geheimdienstes GCHQ.(Foto: dpa)

Snowdens "Kronjuwelen": Firmen in Deutschland helfen bei Spionage

Der britische Geheimdienst GCHQ - der eng mit der NSA zusammenarbeitet - bezahlt Schlüsselfirmen der Internet-Infrastruktur für Spionage bei Kunden. In Snowdens "Kronjuwelen" werden die Namen der Unternehmen aufgedeckt. Fünf davon agieren auch in Deutschland.

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Private Telekommunikationsanbieter haben deutschen Medienberichten zufolge weitaus enger mit dem britischen Geheimdienst GCHQ kooperiert als bislang bekannt - und damit auch der National Security Agency, mit der er eng zusammenarbeitet. Bis zu 500 Millionen Datensätze aus Deutschland sollen über die GCHQ bei der NSA pro Monat einlaufen.

Beim Ausspähen des weltweiten Internetverkehrs habe die Sicherheitsbehörde gleich mit mehreren großen Firmen zusammengearbeitet, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden aus dem Jahr 2009. Die Mehrzahl der Kooperationen besteht immer noch, wie die Reaktionen der Firmen nahelegen. Dies diene auch dem Wohl der britischen Wirtschaft, wie aus einer Präsentation hervorgeht. Es ist ein möglicher Hinweis auf Wirtschaftsspionage.

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In den Unterlagen werden demnach neben den internationalen Telekommunikationsfirmen British Telecom, Verizon und Vodafone auch die Netzwerkbetreiber Viatel, Global Crossing und Level 3 Interoute als Schlüsselpartner der GCHQ genannt - allerdings jeweils unter Decknamen. Es sind die größten Betreiber der Internet-Infrastruktur, die Unternehmen, die das Netz möglich machen. Ihnen gehören Hauptkabel, sogenannte Backbones, und riesige Rechenzentren, durch die Daten weltweit geleitet werden. Um Zugang zu Programmen des GCHQ zu erhalten, hat die NSA den britischen Kollegen offenbar über Jahre Geld gezahlt. Snowden hatte die Namen der Firmen zu Beginn seiner Enthüllungen als "Kronjuwelen" bezeichnet.

Fünf Standorte in Deutschland

Marktführer Level 3 betreibt eigenen Angaben zufolge mehrere Standorte in Deutschland: In München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin und Frankfurt am Main. Dort befindet sich auch der zentrale Internetknoten DE-CIX, ein Schlüsselpunkt der Internetkommunikation zwischen Ost und West. Fünf der Unternehmen, die offenbar mit den Geheimdiensten kooperieren, sind auch in Frankfurt vertreten. "Keiner fremden Regierung" werde Zugang zu seinem Telekommunikationsnetz oder Einrichtungen in Deutschland gewährt, wird Level 3 von der "SZ" zitiert.

Aber auch dies lässt vieles offen: Werden Daten selbstständig, eventuell über ein Drittland wie Großbritannien, an Geheimdienste geliefert, etwa an einen Server des GCHQ oder der NSA? Die National Security Agency hatte bereits im Jahr 2007 weltweit mindestens auf 500 solcher Server Zugriff, als Teil des NSA-Überwachungsnetzwerks XKeyscore.

Die Unternehmen hätten offenbar nicht bloß Zugang zu ihren weltweit gespannten Datennetzen gewährt, sondern teilweise auch eigene Computerprogramme entwickelt, um dem Geheimdienst das Abschöpfen der Informationen zu erleichtern. Ein Großteil der Überwachungsarbeit sei damit an private Unternehmen delegiert worden. Das könnte mit rechtlichen Problemen zu tun haben – wer nicht selbst abhören darf, bezahlt eben eine Firma für das Ausspionieren seiner Kunden.

Datenflüsse unklar

Mit den Snowden-Dokumenten konfrontiert, hätten die meisten der Firmen auf Gesetze verwiesen, die sie unter bestimmten Umständen zur Herausgabe von Daten an Regierungen verpflichteten. Lediglich Viatel erklärte, es kooperiere nicht mit dem britischen Geheimdienst und gewähre auch keinen Zugang zur eigenen Infrastruktur oder Kundendaten. Auch hier ist wieder Feingefühl gefragt - "keinen Zugang gewähren" könnte im Umkehrschluss immer noch bedeuten, dass die Firma gesammelte Daten selbst an die Geheimdienste liefert.

In den USA ist Verizon auch an der Schnüffelei der NSA beteiligt, wie bereits vor mehreren Wochen bekannt wurde. Als Erfüllung der amtlichen Anordnung "13-80" händigte das Unternehmen dem Geheimdienst eine Komplettkopie aller Verbindungsdaten aus. Möglicherweise war dies also die 80. Anordnung im Jahr 2013.

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Quelle: n-tv.de

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