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Während der 5. Thüringer Firmenkontaktmesse "academix Thüringen" in Erfurt.
Während der 5. Thüringer Firmenkontaktmesse "academix Thüringen" in Erfurt.(Foto: dpa)

Geld für die Schlepper: Flüchtlinge wollen arbeiten statt lernen

Viele Flüchtlinge setzen auf Arbeit statt Ausbildung, weil sie ihre Familien in der Heimat unterstützen wollen oder ihre Schulden bei Schleppern bezahlen müssen. Aber auch die Bundesländer haben ein Geld-Problem.

Flüchtlinge nehmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge oft lieber einen Hilfsjob an als eine Ausbildung auf. "Wir stellen fest, dass viele Flüchtlinge möglichst schnell Geld verdienen wollen", sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker der "Süddeutschen Zeitung". "Sie wollen und müssen damit häufig ihre Angehörigen in der Heimat finanziell unterstützen, manchmal auch noch horrende Schulden an Schlepperbanden zurückzahlen."

Den Flüchtlingen sei der hohe Stellenwert beruflicher Ausbildung in Deutschland "nicht bewusst", sagte Becker. Dies werde "noch nicht richtig eingeschätzt". Dabei zahlt es sich langfristig finanziell aus, in die Lehre zu gehen: Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung verdienen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung über ihr Erwerbsleben hinweg knapp 250.000 Euro mehr als Ungelernte. Becker setzt daher auf eine intensive Beratung, um Flüchtlinge von einer Lehre zu überzeugen. Helfen solle dabei die berufsbegleitende Qualifizierung.

Das Problem ist auch bei den Handwerks- sowie den Industrie- und Handelskammern bekannt. "Gut ausgebildete Fachkräfte werden selten arbeitslos und haben deutlich bessere Verdienstaussichten", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, der Zeitung. Deshalb sei es wichtig, Flüchtlinge ohne Berufs- und Studienabschluss frühzeitig über die Chancen einer beruflichen Ausbildung zu informieren.

Bundesländer brauchen mehr Hilfe vom Bund

Derweil verlangen Thüringen und Nordrhein-Westfalen vom Bund mehr Geld für die Versorgung von Flüchtlingen. "Bisher tut der Bund einfach zu wenig", sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow der "Frankfurter Rundschau". Von fünf Euro, die sein Bundesland für Flüchtlinge und Integration ausgebe, bekomme es gerade einmal einen Euro vom Bund zurück. Der Linken-Politiker forderte daher, das vollständige Aufkommen aus dem Solidaritätszuschlag an die Bundesländer weiterzugeben, "um ihnen Luft zum Atmen zu verschaffen".

Kritik kam auch vom nordrhein-westfälischen SPD-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Zwar übernähmen Kommunen und Länder ihre Verantwortung für die Flüchtlinge gern, sagte er der "Frankfurter Rundschau". Die finanziellen Folgen des Zerfalls von Syrien oder Libyen könnten aber "nicht ernsthaft Sache von Ländern und Gemeinden sein". Sie seien vielmehr eine Angelegenheit des Bundes.

Quelle: n-tv.de

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